Physiker hinterfragen Realität
Leben in der Konsole
publiziert: Dienstag, 26. Nov 2013 / 09:27 Uhr
Kosmische Hintergrundstrahlung: Verstecken sich hier Hinweise auf die Realität?
Kosmische Hintergrundstrahlung: Verstecken sich hier Hinweise auf die Realität?

Simulationen sind der Renner und nicht nur jene der neuesten Spielkonsolen, die jetzt gerade auf den Markt kommen. Obwohl auch PS4 und Xbox One manche Hinweise geben, was alle möglich ist. Wissenschaftler und Ingenieure simulieren in ihren Computern fast alles: Von virtuellen Auto-Crashtests über die Klimaentwicklung bis hinunter zum Verhalten von subatomaren Partikeln. Die Perfektion wird immer grösser und stellt auch Fragen zu unserer Existenz.

3 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Leben wir in der Matrix?
Artikel zu diesem Thema von «Discover Magazine» (Englisch).
dicovermagazine.com

Ist die Feinstrukturkonstante Konstant?
Abschnitt in Wikipedia über die Konstanz der Feinstrukturkonstante (Englisch)
wikipedia.org

Wenn jetzt die neuesten Spielkonsolen auf die Gamer der Welt losgelassen werden, können diese wieder darüber staunen, mit welcher Präzision die Kunstwelten in den verschiedenen Spielgattungen in Echtzeit erschaffen und auf den HD-Bildschirmen dargestellt werden. Ein grosser Teil dieser Realität ist den sogenannt Physik-Engines zu verdanken, welche virtuellen Dingen scheinbar Masse, Trägheit und strukturelle Eigenschaften verleihen. So zerbrechen Gläser, wenn sie auf Steinboden fallen, bleiben aber ganz, wenn unten Gras ist. Autos erleiden je nach Kollisionsgeschwindigkeit grössere oder kleinere Schäden, Wasser spritzt wie in der wirklichen Welt und Bäume wogen im selben Wind, der auch die Kugel eines Scharfschützen ablenkt.

Diese Simulationen finden zum reinen Vergnügen des Spielers statt. Doch bereits wenn Autos nicht mehr in der Konsole, sondern auf den Strassen unterwegs sind, haben Simulationen in den Supercomputern der Autohersteller lange vorher dafür gesorgt, dass schon die ersten Prototypen sicherer bei Crashtests abschnitten und besser auf der Teststrecke lagen, als dies früher bei den ersten Testwagen möglich gewesen war.

Die Statik von Wolkenkratzern wird schon Jahre vor dem Baubeginn genaustens analysiert, während die Synthese neuer Medikamente für die Grossproduktion in Computersimulationen vorbereitet wird. Sogar die Wahrnehmung von Anzeigen durch Konsumenten wird vor deren Veröffentlichung von Computern simuliert, während wir fast täglich die Resultate von Computersimulationen konsumieren, wenn wir den Wetterbericht runter laden.

Die Idee, eine ganze Zivilisation zu simulieren um Erkenntnisse über die Eigene zu gewinnen wurde schon vor fast 50 Jahren im Roman «Simulacron 3» von Daniel F. Galouye zu einer faszinierenden Geschichte gesponnen. Und seit 1999 «The Matrix» die Kinogänger in seinen Bann zog (trotz oder wegen Keanu Reeves sei dahingestellt), ist der Gedanke einer simulierten Wirklichkeit im Allgemeinen Bewusstsein angekommen. Und seit es «Sims» gibt, spielen wir sogar eine Art primitiver Matrix auf unseren PC's und Konsolen.

Wissenschaftler wollen nun noch einen Schritt weiter gehen. Wir sind nun so weit, dass sich manche Physiker ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigen, ein ganzes Universum zu simulieren, während einige andere Physiker den Verdacht hegen, dass wir allenfalls selbst in einem simulierten Universum lebten.

Hinweise darauf gibt es natürlich noch nicht wirklich, aber der Verdacht, dass die Feinstrukturkonstante (ein Wert, der festlegt, wie Elementarteilchen miteinander reagieren) sich während der letzten paar Milliarden Jahre verändert haben könnte, könnte ein Hinweis darauf sein, dass da vielleicht ein Sys-Admin an den Werten der Simulation geschraubt hat, um diese vor dem Absturz zu bewahren.

Ebenso sei die Tatsache, dass die Energie der energiereichsten Elementarteilchen, die aus den Tiefen des Alls bei uns ankommen, bei 10 hoch 20 Elektronenvolt ein einheitliches Maximum erreichen, ein Indiz, das für die Hypothese des Universums als Simulation sprechen könnte.

Wirklich Aufschluss darüber geben könnte eine umfassende und sehr genaue Messung der kosmischen Hintergrundstrahlung. Sollte diese gleichmässig und homogen von allen Seiten eintreffen, lebten wir mit hoher Sicherheit in einem echten Universum. Gäbe es hingegen einen gerasterten Hintergrund, müssten wir uns damit abfinden, womöglich nur im Experiment einer höheren Intelligenz zu existieren, die allenfalls hofft, dank unseres Simulations-Universums einen tieferen Einblick in das eigene zu finden. Oder sie hat einfach Spass daran, zuzuschauen, wie sich mitunter etwas bildet, das glaubt, eine intelligent zu sein, bevor sich dann diese Intelligenzen gegenseitig den Schädel einschlagen.

Ein Beweis für die Echtheit (oder eben nicht) unseres Universums dürfte noch ein Weilchen auf sich warten lassen. Doch früher oder später werden die Messungen gemacht sein. Sollte die Hintergrundstrahlung homogen sein, kann man die Sache wohl abhaken. Doch was, wenn tatsächlich ein «Raster» sichtbar würde?

Wenn es mit der Computertechnik so weiter geht, werden wir in den nächsten Jahrzehnten virtuelle Lebewesen in virtuellen Welten zum Leben erwecken. Wir sind schon nicht besonders toll darin, wenn es darum geht, echte Lebewesen (ob Mensch oder Tier) würdevoll zu behandeln. Wie es dereinst virtuellen Wesen ergehen wird, mag man sich daher gar nicht vorstellen. Wenn man nun wüsste, dass man selbst eine Simulation wäre, könnte dies auch auf unser Verhalten gegenüber virtuellen - und vermeintlich echten - Intelligenzen einen Einfluss haben.

Für den Alltag hätte eine solche Erkenntnis natürlich keine Auswirkungen, aber philosophisch würde so manche Frage durch andere ersetzt werden: Der Sinn des Lebens wäre es demnach, Teil einer grossen Simulation zu sein. Die Angst vor dem Weltuntergang würde womöglich durch die Angst vor dem grossen Update ersetzt. Und unsere grösste Hoffnung wäre vermutlich, dass auch unser Simulierer selbst eine virtuelle Existenz und sich dessen Bewusst ist: Schicksalsgefährten löscht man nicht einfach per Neustart aus.

Doch vorerst gilt unsere Welt - Feinstruktur(un)konstante hin oder her - als das echte Ding. Doch es wäre allenfalls eine Gute Idee, schon jetzt eine neue Religion zu gründen, deren Anhänger dereinst den grossen System Administrator anbeten und um gnädige Behandlung betteln könnten. Denn wer jemals ein Game einfach abgebrochen und all seine Charakter mit einem Knopfdruck gekillt hat, weiss, dass Allmachtsgefühle über eine Taste am Controller erreichbar sind.

Ob sich dieser Grosse Gamer durch das lautstarke Betteln einer Sekte vom Losschicken eines Killerasteroiden abbringen liesse, darf man getrost bezweifeln... aber irgendwer wird es sicher probieren. Aber spätestens wenn die neuen Spielkonsolen draussen sind, dürften wir auf dem Müll landen, egal wie viel wir betteln...

(Patrik Etschmayer/news.ch)

Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Microsofts Next-Gen-Modell setzt ... mehr lesen
Die neue Xbox ist in der Schweiz offiziell erst ab Frühjahr 2014 erhältlich.
Zwar hat Sony am ersten Tag in den USA eine Mio. PS4 verkauft, doch von den über 80 Mio. PS3-Geräten weltweit ist man damit noch weit entfernt.
San Francisco - Die PlaySation 4 (PS4) ist in den USA bereits gestartet, die Xbox One folgt diese Woche - aber einen richtig bahnbrechenden Launch-Titel haben die Fachmedien noch nicht ... mehr lesen
Dazu gibt es...
...eine seit Jahren nicht veröffentlichte Arbeit. "Der Takt des Universums"...
Der Autor sei ungenannt. Sie würden sie in Kenntnis dessen ohnehin nicht lesen;-)
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
«Hier hätte ich noch eine ...
In den USA ist bei einer Frau mit Harnwegsinfektion zum ersten mal ein Bakterium aufgetaucht, das gegen das letzte Reserve-Antibiotikum resistent ist. Wer Angst vor ISIS hat, sollte sich überlegen, ob er seinen Paranoia-Focus nicht neu einstellen will. Denn das hier ist jenseits aller im Alltag sonst verklickerten Gefahren anzusiedeln. mehr lesen 4
Durch ungeschickte Avancen von SBB- und Post-Chefs, droht die Service-Public-Initiative tatsächlich angenommen zu werden. Von bürgerlicher Seite her solle laut einem Geheimplan daher ein volksnaher Alternativvorschlag vor den Wahlen als Killer-Argument gegen die Initiative publik gemacht werden. Dass dieser noch nicht öffentlich ist, liegt mal wieder am Geld. mehr lesen  
Eine renommierte US-Kanzlei stellt einen neuen Anwalt Namens Ross ein. Die Aufgabe: Teil des Insolvenz-Teams zu sein und sich durch Millionen Seiten Unternehmensrecht kämpfen. Und ... mehr lesen  
Urversion von IBM's Supercomputer WATSON: Basis für 'ROSS'... und unsere zukünftigen Regierungen?
Sicherheitskontrolle in US-Airport: 95% Versagen, 100% nervig.
In letzter Zeit wurden aus Terrorangst zwei Flüge in den USA aufgehalten. Dies, weil Passagiere sich vor Mitreisenden wegen deren 'verdächtigen' Verhaltens bedroht fühlten. ... mehr lesen  
Typisch Schweiz Der Bernina Express Natürlich gibt es schnellere Bahnverbindungen in den Süden, aber wohl ...
saleduck.ch, Logo
Shopping «Wär hetts erfunde?» Zwei Jahre nach der Gründung erhält Saleduck.ch eine neue Plattform und wird zu einer Deal Community. Neben einem neuen Layout bieten sich auch für Netzwerke und Advertiser viele ...
Erstaunliche Pfingstrose.
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Frauenrechtlerin Ada Wright in London, 1910: Alles könnte anders sein, aber nichts ändert sich.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Obama in Hanoi mit der Präsidentin der Nationalversammlung, Nguyen Thi Kim Ngan auf einer Besichtigungstour: Willkommenes Gegengewicht zu China.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Recep Tayyp Erdogan: Liefert Anstoss, Strafgesetzbücher zu entschlacken.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 2°C 7°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt
Basel 3°C 8°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
St. Gallen 2°C 5°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer freundlich
Bern 2°C 6°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Luzern 3°C 7°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
Genf 3°C 8°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich bedeckt, wenig Regen
Lugano 7°C 14°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wolkig, aber kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten