Lebenslänglich und zweimal 16 Jahre Haft im Mordprozess Unterseen
publiziert: Montag, 29. Mrz 2004 / 10:13 Uhr / aktualisiert: Montag, 29. Mrz 2004 / 11:00 Uhr

Bern - Lebenslänglich für den 25-jährigen Hauptangeklagten und je 16 Jahre Zuchthaus für die beiden 24-jährigen Mittäter: So lauten die Urteile im Mordprozess von Unterseen BE.

Die drei Verurteilten gehörten einer rechtsextremen Vereinigung an.
Die drei Verurteilten gehörten einer rechtsextremen Vereinigung an.
Die drei jungen Männer wurden vom Kreisgericht Interlaken-Oberhasli, das in Bern tagt, wegen Mordes, unvollendeten versuchten Mordes und Vorbereitungshandlungen zu Mord für schuldig erklärt. Nebst der Ermordung ihres früheren Schulkollegen hatten sie die Ermordung eines Ausländers sowie eines Schweizers geplant.

Die drei Verurteilten, die dem rechtsextremen Orden der arischen Ritter angehörten, erschlugen am 27. Januar 2001 auf der Ruine Weissenau in Unterseen ihren 19-jährigen Ordensbruder, weil er ein Schweigegebot gebrochen hatte. Nach der Tötung versenkten sie die Leiche bei den Beatushöhlen im Thunersee.

Der Hauptangeklagte galt als Kopf und Organisator des geheimen Ordens, dessen Ziel das gemeinsame Zusammenstehen gegen Ausländer in der Region Bödeli zwischen Unterseen und Interlaken war. Der 25-jährige Plattenleger war es, der die äusserst brutale Tat mit einem langen Chromstahlrohr nach dem Vorbild des Scorsese-Films Casino ausführte.

Bei den beiden 24-jährigen Mitverurteilten handelt es sich um einen Schreiner und einen Maurer. Der Schreiner war bereits Ende November 2001 vom Jugendgericht wegen Mordes und unvollendeten versuchten Mordes verurteilt worden; er war bei der Ausführung der Tat dabei. Der Maurer war an der detaillierten Planung und Materialbeschaffung beteiligt.

Der Staatsanwalt hatte für den Haupttäter eine lebenslange Zuchthausstrafe, für die beiden Mittäter eine Strafe von je 18 Jahren gefordert. Der Verteidiger des Hauptangeklagten forderte eine Zuchthausstrafe von 15 Jahren; die Verteidiger der Mittäter beantragten Strafen von je 12 Jahren Zuchthaus.

Das Gericht hatte bereits am ersten Prozesstag - unter Ausschluss der Öffentlichkeit - den Eltern des Ermordeten je 30 000 Franken sowie dem Bruder 10 000 Franken Genugtuung zugesprochen.

(fest/sda)

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