«Legitim vergewaltigt»
publiziert: Mittwoch, 22. Aug 2012 / 11:39 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 22. Aug 2012 / 16:21 Uhr
Glaubt scheinbar, Gebärmütter seien intelligenter als er: Todd Akin, Senatskandidat der Republikaner
Glaubt scheinbar, Gebärmütter seien intelligenter als er: Todd Akin, Senatskandidat der Republikaner

Der Republikanische Senatskandidat Todd Akin hat eine völlig faszinierende neue Theorie zum Thema Schwangerschaft durch Vergewaltigung. Demnach könne eine Frau, die Opfer einer «legitimate», also einer echten Vergewaltigung sei, praktisch nicht schwanger werden. Das erschütternde daran: Akin ist mit dieser Ansicht kein Extremist sondern der perfekte Republikaner des Jahres 2012.

3 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Artikel zur geplanten Gesetzesänderung in Iran
Neues Gesetz im Iran will Hochzeit mit 9jährigen erlauben.
care2.com

An der Convention der Republikaner, welche am kommenden Montag in Tampa, Florida beginnen wird, soll nicht nur mit Romney offiziell als Kandidat gekürt werden. Gleichzeitig wird die Parteiplattform präsentiert, mit der die Republikaner zu Präsidentschaftswahl im November antreten werden. Und diese umfasst Punkte, welche Akins scheinbare Entgleisung plötzlich als republikanischen Mainstream erscheinen lassen.

So gibt es zum Beispiel das Bestreben, jede Art der Abtreibung zu verbieten: Vergewaltigung? Abtreibung verboten. Inzest? Abtreibung verboten. Mutter stirbt bei der Geburt? Abtreibung verboten. Mutter und Kind sterben bei Geburt? Ditto. Doch wundert das bei einer Partei, in der Frauen von manchen Repräsentanten auf die selbe Stufe mit Kühen und Schafen gestellt werden?

Natürlich gab es diese Position schon in früheren Parteiprogrammen. Aber seit Jahrzehnten ist es wohl das erste mal, dass viele Kandidaten und Volksvertreter und nicht nur das Parteivolk mit diesen Ansichten lautstark auftreten.

Ergänzt wird dies alles durch die Bestreben, die Ehe von Homosexuellen verfassungsmässig zu verbieten, gegen illegale Einwanderer noch härter vor zu gehen, die Wahlregeln so zu verschärfen, dass ärmere Bürger möglichst vom Urnengang ausgeschlossen werden und den Schutz des geborenen Lebens durch möglichst lasche Waffengesetze zu untergraben. Es ist ein Programm, das selbst unter Eisenhower noch konservativ ausgesehen hätte und sich gegen Minderheiten, Arme und Schwache wendet.

Wenn Akin also von intelligenten Gebärmüttern schwafelt, die wüssten, ob eine Frau «wirklich» vergewaltigt wird, oder nicht und so geschwängerten Vergewaltigungsopfern unterstellt, es eigentlich gewollt zu haben, dass ihr Leben von einem Gewalttäter zerstört wird, dann ist dies offensichtliches, wenn auch nicht ausgesprochenes Parteiprogramm der Republikaner. Würde dieser Gedanke weiter gesponnen, müssten ja sämtliche Vergewaltiger, deren Opfer schwanger wurden, freigesprochen oder aus den Gefängnissen entlassen werden, denn ihre Taten waren demnach ja kein «legitimate rape».

Die Angst vor Veränderung der Welt durch soziale, demographische und wissenschaftliche Erkenntnisse ist es, was die «GOP», jene Partei, die einst die Sklaverei abgeschafft hat, heute dominiert. Prüderie, Gottesfurcht, Rassismus, Misogynie und Xenophobie definieren Programm und Personal immer stärker, während die Welt langsam an dieser Rentnerpartei, deren Mitglieder sich zum Teil selbst entrechten, vorbei zieht.

Dass die Fratze dieser Partei dabei immer mehr jener des iranischen Regimes - des erklärten Todfeindes (nach Obama) - gleicht, ist dabei mehr als nur ein wenig ironisch: Auch dort sind Prüderie, Gottesfurcht, Frauen- und Fremdenhass ganz oben auf der Hitliste. Es wäre interessant, was die Republikaner zum Bestreben jenes Regimes zu sagen hätte, das legale Heiratsalter von Mädchen auf 9 Jahre (ja, sie haben richtig gelesen) herunter zu setzen. Vermutlich gar nichts - solange vorher einfach korrekt - vor Gott - geheiratet wird. Denn dann kann es unmöglich Vergewaltigung sein... ob schwanger oder nicht.

(Patrik Etschmayer/news.ch)

?
Facebook
SMS
SMS
3
Forum
Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von 3 Leserinnen und Lesern kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
CNN-News Kann der verirrte Kommentar eines Aussenstehenden wirklich eine sorgfältig geplante Präsidentschaftswahl ... mehr lesen
Akin ist gegen Abtreibungen, selbst wenn eine Schwangerschaft die Folge einer Vergewaltigung ist.
Todd Akins Äusserungen sorgten für einen Sturm der Entrüstung bei den Demokraten.
Washington - Die US-Republikaner wollen ein vollständiges Abtreibungsverbot in ihren politischen Leitlinien für die ... mehr lesen 1
CNN-News Die Demokraten und Republikaner Amerikas überschlagen sich momentan förmlich, ihr jeweils eigenes Bild von Paul Ryan, dem ... mehr lesen 1
«Paul Ryan ist brillant».
Akin for President
Also ich finde den Akin richtig putzig.

Der eigentliche Parade Republikaner, halb neoliberal, halb christlicher Fundamentalist.
Diese Leute sollten die absolute Macht erhalten, dann hätten wir in ein paar Jahren Ruhe vor dem Abschaum, wie Schwarzen, Schwulen, nicht Vermögenden, Kranken, Demokraten.
Dann wäre Fox News endlich die Wahrheit und Bibel.
Und die USA wäre das Paradies auf Erden und sicher auch noch Schuldenfrei so ganz ohne Sozialkosten und Staat.
Wahrscheinlich
Wahrscheinlich wollen diese Idioten in einigen Jahren auch die Hexenverbrennungen wieder Einführen. Foltern bis zum Geständnis, ohne Anwalt und Anklage, haben sie ja bereits in Guantanamo.
legitim vergewaltigt
staunstaun über so grosszügige Intelligenz! Frauenfeindlichkeit ad absurdum, Frömmigkeit wohl auch. Es könnte einen ein heiteres Witz-Lachen entlocken, wäre der Ernst der Sache nicht ein Affront für alle, die vergewaltigt wurden. Aber nein, sie wollten es ja so, blockierten ihren innern Mechanismus einfach nicht. An welchen Gott glauben die wohl, eine Göttin gibt es ja für Patriarchen nicht. Entsetzen friert die menschlich denkenden. Humanismus ahoi
Schweizer Zeitungen: Mitunter ein Hausgemachter Niedergang?
Schweizer Zeitungen: Mitunter ein ...
Warum geht es den Schweizer Zeitungen so schlecht? Vielleicht sollten wir einen wirklich völlig hypothetischen Fall anschauen, einen «Perfect Storm», der ein hilfloses Zeitungs-Schiffchen ultimativ zum Sinken bringen wird. Blöd nur, dass der Sturm von den Kapitänen mit Vorsatz angesteuert wird. mehr lesen 
Schon wieder hat die IS-Mörderbande eine Geisel hingerichtet und schon wieder war die Reaktion im Westen eines des absoluten Entsetzens. Wir sehen bekommen sprichwörtlich das Böse vorgesetzt. Doch ist das wirklich alles? mehr lesen  
Obama schickt keine US-Bodentruppen in den Irak Tampa - US-Präsident Barack Obama hat alle Spekulationen widerlegt und ...
Gepanzerter Wasserwerfer: Schon bald ein Exportschlager für China? (Symbolbild)
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
Schweizer Zeitungen: Mitunter ein Hausgemachter Niedergang?
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Aussenminister Didier Burkhalter zeigt, wie eine künftige Schweizer Aussenpolitik aussehen könnte.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Weihnachtsfeier in russisch-orthodoxer Kirche in Zürich: Begehrlichkeit nach Steuergeldern eint die Christlich-Orthodoxen der Schweiz.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
Seite3.ch
wetter.ch
DI MI DO FR SA SO
Zürich 11°C 16°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Basel 12°C 16°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
St.Gallen 14°C 18°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Bern 14°C 20°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Luzern 16°C 20°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Genf 14°C 21°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Lugano 16°C 22°C bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen
mehr Wetter von über 6000 Orten