Badminton
Lehrgeld bei der Premiere
publiziert: Sonntag, 29. Jul 2012 / 15:50 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 29. Jul 2012 / 18:11 Uhr
Sabrina Jaquet
Sabrina Jaquet

Badminton-Spielerin Sabrina Jaquet musste an ihren ersten Olympischen Spielen Lehrgeld bezahlen. Die Neuenburgerin verlor nicht unerwartet ihre beiden Partien und schied sie als Gruppenletzte aus. Sie haderte aber vor allem mit sich selbst.

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Ein Überstehen der Gruppenphase war unrealistisch gewesen angesichts der Stärke ihrer Gegnerin vom Sonntag, der Inderin Saina Nehwal. Und die Weltnummer 5 demontierte die Schweizerin beim 21:9, 21:4 nicht unerwartet nach allen Regeln der (Badminton-)Kunst. Chancen hatte sich Jaquet jedoch am Tag davor gegen Lianne Tan (Be) ausgerechnet. Doch gegen die in der Weltrangliste "nur" um zehn Positionen besser klassierte Belgierin (55 gegenüber 65 von Jaquet) fand die 25-Jährige aus La Chaux-de-Fonds ebenfalls kein Rezept. Jaquet verlor nach einem fehlerhaften Spiel 16:21, 16:21; ihre Nervosität konnte sie dabei nicht ablegen.

Nach der Demontage von Nehwal löste sich bei Jaquet die Anspannung. Zu Tage kam die grenzenlose Enttäuschung. "Es ist nicht so ein schönes Gefühl, vor dieser Kulisse so auszuscheiden", sagte die angehende Sportlehrerin unter Tränen. Zu schaffen machte Jaquet in erster Linie die Partie vom Vortag gegen Tan: "Ich wusste, dass ich sie schlagen kann, und habe mich vor dem Spiel selbst viel zu stark unter Druck gesetzt. Deshalb konnte ich meine Leistung nicht abrufen."

Auch kleine Erfolgserlebnisse wie am Ende des ersten Durchgangs, als sie sechs Satzbälle ihrer Gegnerin abwehrte, oder eine 7:6-Führung im zweiten Satz brachten Jaquet nicht die Sicherheit, die sie gebraucht hätte. Nach 37 Minuten verwertete die kleingewachsene, dafür umso wendigere Lianne Tan ihren zweiten Matchball und wahrte sich damit zumindest die theoretische Chance auf den Gruppensieg und den Einzug in die Achtelfinals.

"Riesige Erfahrung"

Die Startniederlage hatte Jaquet auch am Tag danach vor dem Duell gegen Nehwal noch nicht verarbeitet. "Ich fühlte mich bereits am Morgen nicht so gut, konnte mich vor allem im Kopf zu wenig erholen", so Jaquet. 24 Minuten nach dem ersten Rally und nach zusammengezählt nur 13 eigenen Punkten war der Spuk gegen die zweifache Swiss-Open-Siegerin aus Indien und beste Nicht-Chinesin im internationalen Ranking dann auch bereits vorbei.

Jaquet verbarg nicht, dass ihr die riesigen Dimensionen der Olympischen Spiele und die vielen Eindrücke im Weg standen. Ihre internationalen Auftritte finden normalerweise vor wenigen hundert Zuschauern statt, in der jeden Tag fast ausverkauften Londoner Wembley Arena in unmittelbarer Nachbarschaft des "heiligen" Fussball-Tempels schauten 6000 Augenpaare auf die EM-Viertelfinalistin von diesem Frühling.

"Es tut im Moment sehr weh, aber die Olympischen Spiele waren auch eine riesige Erfahrung für mich", blickte Jaquet nach getrockneten Tränen wieder positiv in die Zukunft. Bereits die Qualifikation für London bedeutete für Jaquet, die erst seit zweieinhalb Jahren auf das Einzel setzt und ausser dem 5. Rang an der EM 2012 keine internationalen Topresultate vorweisen kann, ein grosser und unerwarteter Erfolg.

Zwei Jahre Studium, zwei Jahre Profi

Ihren Fokus richtete die Schweizer Nummer 2 - ihre Konkurrentin Jeanine Cicognini ist in der Weltrangliste besser klassiert - bereits vor London auf 2016; die Spiele im brasilianischen Rio sind ihr grosses Ziel. Bevor sie sich ab 2014 erneut zwei Jahre lang als Vollprofi auf die Olympischen Spiele vorbereiten will, will Jaquet in Magglingen zuerst ihr Sportlehrer-Studium abschliessen. Den Rhythmus "zwei Jahre Studium, zwei Jahre Profi" hatte sie bereits auf London hin angewandt. Macht Jaquet die selben Fortschritte wie zuletzt und nimmt die Erfahrungen aus London mit, dann dürfte bei einer neuerlichen Qualifikation ein Sieg eher drin liegen.

(fest/Si)

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