Leichtathletik: Bucher und El Guerrouj wollen Scharte auswetzen
publiziert: Montag, 5. Jul 2004 / 14:37 Uhr / aktualisiert: Montag, 5. Jul 2004 / 21:15 Uhr

Auch ohne die klingenden Namen der US-Sprintstars verspricht die Affiche der 29. Athletissima vom Dienstagabend in Lausanne Spektakel. Zehn aktuelle Weltmeister und André Bucher weihen die neue Piste auf der Pontaise ein.

Die US-Trials werfen ihre Schatten voraus. Weltrekordhalter Tim Montgomery, Maurice Greene, Marion Jones oder Gail Devers konzentrieren sich auf die anstehenden Olympia-Ausscheidungen der Amerikaner in Sacramento (9. bis 18. Juli). Von der ersten Garde liess sich einzig Hürdensprinter Allen Johnson verpflichten.

Sein Einsatz an den US-Trials erfolgt am zweiten Wochenende der Veranstaltung. "Zwar ist das Fehlen der populären US-Athleten angesichts der Balco-Affäre nicht allzu gravierend, doch wir hätten sie gleichwohl genommen", so Meeting-Direktor Jacky Delapierre.

Absage Bekeles

Der äthiopische Wunderläufer Kenenisa Bekele, der in diesem Sommer bereits die Weltrekorde über 5000 und 10 000 m an sich gerissen hat, musste kurzfristig absagen. Er leidet an einer Achillessehnen-Entzündung. Für höchste sportliche Qualität bürgen die Seriensieger Maria Mutola (Moz/800 m) und Felix Sanchez (Dom/400 m Hürden).

Im 100-m-Lauf gilt das Augenmerk dem Jamaikaner Asafa Powell, der an den Landesmeisterschaften ohne Windunterstützung 9,91 Sekunden erreichte. Er dürfte der momentan stärkste Sprinter sein. Der Jahresschnellste Shawn Crawford (USA) profitierte bei seinen 9,88 von einem Rückenwind nahe an der Grenze der Toleranz.

Bucher sinnt auf Revanche

Zwei Läufer stehen nach ihren missglückten Einsätzen vom Freitagabend beim Golden-League-Event in Rom im Rampenlicht. Insbesondere André Bucher muss beweisen, dass er bloss einen Ausrutscher zu verzeichnen hatte, "einen Lauf zum Vergessen", wie er selber sagt.

"Meine Verfassung müsste eine Zeit um 1:44 zulassen", glaubt der 800-m-Weltmeister von 2001, der in Rom als Letzter in 1:46,80 gestoppt worden war. "Dieser Lauf entsprach nicht meinem Leistungsstand. So stark kann ich mich doch nicht täuschen." Er sei jedenfalls nicht von Albträumen geplagt, sehe Lausanne zuversichtlich entgegen und wolle seine Trainingsleistung umsetzen.

Ähnliches gilt für Ausnahme-Könner Hicham El Guerrouj. Der Marokkaner erlitt in der italienischen Hauptstadt nach 29 Siegen in Folge eine schmerzhafte Niederlage und lief als Achter im Ziel ein. Lausanne bietet die ideale Gelegenheit zur Revanche, zumal auch Rachid Ramzi (Bahrain), der Sieger von Rom, in den Startlisten des Meetings der Olympia-Kapitale figuriert.

Jagd auf die Limiten

Diverse Schweizer Athleten versuchen in Lausanne, im Sog von Top-Läufern die Olympia-Norm zu erfüllen. Über 400 m Hürden will Alain Rohr, der eine vorteilhafte Aussenbahn zugeteilt erhält, den A-Wert von 49,20 Sekunden erreichen. Diese Leistung ist erforderlich, da Cédric El-Idrissi, der in Lausanne ebenfalls starten wird, mit 49,10 bereits für Athen 2004 qualifiziert ist.

Die Hürdensprinter Ivan Bitzi und Raphaël Monachon hoffen ebenso auf einen Exploit (mindestens 13,62 Sekunden) wie die Speerwerfer Felix Loretz und Stefan Müller (B-Wert 80,80 m) oder Sprintmeister Daniel Dubois, der 10,28 Sekunden laufen müsste. Mit Anita Brägger (800 m), Corinne Müller (Hoch) und Juniorin Sabrina Altermatt (100 m Hürden) zeigen sich drei Athletinnen, die im Sommer an Grossanlässen teilnehmen werden, dem Schweizer Publikum.

Neue Bahn

Für 1,27 Millionen Franken wurde der Bahn in der Pontaise nach 18 Jahren wieder ein neuer Belag verpasst. Das Schweizer Produkt der Marke Conica weist als Referenz Installationen in Rom, Monaco oder Berlin vor. Leroy Burrell, der vor zehn Jahren auf der alten Unterlage in 9,85 Sekunden einen Weltrekord aufgestellt hatte, erscheint aus diesem Anlass zur diesjährigen Austragung als Ehrengast. Teile des alten Belags werden in seiner Anwesenheit versteigert.

Der neue Belag wird gemäss Hersteller dank eingebauter Stabilisatoren auf den Sprintabschnitten sowohl von Langstreckenläufern, die wegen der Schläge auf die Muskulatur weichere Unterlagen bevorzugen, als auch von Sprintern (harte Beläge bringen eine bessere Kraftübertragung) geschätzt. Karl Meyer, Vertreter von Conica, pries auf humorvolle Art auch die Umweltverträglichkeit seines Produkts. Man könne den Belag, wenn er dereinst ausgewechselt würde, auch essen und sei nicht mehr auf eine Versteigerung angewiesen.

Die Athleten selber verschwenden wenige Gedanken an die Unterlage. "Für mich spielt der Belag keine Rolle", sagten Bucher und El Guerrouj einhellig. Diplomatisch drückte sich 400-m-Hürdenläufer Sanchez aus, der ultraharte Beläge liebt. "Für Spitzenzeiten ist die Unterstützung des Publikums wichtiger als die Unterlage."

(von Hans Leuenberger, Lausanne/Si)

 
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