Leichtathletik: Bucher vor schwieriger Aufgabe
publiziert: Mittwoch, 20. Aug 2003 / 11:34 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 20. Aug 2003 / 14:34 Uhr

Im vergangenen Jahr wurde André Bucher bei der Hauptprobe in Monaco auf Platz 10 bugsiert. Drei Wochen später gewann er EM-Silber. Am letzten Freitag gabs für den Luzerner bei Weltklasse Zürich den enttäuschenden 8. Rang. Und bei den WM eine Medaille?

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"Alles, wirklich alles, ist möglich", sagte Trainer Andi Vögtli, der seinen Schützling André Bucher diese Woche bei den Bahntrainings von zu Hause aus begleitet. Die Niederlage von Zürich war für Vögtli nicht tragisch, aber das Rennen zeigte ihm, "dass der 800er mit dieser breiten Spitze noch heikler geworden ist, dass es absolut notwendig ist, taktisch im richtigen Moment das Richtige zu tun."

Die Parallelen zwischen 2002 und 2003: Im vergangenen Jahr zog sich Bucher Ende April einen Stauchungsbruch im Fersenbein des linken Fusses zu und schaffte es gerade noch auf die EM in München Anfang August, in Form zu kommen.

Dieses Jahr holte er sich Ende März einen Ermüdungsbruch im rechten Vorfuss. Die Verletzung wurde früh erkannt und raubte weniger Zeit als 2002, aber ein gewisser Trainingsrückstand liess sich nicht vermeiden.

Von der Statistik her bedeutet der 8. Rang vom vergangenen Freitag im Letzigrund eher ein gutes Omen für Bucher. Nur im Jahr 2001, als er alles gewann, was es zu gewinnen gab (WM-Titel, Golden League, Gesamt-Grand-Prix), siegte er auch bei der WM-Hauptprobe in Monaco.

Das war die Ausnahme. Auf einen 7. Rang bei der EM-Hauptprobe 1998 in Zürich folgte EM-Silber. 1999 belegte er bei der WM-Hauptprobe in Zürich Rang 5 und enttäuschte bei den WM als Halbfinalist.

2000 nährte der Sieg in Zürich olympische Hoffnungen, doch in Sydney gabs nur Rang 5 - nachdem er vom Italiener Andrea Longo aus der Bahn gerempelt worden war. Auf Longo kann Bucher übrigens auch in Paris wieder treffen; der Italiener hat vor wenigen Tagen eine zweijährige Dopingsperre abgesessen und sich am Montag in Helsinki für die WM qualifiziert.

Unterdessen entwickelte sich die kleine Spitzengruppe der weltbesten 800-m-Läufer zu einer ganzen Horde. Nicht weniger als 16 Zweirundenläufer, die bei den WM in Paris gemeldet sind, gingen in diesem Jahr schon unter der Klassezeit von 1:45 durchs Ziel; der Jahres-Weltbeste und WM-Zweite 2001 hinter Bucher, Wilfred Bungei, und dessen kenianische Landsleute Joseph Mutua und Michael Rotich nicht eingerechnet. Sie schafften die WM-Qualifikation an den eisenharten Trials im eigenen Land nicht.

Von den WM-Startern steht der 22-jährige Südafrikaner Mbulaeni Mulaudzi (1:43,25), der Sieger von Zürich, an der Spitze der Bestenliste vor Japheth Kimutai (1:43,71), dem Sieger der Kenia-Trials, und dem Russen Juri Borsakowski (1:43,93). Hezekiel Sepeng (SA), der mit Bucher in St. Moritz trainierte und im Letzigrund Rang 2 belegte, liegt auf Position 6, Bucher selber mit den 1:44,25, die er Anfang Juli als Dritter des Golden-League-Meetings im Stade de France von Paris realisierte, im 8. Rang. Hinter ihm folgen u.a. Hallen-Weltmeister David Krummenacker (USA), Weltrekordler und Europameister Wilson Kipketer mit der Zeit von 1:44,36, die er mit seinem 3. Rang in Zürich notierte.

Wesentlich haben sich die Ziele André Buchers und seines Trainers Andi Vögtli seit dem letztjährigen EM-Silber nicht verändert. "Wir haben die Zielsetzung für die WM nach der Verletzung leicht nach unten relativiert", sagt Vögtli, "aber das Ziel Final behielten wir stets im Auge. Und im Final ist alles möglich, vom ersten bis zum achten Platz. Das gilt immer noch."

Eine WM ist ohnehin eine andere Veranstaltung als ein Golden-League-Rennen. Es stehen weniger Läufer auf der Bahn (8 statt 12 wie in Zürich), es gibt mit Vorläufen, Halbfinals und Final drei Substanz raubende Runden, "und", so Vögtli, "keiner wird die ersten 200 m so schnell anlaufen wie in Zürich". Das horrende Anfangtempo war für Buchers Niederlage mit verantwortlich. Dazu kam, dass er sich erst am neunten Tag nach seinem Höhentrainingslager von St. Moritz im Flachland aufhielt. Erst ab zehn Tagen setzt normalerweise die volle Wirkung ein. André Bucher hat noch Reserven, das sieht auch Vögtli so, "aber dass er in den letzten Tagen noch einen Trainingsrückstand aufholen könnte, wäre natürlich eine Illusion."

André Bucher reist am nächsten Dienstag nach Paris. Am Donnerstag stehen die Vorläufe, am Freitag die Halbfinals und am Sonntag der Final im WM-Programm. Die Nerven, die Routine, die Klasse, die es braucht, um in den Final vorzustossen, besitzt der einzige Lauf-Weltmeister in der Geschichte der Schweizer Leichtathletik, was er schon öfters demonstrierte. Und dass im Final "alles möglich" ist, sagen auch Buchers Konkurrenten.

(rr/Si)

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