Leichtathletik: French open der Leichtathleten im Stade de France
publiziert: Mittwoch, 20. Aug 2003 / 11:40 Uhr

Offen wie kaum je zuvor präsentiert sich die Ausgangslage bei den am Samstag beginnenden 9. Leichtathletik-WM in Paris. Es gibt nur wenige eindeutige Favoriten, die Träger vieler grosser Namen drohen vom Sockel zu stürzen oder sind gar nicht dabei.

Alles offen bei der WM.
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Ein Jahr vor den Olympischen Spielen 2004 in Athen treffen sich vom 23. bis 31. August im Stade de France in Paris-St-Denis rund 1900 Athleten aus der Rekordzahl von 203 Nationen -- das grösste sportliche Völkergemisch der Geschichte; nicht einmal die olympische Bewegung oder die UNO haben jemals so viele Länder mobilisiert.

Die Namen der "sicheren Werte" im Kampf um die 46 WM-Titel sind an einer Hand aufzuzählen: die Läuferinnen Ana Guevara (400 m, Mex), Maria Mutola (800 m, Moz) und Süreyya Ayhan (1500 m, Tür) sowie bei den Männern Hicham El Guerrouj (1500 m, Mar) und Felix Sanchez (400 m Hürden, Dominikanische Republik).

Preisrätsel 100 m

Der 100-m-Lauf der Männer steht als Beispiel für die offene Ausgangslage in vielen Disziplinen: Titelverteidiger und Olympiasieger Maurice Greene (USA) sowie sein Nachfolger als Weltrekordhalter, Tim Montgomery (USA), ringen mit der Form und verzichteten auf "Weltklasse Zürich", ebenso wie Geheimfavorit Deji Aliu (Nig, 9,98 in diesem Jahr). Der Jahres-Weltbeste Patrick Johnson (Au, 9,93) läuft der 10-Sekunden-Marke weit hinterher. Das Zürcher Siegerduo (in guten 9,97) Justin Gatlin/John Capel ist in Paris über 100 m nicht dabei, weil sich die beiden an den US-Trials nicht qualifizieren konnten. Das lässt viel Raum für Aussenseiter -- oder etwa doch für Greene/Montgomery? Montgomerys Lebensgefährtin Marion Jones, die sich in einer Babypause befindet, ist die prominenteste Abwesende bei diesen WM. Ihr ist an den Olympischen Spielen 2004 wie 2000 in Sydney erneut der Gewinn mehrerer Goldmedaillen zuzutrauen.

Zu den Abwesenden mit klingenden Namen gehören ferner die verletzte britische 10 000-m-Europameisterin Paula Radcliffe, die vor einem Jahr in München im prasselnden Regen eine packende Vorstellung zeigte, sowie die kubanische Jahresbeste im Dreisprung, Yamile Aldama, die auf den britischen Pass wartet. Unsicher ist, ob Dreisprung-Titelverteidiger und Weltrekordler Jonathan Edwards (Gb) im Vollbesitz seiner Kräfte an den Start gehen kann, nachdem er sich vor knapp zwei Wochen in London am Fuss verletzte.

Highlights 800 und 5000 m?

Ähnlich unübersichtlich wie der 100er ist die Situation im 800-m-Lauf der Männer, wo der verletzt gewesene Schweizer Titelverteidiger André Bucher nur einer unter einem Dutzend Athleten ist, die für Titel und Medaillen in Frage kommen. Auch über die 2 Runden fehlt der Jahresschnellste; Wilfred Bungei konnte sich wegen Krankheit an den Kenia-Trials nicht qualifizieren. Diese Ausgangslage könnte dazu führen, dass sich die 800 m am WM-Schlusstag zusammen mit den 5000 m der Männer zu einem Highlight der WM entwickeln.

1500-m-Titelverteidiger Hicham El Guerrouj will auch die 5000-m-Szene aufmischen, wo er auf Äthiopiens neuen Kometen Kenenisa Bekele, die starken Kenianer und eventuell auch auf den Neo-Katarer Saif Saeed Shaheen alias Stephen Cherono (ex Kenia) trifft. Der vierfache Titelträger Haile Gebrselassie (Äth) konzentriert sich auf die 10 000 m, Shaheen bestreitet möglicherweise nur die 3000 m Steeple, wo er wie über 5000 m die Jahres-Weltbestzeit hält.

Unter den hochdekorierten Startern von Paris hat ein Trio bereits fünf WM-Titel gesammelt: Maurice Greene, dessen US-Landsfrau Gail Devers und der deutsche Diskus-Champion Lars Riedel. Kubas Weitsprung-Ass Ivan Pedroso hat die Möglichkeit, den fünften Titel in Serie zu erobern; Sergej Bubka hatte seinerzeit sechs Mal hintereinander mit dem Stab gewonnen. Riedel weist einen Unterbruch nach vier Siegen auf; Greene und Devers gewannen in verschiedenen Disziplinen.

Weltrekord am ehesten im Frauen-Stabsprung

Wie bei Olympia 2000 in Sydney fiel bei den letzten WM 2001 in Edmonton im kanadischen Westen kein Weltrekord -- mit Sicherheit eine Auswirkung der verschärften Dopingkontrollen. In Paris bietet sich dafür am ehesten der Stabsprung der Frauen an. Jelena Isinbajewa (Russ) setzte Mitte Juli in Gageshead (Gb) mit 4,82 ein neues Mass und brachte sich in eine ähnliche Favoritenposition wie ihre Teamkollegin Julia Petschonkina durch deren Weltrekord über 400 m Hürden von 52,34 Anfang August bei den russischen Meisterschaften.

USA und Russland wieder voraus?

USA und Russland dürften auch diesmal die Nationenwertung anführen. Vor zwei Jahren in Edmonton behaupteten sich die angeblich verwelkende amerikanische Leichtathletik sowie die totgesagten Russen und Kenianer. Je 19 Medaillen holten die Athleten der USA und jene Russlands. Die Amerikaner setzten sich dank ihrer Goldauszeichnungen an die Spitze: 9 Gold-, je 5 Silber- und Bronzemedaillen gabs für die USA, 6/7/6 für die Russen. Deutschland (2/4/1) figurierte weiterhin unter den Grossen, Kuba zeigte sich erneut im Vormarsch, Frankreich hingegen musste sich mit zwei Bronzemedaillen bescheiden.

Die grössten Hoffnungen der Gastgeber ruhen diesmal auf der Frauen-Sprintstaffel mit den Assen Christine Arron und Muriel Hurtis, auf Siebenkämpferin Eunice Barber, 1500-m-Läufer Mehdi Baala, Steepler Bouabdallah Tahri, Marc Raquil (400 m) sowie auf dem jahresweltbesten Stabspringer Romain Mesnil.

450 000 Zuschauer erwartet

Die Organisatoren rechnen an den neun Wettkampftagen vom 23. bis 31. August mit rund 450 000 Zuschauern. Das Stade de France, erbaut für die Fussball-WM 1998 in Frankreich, das bei Fussball- und Rugby-Spielen 80 000 Zuschauern Platz bietet, fasst während den Titelkämpfen rund 65 000 Besucher und wäre mit 450 000 Besuchern zu 75 Prozent ausgelastet. Das Stadion gilt auch als Trumpf von Paris bei der Bewerbung um die Olympischen Sommerspiele 2012. Hier findet alljährlich eines der Golden-League-Meetings statt, aber auch Motorsport-Veranstaltungen und grosse Konzerte.

7 Millionen Dollar Preisgeld

An Preisgeldern schüttet der Leichtathletik-Weltverband IAAF insgesamt 7,186 Millionen Dollar aus. Ein Weltrekord wird zudem mit 100 000 Dollar belohnt. In den 42 Einzel-Disziplinen erhält der Sieger jeweils 60 000, der Gewinner der Silber-Medaille 30 000 und der Dritte 20 000 Dollar. Auch für die Plätze 4 bis 8 verteilt die IAAF Prämien (15 000 bis 4000 Dollar). In den vier Staffel-Wettbewerben sind 80 000 Dollar für die Sieger-Quartette bis zu 4000 Dollar für die Achtplatzierten ausgeschrieben.

(rr/Si)

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