Li Ning auf dem Weg zum Wirtschaftsgiganten
publiziert: Dienstag, 12. Aug 2008 / 16:10 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 12. Aug 2008 / 16:51 Uhr

An der Eröffnungsfeier umkreiste Li Ning mit virtuellen Riesenschritten das «Vogelnest» und entzündete das Olympische Feuer. Das Bild hat wirtschaftliche Symbolik. Chinas erster Sportstar mischt den Sportartikelmarkt neu auf.

Li Ning entzündet das olympische Feuer.
Li Ning entzündet das olympische Feuer.
Der dreifache Turn-Olympiasieger von 1984 befindet sich auf dem Weg zu einem Wirtschaftsgiganten. Donghua Li, Schweizer Olympiasieger von 1996 und enger Freund von Li Ning, sagte einst: «Wer in China Olympiasieger wird, ist auf Anhieb Millionär.» Li Ning ist nahe daran, die Milliarden-Grenze zu sprengen -- eine Rockefeller-Story auf chinesisch.

Doch wer als Chinese Olympia-Gold holt, tut das in erster Linie fürs Land und weniger für sich selbst. Li Ning brach dieses ungeschriebene Gesetz und potenzierte seine Popularität, aber auch seinen Frust. Als er 1988 in Seoul bei den ersten Olympischen Spielen in Asien die hohen Erwartungen seiner Landsleute nicht hatte erfüllen können, fiel er in Ungade. Er trat zurück und wurde in eine Limonaden-Fabrik abgeschoben.

Angriff auf Adidas und Nike

Li Ning, der an der renommierten Unversität von Peking Jus studierte und mit dem MBA abschloss, gab sich damit nicht zufrieden. Er gründete eine Firma für Sportartikel und nützte seine internationalen Kontakte. Und tat das, was viele chinesischen Unternehmen in der Startphase tun: Sie produzieren fürs Ausland. Li Ning machte das für Adidas und Nike. Inzwischen sind dies seine härtesten Konkurrenten.

Li Ning begann, seine Artikel selber zu verkaufen. Er lässt sie inzwischen teilweise ebenfalls von andern produzieren. Er setzte 2007 mit seiner Firma -- mit Wachstumsraten von 30 Prozent -- beinahe eine Milliarde Franken um. International sind die über 10 Mal grösseren Adidas und Nike noch weit voraus, aber im nationalen Markt haben die drei fast auf die Komastelle identische Marktanteile -- bei einem unglaublichen Potenzial von 500 Millionen Kunden. Für die drei sind die Olympischen Spiele primär ein Marketing-Event.

Raffinierte Ambush-Werbung

Li Ning wollte alle Offiziellen ausrüsten, blitzte aber gegen den IOC-Dauerpartner Adidas ab, der sich Olympia rund 100 Millionen Euro (160 Mio Franken) kosten liess. Dafür kleidete er alle Akkreditierten vom Staatsfernsehen CCTV bis zum letzten Kameramann ein und nahm die spanische und schwedische Olympia-Mannschaft, die argentinischen Basketball-Olympiasieger und den Topstar Shaquille O´Neal unter Vertrag. War es Zufall, dass bei der Eröffnungszeremonie ausser den Griechen und Chinesen kein Team länger am Fernsehen gezeigt wurde als die Spanier?

Mittlerweile ist Li Ning im eigenen Land unter Druck geraten. Die jungen, immer kaufkräftigeren Chinesen haben den Lifestyle entdeckt und ziehen die teuren Produkte jenen von Li Ning vor, die qualitativ ebenbürtig, aber 30 bis 50 Prozent billiger sind. Deshalb expandiert Li Ning ins Ausland. Er will dort seinen Marktanteil von einem auf 20 Prozent steigern. Den Slogan von Adidas «impossible is nothing» (Nichts ist unmöglich) konterte er mit dem Motto «anything ist possible» (alles ist möglich).

Unter den 50 reichsten Chinesen

Die operative Führung hat der 45-jährige «Sportler des Jahrhunderts», der Mitglied des chinesischen olympischen Komitees ist und als einer der 50 reichsten Chinesen in höchsten Regierungskreisen verkehrt, an den 39-jährigen Zhang Zhi Yong abgetreten. Das Durchschnittsalter im über 1000 Personen zählenden Betrieb beträgt 29 Jahre.

Seine Herkunft hat Li Ning nie vergessen. Er stammt aus der wirtschaftlichen eher benachteiligten Provinz Guangxi, einer Nachbar-Provinz von Chengdu, wo Donghua Li herkommt. Sein jetziger Betriebsstandort erinnert daran: Der schmucke Firmensitz mit dunkelblauem Granit befindet sich an einer Ausfallstrasse Pekings, die über eine holprige Schlaglochstrasse an ausgedörrten Feldern und verwitterten Häusern vorbeiführt.

Donghua Li: «Wie der grosse Bruder»

Donghua Li (chinesisch eigentlich Li Donghua) hat seinen Namensvetter kennengelernt, als er 12-jährig und dieser 16-jährig war. «Fünf Jahre haben wir zusammen trainiert. Er wohnte gleich in der Wohnung gegenüber und war für mich wie der grosse Bruder.» Ein Detail hat Donghua Li in Erinnerung: «Als wir einmal einen Provinzwettkampf austrugen, erschien seine Mannschaft mit blendend roten Leibchen, während wir, wie damals in China üblich, in Grau und Schwarz antraten. Wir haben danach wie bei einem Fussballspiel die Leibchen getauscht.»

Im TV-Studio von CCTV sah Donghua Li seinen Jugendfreund wieder. «Er klagte über Muskelkater», lacht der Schweizer. Der Trapezakt bei der Eröffnungsfeier hat den zum Businessman mutierten Sportler mehr gefordert, als es für die 900 Millionen TV-Zuschauer den Anschein machte. Sein Trost: Während der vier Stunden dauernden Zeremonie stieg die Aktie der Li Ning Co. Ltd. um fast vier Prozent...

(Richard Hegglin, Peking/sda)

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