Liberia: Rebellen gegen Taylor greifen nach der Macht
publiziert: Dienstag, 29. Jul 2003 / 07:14 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 29. Jul 2003 / 08:07 Uhr

Nairobi/Monrovia - Die Rebellen-Anführer geben sich gerne wilde Kampfnamen wie "Drachen Beherrscher" oder "Fieser Herzog" und sind drauf und dran, Liberias Hauptstadt Monrovia einzunehmen. Für Präsident Charles Taylor scheint die Zeit abzulaufen.

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"Wir wollen das Land befreien, und wir wollen, dass Taylor verschwindet", gab sich Rebellenführer Sekou Damate Conneh am Montag im britischen Sender BBC entschlossen.

Seine Truppe mit dem anspruchsvollen Namen "Liberianer vereint für Versöhnung und Demokratie" (LURD) verfolgt dieses Ziel seit vier Jahren rücksichtslos. Experten schätzen die Zahl der Kämpfer auf kaum mehr als 3000.

Kritik

"LURD ist auch nicht besser als die Regierung in Monrovia, die sie gerne ablösen möchte", urteilt die private Organisation "Internationale Krisengruppe (ICG)". "Sie sind unbarmherzig und wollen nur an die Macht."

Menschenrechtsgruppen werfen sowohl Rebellen als auch Taylors Kräften den Einsatz von Kindersoldaten und Grausamkeiten gegen die Zivilbevölkerung vor.

Regierungswechsel in dem westafrikanischen Land gingen bislang immer zermürbende Rebellenkämpfe voraus. Auch Taylor begann seinen Aufstieg zum Präsidenten als Kriegsherr im liberianischen Busch.

Nach sieben Jahre Bürgerkrieg waren die Liberianer so kriegsmüde, dass sie ihn als den mächtigsten aller Rebellenführer mit 70 Prozent zum Staatschef wählten.

Seine früheren Gegner flüchteten in die Nachbarländer Sierra Leone und Guinea, um von dort aus ihren Rachefeldzug gegen Taylor zu planen.

Während die LURD-Rebellen eingeborenen Stämmen angehören, vertritt Taylor die elitäre Schicht der Nachfahren der Staatsgründer.

Liberia wurde 1847 von frei gelassenen Sklaven gegründet, die aus Amerika in die Heimat ihrer Vorfahren zurückkehrten. Ihr Verhältnis zu den einheimischen Liberianern trug alle Züge eines Apartheid- Regimes.

Offene Rechnung

Vizechef der LURD-Rebellen ist Chayee Doe, ein jüngerer Bruder des 1990 ermordeten Präsidenten Samuel Doe. Er hat mit Taylor noch eine offene Rechnung zu begleichen.

Unter Doe hatte Taylor Anfang der 80-er Jahre einen einträglichen Regierungsposten, den er ausgenutzt haben soll, um rund eine Million aus der Staatskasse zu veruntreuen.

Im Streit mit Doe floh er in die USA, kam dort kurze Zeit ins Gefängnis und kehrte nach Liberia zurück, wo er fortan seinen ehemaligen Förderer bekämpfte. Eine Abspaltung seiner Rebellengruppe folterte und tötete schliesslich den Präsidenten Doe.

Diamanten

Die Regierungen in Guinea und Sierra Leone sind den LURD-Rebellen durchaus wohlgesonnen. In Sierra Leone hat Taylor jahrelang die Rebellenbewegung RUF unterstützt und sich dafür mit Diamanten bezahlen lassen.

Dies ist der Grund, warum ihn ein von den Vereinten Nationen (UNO) unterstützter Sondergerichtshof für Sierra Leone als Kriegsverbrecher angeklagt hat.

Die Finanzierung der Rebellen ist unklar. Experten gehen davon aus, dass sie von Exil-Liberianern in den USA unterstützt werden. Die LURD hat als Ziel nach Ausschaltung Taylors eine Übergangsregierung und freie Wahlen genannt.

(Ulrike Koltermann/dpa)

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