Liberia: Stumme Opfer des Bürgerkriegs - Vergewaltigungen prägen den Alltag
publiziert: Mittwoch, 27. Aug 2003 / 09:52 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 27. Aug 2003 / 13:03 Uhr

Monrovia - Fünf Wochen lang musste Sao Kebbeh den Alptraum über sich ergehen lassen. Immer wieder kamen die bewaffneten Männer und fielen über sie her. Nach stundenlanger Vergewaltigung schubsten sie die junge Liberianerin in die Küche und verlangten nach einer warmen Mahlzeit. Widerspruch bezahlte sie mit Prügel oder Peitschenhieben.

Erst als der Befehlshaber seine Soldaten zum Kampf gegen die Rebellen abholte, endete Saos Martyrium. Die Erinnerungen daran bleiben, zumal die 21-Jährige von einem der Täter ein Kind erwartet.

Auf offener Strasse

Vergewaltigungen prägen den Alltag in Liberia. Regierungssoldaten vergehen sich an hilflosen Mädchen und Frauen jeden Alters ebenso wie Rebellen. Daran hat auch das Friedensabkommen nichts geändert, das die Bürgerkriegsparteien am 18. August unterzeichneten. Besonders betroffen sind junge Frauen und Mütter, die mit Kleinkindern unterwegs sind. Oft werden sie auf offener Strasse missbraucht, die Kinder müssen tatenlos zusehen.

Hilfe beim IRC

Ihren Verwandten erzählen die Opfer meist nichts vom Erlittenen, aus Angst, verstossen zu werden. Sao hielt das Schweigen schliesslich nicht mehr aus. Detailliert schilderte sie die Schrecken ihrem Vater. Dieser suchte und fand schliesslich Hilfe beim International Rescue Committee (IRC) in Monrovia.

Gertrude Garway leitet seit November 2001 in der liberianischen Hauptstadt ein Programm der Menschenrechtsorganisation IRC, das sexuelle Gewalt gegen Frauen bekämpft.

Die Reaktion von Saos Vater bewundert sie: "In einer typischen liberianischen Familie hätte Sao den Mund gehalten." Es sei schwierig, Vergewaltigungsopfer mit ihrem Angebot zu erreichen, da sich diese aus Scham versteckten. So meldeten sich im Samuel-Doe-Stadion, wo derzeit rund 50 000 Flüchtlinge leben, gerade 16 Betroffene. "Mir ist bewusst, dass es viel mehr Opfer gibt. Oft sagen mir Frauen, sie wollen mich sprechen, und dann verschwinden sie plötzlich", bedauert Garway.

Wochenlang entführt

Saos Blick wird starr, wenn sie der Helferin von ihren furchtbaren Erfahrungen berichtet. Leise stammelt sie von dem Tag im Mai, als ein Geländewagen mit einem Dutzend Männern neben ihr anhielt, die sie ins Wageninnere zerrten.

In einem abgelegenen Haus bewachten drei Milizen die 21-Jährige, vergingen sich mehrmals täglich an ihr. Andere Vergewaltiger machen sich nicht die Mühe, ihre Opfer zu entführen. Sie fallen in Flüchtlingslagern über sie her und verschonen nicht einmal kleine Kinder.

Gertrude Garway berichtet von einer Sechsjährigen, die Anfang Juni in einem Flüchtlingslager ausserhalb von Monrovia misshandelt wurde. Ihre Grossmutter habe die Kleine gefunden - bewusstlos in ihrem eigenen Blut. Es habe Wochen gedauert, bis das Mädchen über "diesen grossen Mann" reden konnte.

Seife und Laternen

Inzwischen hat Garway damit begonnen, Laternen in den Camps aufzustellen. Oft bleibt ihr aber nichts anderes übrig, als Seife und frische Kleidung an vergewaltigte Frauen zu verteilen. Momentan setzt sie sich dafür ein, dass Missbrauchte als "Kriegsopfer" anerkannt werden. Mit diesem Status hätten die betroffene Frauen zumindest ein Recht auf medizinische Hilfe des Roten Kreuzes.

(Anne Chaon/sda)

 
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