Libysche Folterer sollen vor Gericht kommen
publiziert: Donnerstag, 21. Dez 2006 / 16:26 Uhr

Sofia - Nach dem Todesurteil gegen fünf bulgarische Krankenschwestern in Libyen will Sofia ein Gerichtsverfahren gegen mutmassliche libysche Folterer einleiten. Dies teilte Staatsanwalt Nikolaj Kokinow mit.

Die bulgarischen Krankenschwestern hätten Kinder vorsätzlich mit dem HIV-Virus infiziert.
Die bulgarischen Krankenschwestern hätten Kinder vorsätzlich mit dem HIV-Virus infiziert.
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Die bulgarische Staatsanwaltschaft sammelt demnach Beweise für den Vorwurf, dass die Geständnisse der Frauen durch Folter erzwungen worden seien.

Zuvor hatte Kokinow von der bulgarischen Zeitung «Nowinar» entsprechende Presseberichte erhalten. Bulgarische Staatsanwälte sollen auch nach Libyen reisen, um das Verfahren vorzubereiten.

Unterdessen wurden in Bulgarien die Solidaritätsaktionen für die Krankenschwestern am dritten Tag in Folge fortgesetzt. Christlich-orthodoxe Geistliche riefen die Gläubigen auf, an den kommenden Weihnachts-Festtagen für die Rettung der Frauen zu beten.

Licht wird abgeschaltet

In der Hauptstadt Sofia und in anderen Städten soll am Heiligen Abend für fünf Minuten das Licht abgeschaltet werden - zur Erinnerung an das Leid der Krankenschwestern. Die Frauen befinden sich seit Anfang 1999 in libyscher Haft.

Den fünf Bulgarinnen wird vorgeworfen, 400 Kinder in einem libyschen Spital in Bengasi vorsätzlich mit dem HIV-Virus infiziert zu haben. Das ursprünglich im Mai 2004 verhängte und vor wenigen Tagen bestätigte Todesurteil habe sich auch auf Geständnisse der Frauen gestützt, sagten ihre Anwälte.

Die Krankenschwestern hatten sich in bulgarischen Medien über Folterpraktiken mit elektrischem Strom in der libyschen Haftanstalt beschwert.

(rr/sda)

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