Litwinenko beschuldigt Putin posthum
publiziert: Freitag, 24. Nov 2006 / 13:17 Uhr / aktualisiert: Freitag, 24. Nov 2006 / 18:09 Uhr

London - Drei Wochen nach dem mutmasslichen Giftanschlag auf Alexander Litwinenko ist der russische Ex-Spion in einem Londoner Spital gestorben. Offenbar wurde er mit radioaktivem Material vergiftet.

Putin trage laut dem Ex-Spion die Schuld an seinem Tod.
Putin trage laut dem Ex-Spion die Schuld an seinem Tod.
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Posthum machte er Präsident Wladimir Putin für seinen Tod verantwortlich.

«Sie mögen Erfolg damit haben, einen Mann zum Schweigen zu bringen, doch die Protestschreie aus der ganzen Welt werden Ihnen, Herr Putin, bis ans Lebensende in den Ohren klingen», heisst es in der Erklärung, die Litwinenko vor seinem Tod diktiert hatte.

In der Erklärung wirft er dem russischen Präsidenten vor, er habe sich als «genauso barbarisch und unbarmherzig erwiesen», wie die meisten seiner Kritiker dies behauptet hätten.

Der einstige Agent des Sowjetgeheimdienstes KGB sowie dessen Nachfolger FSB war am Donnerstagabend um 21.21 Uhr Ortszeit (22.21 Uhr MEZ) auf der Intensivstation nach dem Versagen innerer Organe gestorben.

Existenz einer radioaktiven Substanz im Körper

Scotland Yard sprach zunächst nicht von Mord, sondern von Ermittlungen zu einem «ungeklärten Todesfall». Litwinenkos Tod könne «zusammenhängen mit der Existenz einer radioaktiven Substanz in seinem Körper», erklärte der britische Innenminister John Reid.

Am Abend teilte die britischen Behörde für Gesundheitsschutz (HPA) mit, Litwinenko sei offenbar mit radioaktivem Material vergiftet worden.

Ermittler hätten mehrere Stunden vor dem Tod des russischen Regimegegners in einem Londoner Spital am Donnerstag bei einer Analyse seines Urins «hohe Konzentrationen» der radioaktiven Substanz Polonium gefunden.

Der russische Präsident wies jede Verbindung mit dem Tod des russischen Ex-Agenten zurück. «Es gibt keinen Anlass für solche Spekulationen», sagte er am Rande des Gipfeltreffens seiner Regierung mit der EU in Helsinki. Das Thema dürfe sich nicht zu einem Skandal entwickeln, fügte er hinzu.

Litwinenko lebte seit 2000 in London im Exil. Er hatte zuerst 1998 Schlagzeilen gemacht, als er behauptete, vom FSB - dessen Chef damals Putin war - den Befehl zur Ermordung des russischen Milliardärs Boris Beresowski bekommen zu haben.

(smw/sda)

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