Datenschützer greifen ein
Löschung der SwissPass-Kontrolldaten gefordert
publiziert: Mittwoch, 17. Feb 2016 / 11:45 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 17. Feb 2016 / 15:36 Uhr
Die Datenschützer nehmen den Swisspass unter die Lupe.
Die Datenschützer nehmen den Swisspass unter die Lupe.

Bern - Die ÖV-Branche sammelt mit dem neuen SwissPass zu viele Daten. Zu diesem Schluss kommt der Eidgenössische Datenschützer. Er fordert die SBB und den Branchenverband VöV dazu auf, jene Daten zu löschen, die bei der Billettkontrolle erhoben werden.

3 Meldungen im Zusammenhang
Wer bei der Kontrolle in Zug oder Bus das rote SwissPass-Kärtchen vorweist, hinterlässt einen digitalen Fussabdruck: Uhrzeit, Zugnummer und die Ausweisnummer werden während neunzig Tagen in der sogenannten Kontrolldatenbank gespeichert.

Diese nimmt der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) ad interim, Jean-Philippe Walter, nun ins Visier. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass in der Kontrolldatenbank Bewegungsprofile entstehen, schreibt er in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht.

Dabei ist die Aufbewahrung der Kontrolldaten aus Sicht des Datenschützers weder nötig noch geeignet - und somit unverhältnismässig. Zudem beruhe die Kontrolldatenbank nicht auf einer genügenden gesetzlichen Grundlage.

Der Datenschützer fordert die SBB und den Verband öffentlicher Verkehr (VöV) in einer Empfehlung deshalb auf, diese Kontrolldaten unverzüglich zu löschen. Die Kontrolldatenbank soll ganz eingestellt werden.

Millionen von Daten

Die Datenbank dürfte bereits gut gefüllt sein: Mitte Oktober - rund zweieinhalb Monate nach der Einführung des SwissPass - zählte die Kontrolldatenbank schon 3,2 Millionen Einträge, wie es im Bericht des Datenschützers heisst. Gemäss Angaben des VöV und der SBB dient die Kontrolldatenbank dazu, «allfällige Kundenanliegen im Nachgang zu einer Reise zu beantworten».

Der VöV führte gegenüber dem Datenschützer Beispiele an: Wenn es etwa Probleme beim Einlesen einer Karte gebe, benötige man Zugriff auf die Daten, um nachvollziehen zu können, ob das Problem bei der Karte oder beim Gerät liegt. Den Datenschützer vermochte der VöV mit seinen Argumenten jedoch nicht überzeugen.

Die SBB verwies am Mittwoch in einer Stellungnahme darauf, dass die Kontrolldaten bereits heute weder zu Marketingzwecken bearbeitet noch an Dritte weitergegeben werden. Auf die Empfehlung des Datenschützers, die Datenbank zu löschen, ging die SBB in ihrer kurzen Antwort nicht ein.

Antwort bis Ende Februar gefordert

Unter die Lupe hat der Datenschützer auch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zum Halbtax- und zum Generalabonnement genommen, die bereits einmal überarbeitet worden waren. Hier schlägt er einen neuen Passus vor, der die Kunden transparenter über die Verwendung der Kundendaten und über ihr Recht auf Widerspruch informieren soll.

Bis Ende Februar müssen SBB und VöV dem Datenschützer mitteilen, ob sie die Empfehlung und die Verbesserungsvorschläge annehmen. Wenn SBB und VöV die Empfehlung nicht akzeptieren, kann der Datenschützer das Verkehrsdepartement (UVEK) einschalten, wie der Datenschutzbeauftragte Walter auf Anfrage sagte. Die Verfügung, die das UVEK aussprechen kann, könnte in letzter Instanz vor dem Bundesgericht angefochten werden.

Anfragen von Bürgern

Der oberste Datenschützer hatte sich den SwissPass genauer angeschaut, nachdem er viele Anfragen besorgter Bürger erhalten hatte. Befürchtet wurde etwa, dass aus den Kontrolldaten Bewegungsprofile erstellt werden könnten.

Der SwissPass war vor rund einem halben Jahr eingeführt worden. Seit dem 1. August gibt es für General- und Halbtaxabos statt des gewohnten blauen Kärtchens den roten SwissPass. Die Informationen zur Art des Abos und zum Ablaufdatum sind seither auf einem Chip gespeichert.

Der SwissPass war von Beginn weg immer wieder in die Kritik geraten, etwa wegen der Dauer der Billettkontrolle oder der automatischen Verlängerung der Abos. VÖV-Direktor Ueli Stückelberger sprach an einer Medienkonferenz im November von «gewissen Kinderkrankheiten und Anlaufschwierigkeiten». Diese seien aber «im normalen Bereich für ein solch grosses Projekt».

(bg/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Die SBB löscht die Kontrolldaten, die mit dem neuen SwissPass gesammelt werden. Sie kommt damit einer Aufforderung ... mehr lesen
Die Kontrolldaten vom neuen SwissPass werden gelöscht.
Konsumentenschutz-Organisationen will die von ihr geforderten Verbesserungen beim SwissPass durchsetzen.
Bern - Die Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen will die von ihr geforderten Verbesserungen beim SwissPass ... mehr lesen
Bern - Drei Monate nach der Einführung des SwissPass ziehen die SBB und der Verband öffentlicher Verkehr (VÖV) eine positive Zwischenbilanz. Doch nicht alle sehen dies gleich. Vor allem bei Westschweizer Bergbahnen sorgt die rote Chipkarte für rote Köpfe. mehr lesen 
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 19
Durch eine App fanden Abtreibungsgegener raus, wo sich die Frauen befinden.
Durch eine App fanden Abtreibungsgegener ...
Geofencing machte es möglich  Boston - Abtreibungsgegner machen Frauen in US-Kliniken für Schwangerschaftsabbrüche neuerdings dank eines Location-Features der Agentur Copley Advertising direkt ausfindig und bombardieren sie mit entsprechenden Botschaften. mehr lesen 
Ransomware wird immer populärer - ESET-Ratgeber gibt Privatanwendern & Unternehmen Tipps an die Hand  Der europäische Security-Software-Hersteller ESET veröffentlicht einen kostenfreien Leitfaden zum Schutz vor heimtückischen Erpressungs-Trojanern wie TeslaCrypt oder CryptoLocker. mehr lesen  
Cybercrime-Ansatz probiert geklaute Login-Daten auf Banking-Seiten  Wenn User das gleiche Passwort bei verschiedenen Web-Angeboten nutzen, kann sich das bitter rächen. Denn mittlerweile gibt es Botnetze, die sich genau diesen Leichtsinn zunutze machen. mehr lesen  
Skandal um US-Promis  Los Angeles - Ein 36-jähriger US-Amerikaner, der sich illegal Zugang zu E-Mail-Konten von Promis verschaffte, hat sich am Dienstag vor einem Gericht in Harrisburg (US-Staat Pennsylvania) schuldig bekannt. Dem Mann drohen bis zu fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe. mehr lesen  
.
eGadgets news.ch geht in Klausur Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in ... 19
Domain Namen registrieren
Domain Name Registration
Zur Domain Registration erhalten Sie: Weiterleitung auf bestehende Website, E-Mail Weiterleitung, Online Administration, freundlichen Support per Telefon oder E-Mail ...
Domainsuche starten:


Digitale Zertifikate der wichtigsten Anbieter zu Top-Preisen: SSL, Code ...
GlobalProtec GmbH
Route de la Gravière 18
1782 Cormagens
 
Stellenmarkt.ch
OFT GELESEN
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 10°C 21°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Basel 12°C 20°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
St. Gallen 11°C 19°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Bern 10°C 19°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Luzern 14°C 20°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Genf 10°C 20°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
Lugano 14°C 23°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten