Lösegeld muss nicht zurückbezahlt werden
publiziert: Freitag, 16. Mrz 2007 / 06:40 Uhr

Genf - Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat in einem Zivilprozess gegen die Niederlande Recht erhalten: Die Hilfsorganisation muss der Regierung kein Lösegeld vergüten, entschied das Genfer Gericht. Das Geld wurde für die Freilassung eines MSF-Mitarbeiters bezahlt.

Die MSF muss häufig in Gebiete mit hohem Entführungsrisiko. (Archivbild)
Die MSF muss häufig in Gebiete mit hohem Entführungsrisiko. (Archivbild)
3 Meldungen im Zusammenhang
Die Niederlande müssen der Hilfsorganisation 46 000 Euro (rund 74 000 Franken) Schadenersatz zahlen, sowie 70 000 Franken Gerichtskosten übernehmen, sagte der Generaldirektor von MSF Schweiz, Christian Captier, vor der Presse.

MSF nehme mit Genugtuung vom erstinstanzlichen Urteil Kenntnis, erklärte Captier. Es stärke die Glaubwürdigkeit der Organisation.

Gleichzeitig bedauere MSF aber, dass das Problem soviel Energie und Aufwand in Anspruch nehmen musste.

20 Monate als Geisel

Im Prozess ging es um die Befreiung des niederländischen MSF-Einsatzleiters Arjan Erkel, der in der südrussischen Teilrepublik Dagestan während 20 Monaten als Geisel festgehalten worden war.

Er hatte dort im Auftrag von MSF Schweiz tschetschenische Flüchtlinge betreut.

Die niederländische Regierung hatte Lösegeld bezahlt, um Erkel freizubekommen. Im Juli 2004 leitete sie den Prozess ein, um von MSF das Lösegeld zurückerstattet zu erhalten.

Keine Präzedenzfälle schaffen

Die Niederlande bezahlten nie Lösegeld und hätten das Geld ausdrücklich als Vorschuss zur Verfügung gestellt, lautete die Begründung Den Haags.

MSF weigerte sich zu zahlen. Die Organisation habe der niederländischen Regierung nie den Auftrag erteilt, in ihrem Namen zu verhandeln.

Nun zwinge sie das Urteil, öffentlich die Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Sowohl Staaten als auch MSF zahlten aus Prinzip keine Lösegelder, um nicht Präzedenzfälle zu schaffen.

Die niederländische Regierung bleibt bei ihrer Haltung. Sie studiere das Urteil hinsichtlich einer möglichen Berufung «in Anbetracht der Konsequenzen dieses Urteils für zukünftige Aktionen und Vermittlungen der niederländischen Regierung in ähnlichen Fällen».

(rr/sda)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Lausanne - Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen muss den Niederlanden ... mehr lesen
Ärzte ohne Grenzen leistet in aller Welt Hilfe für Menschen, die keinen ausreichenden Zugang zu medizinischer Versorgung haben.
Die Mastrogiacomo-Entführung löste in Italien eine neue Debatte über Verhandlungen mit Entführern aus.
Rom - Italien wünscht sich klare ... mehr lesen
Genf - Vor erster Instanz in Genf hat ... mehr lesen
Die Niederlande und MSF befürchten zur Milchkuh für Geiselnehmer zu werden.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Die Fluchtroute auf der Seestrecke zwischen Nordafrika ...
Erschreckende Zahlven von der UNO  Berlin - Bei Bootsunglücken im zentralen Mittelmeer sind in der zurückliegenden Woche nach UNO-Angaben wahrscheinlich mindestens 880 Flüchtlinge umgekommen - und damit weit mehr als ohnehin schon befürchtet. mehr lesen 
Amnesty International berichtet  Kabul - Die Zahl der Binnenflüchtlinge hat sich wegen des Kriegs in Afghanistan in nur drei Jahren mehr als verdoppelt - auf heute 1,2 Millionen Menschen. 2013 hatten die Vereinten ... mehr lesen
Afghanische Binnenflüchtlinge vegetierten unter «abscheulichen Bedingungen gerade so am Rande des Überlebens dahin». (Symbolbild)
Mit 124 zu 64 Stimmen genehmigte die grosse Kammer den Bundesbeschluss über den Nachtrag I zum Voranschlag 2016.
353 Millionen Franken für den Asylbereich  Bern - Der Nationalrat hat am Dienstag die Staatsrechnung 2015 sowie die Nachtragskredite zum ... mehr lesen  1
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mo Di
Zürich 2°C 3°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt Schneeregenschauer
Basel 1°C 3°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer wechselnd bewölkt
St. Gallen 2°C 2°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wolkig, wenig Schnee
Bern 1°C 2°C Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer Schneeregenschauer
Luzern 3°C 4°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt Schneeregenschauer
Genf 0°C 4°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer wolkig, aber kaum Regen
Lugano 6°C 7°C anhaltender Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen wolkig, aber kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten