Lokführer machten Bremsprobe
publiziert: Montag, 9. Okt 2006 / 09:43 Uhr / aktualisiert: Montag, 9. Okt 2006 / 12:35 Uhr

Thun - Die beiden Lokführer des vor knapp zwei Monaten in Thun BE verunglückten Bauzugs hatten per Funk bestätigt, eine Bremsprobe durchgeführt zu haben.

Beim Unglück kamen drei Menschen ums Leben.
Beim Unglück kamen drei Menschen ums Leben.
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Dies belegt der inzwischen von den Untersuchungsbehörden ausgewertete Funkverkehr.

Die beiden BLS-Lokführer hätten in Frutigen BE über die Bremsprobe gesprochen und bestätigt, sie vorgenommen zu haben, teilten die Untersuchungsbehörden mit.

Auch gegenüber einem Maschinisten habe einer der beiden Lokführer erwähnt, dass die Bremsen funktionieren würden.

Abschlusshahn geschlossen

Tatsache ist, dass der Abschlusshahn des Druckluftbremssystems geschlossen war. Deshalb konnten die Wagen nicht bremsen.

Beim Schienentraktor war die elektrische Bremse eingeschaltet, wie die Untersuchungsbehörden weiter mitteilten.

Laut Augenzeugen warfen die Räder des Schienentraktors bei der Durchfahrt im Bahnhof Spiez Funken, die angehängten Wagen aber nicht.

Daraus kann laut Untersuchungsbehörden geschlossen werden, dass die Druckluftbremsen des Schienentraktors funktionierten, die Bremsen der Wagen allerdings nicht.

Verständigungsprobleme

Der letzte Funkkontakt der Fahrdienstleitung mit dem Bauzug erfolgte vor dem Hondrich-Tunnel.

Danach traten wegen dem Lärm auf dem Bauzug und der wechselnden Funkfrequenz Verständigungsprobleme auf. Ein telefonischer Kontakt kam nicht zustande.

Der Bauzug befand sich auf dem Rückweg von einem Arbeitseinsatz in Blausee und war zunächst mit fünf Mann besetzt.

In Frutigen stellte die Besatzung fest, dass bei einer angehängten Gleisbaumaschine eine Achse blockiert war. Der betroffene Wagen wurde deshalb in Frutigen abgehängt. Für die Weiterfahrt verblieben noch drei Mann auf dem Zug.

Sicherungssystem funktionierte nicht

Bei Reichenbach meldete der Lokführer, dass der Zug keine Bremswirkung habe und verlangte, geradaus weiterfahren zu können. Zunächst wurde versucht, bei einem geschlossenen Hauptsignal über die Zugsicherung eine Notbremsung auszulösen.

Dabei handelt es sich um einen Impuls, der bei Zügen eine Notbremsung auslöst, sobald sie ein Rotlicht überfahren. Dieses Sicherungssystem wirkt jedoch nur, wenn auch das Bremssystem funktioniert.

Die Stellwerkverantwortlichen in Spiez BE entschieden schiesslich in der knappen, verbleibenden Zeit, den 300 Tonnen schweren Zug in Thun- Dürrenast auf einen stehenden Bauzug auffahren zu lassen. Dabei kamen die drei Mann Besatzung ums Leben.

(rr/sda)

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