London: Es gab keinen Schiessbefehl
publiziert: Donnerstag, 18. Aug 2005 / 07:53 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 18. Aug 2005 / 10:13 Uhr

London - Nach der irrtümlichen Erschiessung eines Brasilianers bei einem Anti-Terror-Einsatz in London reissen die Enthüllungen nicht ab.

Jean Charles Menezes: Zur falschen Zeit am falschen Ort.
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Wie die Zeitung "Daily Mirror" berichtet, hatte die Polizei Anweisung, Jean Charles de Menezes lebend zu fassen. Die mit der Beschattung des 27-jährigen Elektrikers beauftragten Beamten hätten von ihrer Einsatzleiterin Anweisung bekommen, den Mann noch vor Betreten des U-Bahnhofs Stockwell zu ergreifen, sagte ein ranghoher Vertreter von Scotland Yard der Zeitung. Ganz sicher habe sie niemanden angewiesen, Menezes zu erschiessen.

Den Beamten gelang es jedoch nicht, den jungen Brasilianier zu ergreifen. Ob sie die Zeit hatten, das mit Schusswaffen ausgerüstete Sonderkommando in der U-Bahnstation über die Anordnung der Einsatzleiterin zu informieren, sei Gegenstand der Ermittlungen einer unabhängigen Untersuchungskommission der Polizei, berichtete der "Daily Mirror" am Donnerstag weiter.

Fünf Sekunden

Laut dem Vertreter von Scotland Yard hingen Leben oder Tod des Brasilianers möglicherweise von "fünf Sekunden" ab. Menezes wurde am 22. Juli, einen Tag nach der zweiten Bombenserie in London, durch gezielte Kopfschüsse getötet.

Bereits vorher hatten Fotos und Zeugenaussagen die offizielle Version der Polizei in Misskredit gebracht, wonach sich Menezes durch ungewöhnlich winterliche Kleidung und Überspringen der Eingangssperre zur U-Bahn verdächtig gemacht habe.

Der Fernsehsender ITV veröffentlichte am Mittwoch Fotos und Videoaufnahmen, die zeigten, dass der 27-Jährige eine leichte Jeansjacke trug, den U-Bahnhof langsamen Schrittes betrat und dabei noch eine Gratiszeitung mitnahm.

(fest/sda)

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