London setzt nordirischen Selbstverwaltung aus
publiziert: Montag, 14. Okt 2002 / 17:43 Uhr / aktualisiert: Montag, 14. Okt 2002 / 18:41 Uhr

Belfast - Die britische Regierung hat auf die jüngste Krise im nordirischen Friedensprozess reagiert: Sie setzte die Autonomie in Nordirland aus. Ab 1.00 Uhr MESZ wird die Unruheprovinz erneut direkt von London verwaltet.

Dies teilte der britische Nordirlandminister John Reid mit. Damit verhindern Reid und der britische Premierminister Tony Blair ein Auseinanderbrechen der im Friedensprozess 1998 vereinbarten Allparteienregierung.

Für Katholiken und Protestanten werde so eine Atempause geschaffen. Das gegenseitige Vertrauen könne so wieder hergestellt werden, sagte Reid. An den für den 1. Mai geplanten Wahlen zum Regionalparlament in Nordirland werde festgehalten.

Die jüngste Krise in Nordirland war durch eine Spionage-Affäre ausgelöst worden. Vor gut einer Woche waren vier Mitglieder der katholischen Partei Sinn Fein festgenommen worden. Sie werden verdächtigt, sicherheitsrelevante Dokumente illegal besorgt und an die katholische Untergrundorganisation IRA weitergeleitet zu haben.

Wegen der Affäre drohte der protestantische Regierungschef David Trimble mit seinem Rücktritt, sollte Sinn Fein die Allparteienregierung nicht verlassen. Ein solcher Schritt hätte den Friedensprozess vermutlich zum Erliegen gebracht. London und Dublin wollen die Konfliktparteien nun zu einer unverzüglichen Wiederaufnahme ihrer Gespräche drängen.

(sda)

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