Londoner Polizeichef bleibt im Amt
publiziert: Sonntag, 21. Aug 2005 / 19:24 Uhr

London - Trotz der Erschiessung eines unschuldigen Brasilianers bei der Terrorfahndung bleibt der Londoner Polizeichef Sir Ian Blair im Amt.

Ian Blair (Mitte) habe erst spät von Menezes' Unschuld erfahren. (Bild: Archiv)
Ian Blair (Mitte) habe erst spät von Menezes' Unschuld erfahren. (Bild: Archiv)
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Zuvor hatte schon Innenminister Charles Clarke gesagt, er sei "sehr zufrieden" mit dem Scotland-Yard-Chef.

Ian Blair selbst sagte in einem Interview, er habe erst 24 Stunden nach dem Tod von Jean Charles Menezes von dessen Unschuld erfahren.

Seine ersten Äusserungen zu dem Fall hätten also auf Unwissen beruht und nichts mit Vertuschung zu tun gehabt.

Falsche Aussagen

Menezes war von der Londoner Polizei irrtümlich für einen Selbstmordattentäter gehalten und erschossen worden.

Der Polizeichef steht vor allem deshalb unter Druck, weil seine Behörde noch Tage später behauptet hatte, der 27-Jährige habe sich verdächtig verhalten, was sich mittlerweile als falsch herausgestellt hat.

Die Familie von Menezes liess am Wochenende dazu über einen Anwalt erklären, wenn es stimme, dass Blair erst so spät über den tödlichen Irrtum aufgeklärt worden sei, frage man sich, warum er vorher so "extravagante Behauptungen" über Menezes´ angebliches Verhalten aufgestellt habe.

Schnellere Klarstellung gefordert

Auch die unabhängige Behörde zur Überprüfung der Londoner Polizei kritisierte, Scotland Yard hätte schneller klarstellen müssen, dass sich Menezes in keiner Weise verdächtig benommen habe.

"Das haben sie nicht getan, und damit müssen sie sich jetzt auseinander setzen", sagte Jenny Jones, ein Mitglied der Aufsichtsbehörde.

Als falsch erwies sich unterdessen der Vorwurf, die Polizei habe den Eltern von Menezes eine Million Dollar Schweigegeld geboten.

Unkostenvergütung

Die "Daily Mail", die am Samstag einen entsprechenden Bericht gebracht hatte, meldete in ihrer Sonntagsausgabe, es seien nur 15 000 Pfund (34 000 Franken) Unkostenvergütung gewesen.

Während die Zeitung tags zuvor noch die Höhe der Summe kritisiert hatte, bemängelte sie nun, 15 000 Pfund seien zu wenig.

Nach Informationen des "Guardian" überprüft die Scotland-Yard-Spitze zurzeit, ob die Anweisung, mögliche Selbstmordattentäter sofort zu erschiessen, rückgängig gemacht werden sollte.

(rr/sda)

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