Machtkampf zwischen Morales und Opposition
publiziert: Sonntag, 22. Jun 2008 / 18:41 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 22. Jun 2008 / 19:36 Uhr

La Paz - In der erdgasreichen bolivianischen Region Tarija hat eine von der linksgerichteten Regierung als illegal bezeichnete Volksabstimmung über eine weitgehende Autonomie stattgefunden. Mehr als 170'000 Wahlberechtigte wurden zur Urne gerufen.

Morales will sich dennoch einem Volksentscheid stellen.
Morales will sich dennoch einem Volksentscheid stellen.
In Tarija leben insgesamt nur 400'000 Menschen. Die an der Grenze zu Argentinien und Paraguay gelegene Region verfügt aber über 85 Prozent der bolivianischen Erdgasreserven, die einen Anteil von 13 Prozent am Bruttoinlandsprodukt ausmachen.

In früheren Referenden hatten bereits die von rechtsgerichteten Gouverneuren regierten rohstoffreichen Regionen Santa Cruz, Pando und Beni ihre Verwaltungs- und Finanzautonomie erklärt.

Reaktion auf Verfassungsentwurf

Die Referenden waren eine Reaktion auf einen gescheiterten Verfassungsentwurf des bolivianischen Präsidenten Evo Morales, der den Ureinwohnern mehr Autonomie zugestehen und dem Präsidenten mehr Vollmachten geben sollte.

Das Projekt eines ethnisch ausgerichteten Sozialismus trifft auf den erbitterten Widerstand konservativ-wohlhabender Kreise. Dabei geht es auch um eine Neuverteilung des nationalen Reichtums zugunsten der verarmten Indio-Mehrheit im Westen des Landes.

Im Machtkampf mit der Opposition will sich Morales, Boliviens erster indianischer Staatschef, am 10. August einem Volksentscheid stellen, in dem es um seinen Verbleib im Amt oder um seine Amtsenthebung geht. Bei der Abstimmung soll es auch um die Zukunft von Vizepräsident Alvaro García Linera und der Gouverneure der neun bolivianischen Regionen gehen, von denen sechs die Politik des linksgerichteten Präsidenten ablehnen.

(tri/sda)

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