Körpersprache und Mimik nicht immer interpretierbar
Machtmenschen lächeln öfter zurück
publiziert: Freitag, 19. Okt 2012 / 11:10 Uhr
Ein Lächeln kann mehrere Funktionen haben.
Ein Lächeln kann mehrere Funktionen haben.

Oakland/Wien - Menschen, die sich anderen gegenüber sozial überlegen fühlen, lächeln öfter zurück. Dies haben die Ergebnisse einer neuen Studie der University of California ergeben.

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Dafür wurden 55 Personen in zwei Gruppen geteilt. Eine davon musste einen Essay über ein positives Ereignis schreiben - die andere über eine negative Erfahrung. Dadurch wurden bei den Probanden hohe oder geringe Machtgefühle gefestigt. Danach wurden ihnen Videos mit sozial hoch und niedrig gestellten Menschen gezeigt. Personen, die sich selbst einem hohen Status zuteilten, lächelten in der Studie den Menschen, die ihnen unterlegen waren, öfter zurück. Diejenigen, die sozial höher gestellt waren, erhielten kein Lächeln.

Keine Hintergrundgedanken

«Dieses Phänomen ist nicht gänzlich nachvollziehbar, weil ein Lächeln mehrere Funktionen haben kann», erläutert Psychotherapeut Andreas Maurer im pressetext-Interview. Ein Lächeln könne demnach ein Zeichen von Sicherheit, Unsicherheit, starkem oder weniger starkem Selbstbewusstsein oder Ähnliches sein. «Ein Lächeln liegt nicht immer einem dieser Faktoren zugrunde. Der Mensch kann auch ohne Hintergrundgedanken lächeln», so der Experte.

Laut Mauerer versucht der Mensch stets, die Körpersprache anderer zu interpretieren. «Dabei sollte man jedoch nicht überbewerten», sagt er. Natürlich könne man mit einem Lächeln auch eine Überlegenheit betonen, zum Beispiel in einer Gesprächsrunde mit Politikern. «Da kann man schon beobachten, dass einer, der über eine Materie gut Bescheid weiss, ein überlegenes Lächeln aufsetzt, um sich als überlegen darzustellen. Das lässt sich aber nicht generalisieren», führt der Psychotherapeut aus.

Zähnezeigen kein Zeichen von Angriff

Es gibt laut Experten auch Interpretationen einer höheren Stufe von Lächeln. Demnach wurde in früheren Studien ein Lächeln mit Zähnen als bedrohlich bewertet. «Auch das lässt sich nicht generalisieren. Wenn ein Mensch ein grosses Gebiss hat, kann er deswegen nicht automatisch als besonders aggressiv eingestuft werden», so Mauerer. Unsere Einschätzungen seien dabei häufig trivial.

«Lächeln wird generell als Zeichen von Freundlichkeit erkannt», meint der Experte. Erst bei genauerem Hinsehen würden die Menschen dieses zu bewerten versuchen. Der Grund einer bestimmten Mimik sei jedoch von der Situation abhängig, in der man Unterschiedliches an seinem Gegenüber herantragen möchte.

(bg/pte)

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