Männer-Achter im Brennpunkt
publiziert: Freitag, 18. Aug 2006 / 08:20 Uhr

Die Weltmeisterschaften im Olympia-Becken von London 2012 sind für Skiffier André Vonarburg und den neuen Männer-Achter der bisher wichtigste Orientierungspunkt auf dem Weg an die Sommerspiele 2008 in Peking.

André Vonarburg ist der sichere Wert im Schweizer Team. (Archivbild)
André Vonarburg ist der sichere Wert im Schweizer Team. (Archivbild)
Nach einem tristen Zwischenjahr mit nur zwei WM-Crews in den olympischen Bootsklassen, die erst noch in den hinteren Regionen (C-Finals) dümpelten, nimmt der Schweizerische Ruderverband die nächste Olympia-Kampagne in Angriff.

Und momentan spürt er - welch angenehme Überraschung - Rückenwind. Der neue Präsident Hans-Rudolf Schurter und der neue Nationaltrainer René Mijnders (Ho) haben den freien Fall gestoppt.

Neuer Schwung

Nicht dass deshalb im WM-Austragungsort Eton für die noch in den Neunzigerjahren erfolgsverwöhnten Schweizer gleich Medaillen bereitliegen würden - davon ist man in den olympischen (und damit allein massgebenden) Kategorien weiterhin ein gutes Stück entfernt. Doch dank einem neuen Projekt ist der vom Stillstand bedrohte Bereich Spitzensport wieder in Schwung gekommen.

Die Trainer Alexander Ruckstuhl (RC Reuss Luzern) und Mijnders haben einen Männer-Achter aufs Wasser gebracht, den der Verband flugs zum neuen Flaggschiff erkoren hat. Ausgangslage und erste Resultate stimmen zuversichtlich.

Dass es gelungen ist, die Interessen einzelner Klubs zugunsten eines kompetitiven SRV-Achters in den Hintergrund zu stellen und die geeignetsten Athleten aus den Hochburgen Luzern (RC Reuss) und Zürich (GC, Seeclub) zu vereinen, scheint sich bereits auszuzahlen. Anlässlich des Weltcup-Finals auf dem Luzerner Rotsee sorgte «SUI 2008+» für Begeisterungsstürme, wie sie während Jahren vermisst worden waren.

Ein erster Lohn

Der 4. Platz in Luzern war für die im Durchschnitt erst 24-jährigen Ruderer ein erster Lohn. Weil auf dem Rotsee die starken Amerikaner, Australier und Kanadier fehlten und sich im Männer-Achter die Rekordzahl von 16 Nationen für die am Sonntag beginnenden WM einschrieb, wären die Schweizer 25 Kilometer westlich von London allerdings schon mit einem Top-Ten-Platz zufrieden.

«Das ist das Minimalziel», sagt Projektrainer Ruckstuhl, der 1990 in Tasmanien im Alter von 19 Jahren WM-Silber mit dem Doppelvierer gewonnen hat. «Aber wir denken sicher auch an den A-Final der besten sechs», schiebt der Zürcher nach.

Ruckstuhl ist zuversichtlich - obwohl sich im abschliessenden Trainingslager in München die gesundheitlichen Probleme summierten. Vier Athleten erkrankten, Roman Ottiger musste wegen Rückenproblemen pausieren. Mittlerweile sind wieder alle fit und verspürt Ottiger nur noch marginale Schmerzen.

Keine Spur von Futterneid

In der Freude über das Gedeihen des Achters ist André Vonarburg beinahe etwas in Vergessenheit geraten. Dabei ist der 28-jährige Sempacher immer noch der sicherste Wert im SRV-Team - und der einzige Schweizer Ruderer, der zumindest an guten Tagen Weltspitze verkörpert.

Dass ihm wegen des Achters plötzlich weniger Aufmerksamkeit zuteil wird, hat für Vonarburg vor allem Vorteile. Einerseits vermindert das den Druck, andererseits «bin ich froh, dass wir wieder mehr Leute sind.» Vonarburg sieht einen weiteren positiven Aspekt: «Durch die Präsenz im Achter erhält der Rudersport in der Schweiz wieder ein anderes Gewicht.»

Nachdem er vor Jahresfrist zugunsten des Wirtschaftsstudiums auf die WM in Japan verzichtet hatte, wurde Vonarburg im April Profi. Bis 2008 will sich der «lic. oec. HSG» zu 100 Prozent dem Sport widmen. Am Ziel «Olympia-Medaille in Peking» hält Vonarburg fest, obwohl im Skiff seit Athen 2004 eine Handvoll Vertreter einer neuen Generation nachgerückt ist.

Weltmeister Mahe Drysdale (Neus), Ondrej Synek (Tsch) oder Alan Campbell (Gb) heizen Olympiasieger Olaf Tufte (No) und Ex-Weltmeister Marcel Hacker zünftig ein. Vonarburg kann im Konzert der Besten nicht die erste Geige spielen; das primäre Ziel in Eton ist die Qualifikation für den A-Final.

Eton und die Prinzen

Dank Pamela Weisshaupt ist die Schweiz auch in den nichtolympischen Bootsklassen vertreten. Nach zwei Podestplätzen im Weltcup sollte für die 27-jährige Leichtgewichts-Ruderin auf dem Dorney Lake zumindest die Finalteilnahme Formsache sein.

Insgesamt sind im 5000-Seelen-Dorf mit dem berühmten Eton College, wo die Prinzen William und Harry am Ende einer langen Liste prominenter Absolventen stehen, rund 1100 Athleten in 400 Booten aus der Rekordzahl von 64 Ländern dabei.

Programm
Sonntag, 20. August: Vorläufe Gruppe A (mit André Vonarburg und Pamela Weisshaupt). -- Montag, 21. August: Vorläufe Gruppe B (mit dem Achter Alain Marfurt, Stephan Koller, Stefan Sax, Philipp Huwiler, Roman Ottiger, Remo Süess, Lukas Wernas, Nicolas Lehner und Steuermann Abraham Tesfamikael). -- Dienstag, 22. August: Hoffnungsläufe Gruppe A. -- Mittwoch, 23. August: Hoffnungsläufe Gruppe B. -- Donnerstag, 24. August: Halbfinals Gruppe A. -- Freitag, 25. August: Halbfinals Gruppe B. -- Samstag, 26. August: Finals Gruppe A. -- Sonntag, 27. August: Finals Gruppe B.

Schweizer Teilnehmer
Olympische Bootsklassen. Offene Kategorie. Männer. Skiff: André Vonarburg (28, SC Sempach). Trainer: Reto Wyss. -- Achter: Alain Marfurt (25, RC Reuss Luzern), Stephan Koller (24, GC Zürich), Stefan Sax (25, RC Reuss Luzern), Philipp Huwiler (24, RC Reuss Luzern), Roman Ottiger (24, RC Reuss Luzern), Remo Süess (22, RC Reuss Luzern), Lukas Wernas (20, SC Zürich), Nicolas Lehner (25, GC Zürich), Steuermann Abraham Tesfamikael (20, RC Reuss Luzern). Trainer: Alexander Ruckstuhl, René Mijnders. -- Nichtolympische Bootsklassen. Leichtgewicht. Frauen. Skiff: Pamela Weisshaupt (27, SC Küsnacht/Mainzer Ruder-Verein).

Schweizer WM-Medaillengewinner
Gold (9). 1966 in Bled (Jug): Melchior Bürgin/Martin Studach, Doppelzweier. -- 1975 in Nottingham (Gb): Reto Wyss, Leichtgewichts-Skiff. -- 1977 in Amsterdam: Wyss, Leichtgewichts-Skiff. -- 1978 in Kopenhagen: Pierre Kovacs/Pierre Zentner/Thomas von Weissenfluh/Michael Raduner, Leichtgewichts-Vierer ohne. -- 1982 in Luzern: Bruno Saile/Jürg Weitnauer/Hans-Konrad Trümpler/Stephan Netzle, Vierer ohne. -- 1995 in Tampere (Fi): Michael Gier/Markus Gier, Leichtgewichts-Doppelzweier. -- 1997 in Aiguebelette (Fr): Benedikt Schmidt/Mathias Binder, Leichtgewichts-Zweier ohne. -- 1998 in Köln: Pia Vogel, Leichtgewichts-Skiff. -- 1999 in St. Catherines (Ka): Vogel, Leichtgewichts-Skiff.
Silber (9). 1981 in München: Saile/Weitnauer/Trümpler/Netzle, Vierer-ohne. -- 1989 in Bled: Markus Gier/Philipp Felber/Reto Fierz/Cirillo Ghielmetti, Leichtgewichts-Doppelvierer. -- 1990 in Tasmanien (Au): Ueli Bodenmann/Beat Schwerzmann/Alexander Ruckstuhl/Marc Nater, Doppelvierer. -- 1993 in Roudnice (Tsch): Gier/Gier, Leichtgewichts-Doppelzweier. Nicolai Kern/Markus Feusi/Hubert Wagner/Reto Fierz, Leichtgewichts-Vierer ohne. -- 1994 in Indianapolis (USA): Xeno Müller, Skiff. -- 1997 in Aiguebelette: Michael Bänninger, Leichtgewichts-Skiff. -- 1998 in Köln: Müller, Skiff. -- 1999 in St. Catherines: Müller, Skiff.
Bronze (13). 1962 in Luzern: Hugo Waser/Adolf Waser, Zweier ohne. -- 1978 in Karapiro (Neus): Saile/Weitnauer, Doppelzweier. -- 1979 in Bled: Netzle/Trümpler, Zweier ohne. Thomas Wehrli/Zentner/von Weissenfluh/Kovacs, Leichtgewichts-Vierer ohne. -- 1980 in Hazewinkel (Be): Kurt Steiner/Reto Wyss, Leichtgewichts-Doppelzweier. -- 1982 in Luzern: Steiner/Pius Z´Rotz, Leichtgewichts-Doppelzweier. -- 1983 in Duisburg: Z´Rotz/Roland Rosset, Leichtgewichts-Doppelzweier. -- 1985 in Hazewinkel: Urs Steinemann/Weitnauer, Doppelzweier. -- 1992 in Montreal: Gier/Gier, Leichtgewichts-Doppelzweier. -- 1994 in Indianapolis: Gier/Gier, Leichtgewichts-Doppelzweier. Vogel, Leichtgewichts-Skiff. -- 1998 in Köln: Gier/Gier, Leichtgewichts-Doppelzweier. -- 2001 in Luzern: Vogel, Leichtgewichts-Skiff.

Schweizer WM-Rangierungen 2005 in Gifu (Jap)
Olympische Bootsklassen. Offene Kategorie. Männer. Doppelzweier: 15. Olivier Gremaud/Florian Stofer. -- Vierer ohne: 14. Alain Marfurt/Remo Süess/Roland Altenburger/Stephan Koller. -- Nichtolympische Bootsklassen. Leichtgewicht. Männer. Skiff: 4. Tim Eichmann. -- Frauen. Skiff: 8. Lea Fluri.

(von Philipp Bärtsch/Si)

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