Kritik an Verwaltungsräte
Managerlöhne: Breite Bevölkerungskreise ernüchtert
publiziert: Mittwoch, 27. Aug 2014 / 11:35 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 27. Aug 2014 / 17:15 Uhr
Kommt jetzt die Maximal-Lohn-Initiative?. (Symbobild)
Kommt jetzt die Maximal-Lohn-Initiative?. (Symbobild)

Zürich - Managerlöhne sorgen ungebrochen für Zündstoff, doch in der Bevölkerung macht sich Ernüchterung breit. Laut einer Umfrage wird nach Annahme der Abzocker-Initiative deren Umsetzung kritisiert, insbesondere die Rolle der Verwaltungsräte.

9 Meldungen im Zusammenhang
Nur noch 42 Prozent glauben, dass die Lohnsysteme nach Annahme der Initiative von Thomas Minder gerechter werden, wie die Umfrage des Beratungsunternehmens hkp bei 1005 Personen zeigt. Vergangenes Jahr, wenige Monate nach der Abstimmung, waren es noch 50 Prozent gewesen.

Die Initiative habe ein Ventil geöffnet, es mehrten sich aber Zweifel, ob sie tatsächlich etwas bringe, sagte Stephan Hostettler, Managing Partner von hkp, an einer Medienkonferenz in Zürich.

Zwar müssten die Effekte noch abgewartet werden und es werde interessant sein, welche Vergütungen den Generalversammlungen künftig beantragt werden. Doch mit der Minder-Initiative seien entgegen gewisser Annahmen ausserordentlich hohe Löhne nicht verboten, sondern die Prozesse zur Festlegung neu geregelt worden.

Vertrauen fehlt

Die Verwaltungsräte hätten ein Vertrauensproblem, stellte Hostettler fest. Denn 60 Prozent der Befragten erklärten, dass die Aufsichtsgremien ihre Verantwortung bei den Topsalären zu wenig wahrnehmen würden.

Den Verwaltungsräten werden zu hohes Eigeninteresse, fehlende Motivation und mangelnde Unabhängigkeit vorgeworfen. Zudem sind überrissene Boni für die Mehrheit (62 Prozent) ein Systemproblem und nicht bloss Einzelfälle.

Abhaken sollten die Unternehmen das emotionale Thema also nicht: 54 Prozent erklärten, die Frage der Managersaläre beschäftige sie weiterhin. Dieser Wert ist seit der ersten Durchführung der Studie vor fünf Jahren ziemlich konstant.

Maximalsumme statt Verhältnis

Praktisch unverändert hoch ist auch die Zustimmung zu einer Lohnobergrenze. 70 Prozent sind für eine Limite. Es herrscht aber keine Einigkeit, wie und wo eine Lohnobergrenze definiert werden soll.

Bei den absoluten Beträgen reichen die Summen von 10'000 bis 20 Mio. Franken. Am meisten wurde eine Obergrenze von 1 Mio. Fr. genannt, häufig sind auch 200'000 Franken, 500'000 Franken und 2 Millionen.

Ziemlich unpopulär sei der Ansatz, eine maximale Lohnspanne festzulegen, wie dies die abgelehnte 1:12-Initiative der Jungsozialisten wollte: Nur 3 Prozent finden es die beste Lösung, wenn der höchste Lohn auf eine fixe Relation zum tiefsten Lohn begrenzt würde.

Staatseingriff weniger populär

Die Resultate der Umfrage sind laut hkp ein Aufruf an die Verwaltungsräte. Denn der Wunsch nach staatlichen Regelungen habe laufend abgenommen. Inzwischen sprechen sich noch 42 Prozent dafür aus, 2010 waren es noch 64 Prozent gewesen.

Auch stützen 78 Prozent grundsätzlich die Annahme, leistungsabhängige Löhne spornten zu besonderem Einsatz an. Und für 57 Prozent sind Firmen mit Boni auf dem Arbeitsmarkt attraktiver und können bessere Mitarbeitende binden.

Die Kriterien und die Entscheidungsprozesse für die Vergütungen müssten aber erläutert und transparent gemacht werden, sagte Hostettler. Schliesslich meinen 50 Prozent, dass Arbeitgeber die Leistung der Mitarbeitenden zuverlässig messen können. 41 Prozent sehen das umgekehrt.

(bg/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Drei Jahre nach Annahme der «Abzocker-Initiative» zeigt sich deren Urheber ... mehr lesen 1
Der Urheber der «Abzocker-Initiative», Thomas Minder, ärgert sich darüber, dass Firmen immer wieder neue Begriffe erfinden, um ihren Managern doch Antritts- und Abgangszahlungen zu leisten.
Ethos unterstützt die Revision des Obligationenrechts.
Zürich - Die Anlagestiftung Ethos übt ... mehr lesen
Bern - Nestlé-Präsident Peter ... mehr lesen
Peter Brabeck-Letmathe macht gute Geschäfte als Verwaltungsrat.
Bern - Mit 14,2 Millionen Franken hat Transocean-Chef Steven Newman 2014 so viel verdient wie kein anderer Top-Manager in der Schweiz. Insgesamt verharrten die Managerlöhne 2014 auf einem ... mehr lesen
Weitere Artikel im Zusammenhang
Die Schweizer Firmenchefs kassieren hohe Gehälter.
Zürich - Die Chefs von Schweizer ... mehr lesen
Zürich - Die Chefs der acht grössten börsenkotierten Unternehmen in der Schweiz haben 2013 sechs Prozent weniger verdient als im Vorjahr. Mit einem Durchschnittseinkommen von 8,8 Millionen Franken bleiben sie jedoch in Europa weiterhin die am höchstbezahlten Manager. mehr lesen 
Zürich - Die Diskussionen um die ... mehr lesen
Die Unternehmer in der Chefetage sahnen heute weniger ab als früher.
Die Aktionäre müssen ab jetzt die erhöhte Verantwortung wahrnehmen.
Zürich - Die Abzockerinitiative zeigt Wirkung: Die Vergütungsmodelle sind verständlicher und transparenter geworden und bei einigen gewichtigen Unternehmen sind die Spitzenlöhne nun ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Zwischen Bodensee und Säntis ist eine Landesausstellung geplant.
Zwischen Bodensee und Säntis ist eine Landesausstellung geplant.
Abstimmung am 5. Juni  Bern - Neben den fünf eidgenössischen Abstimmungsfragen entscheiden am 5. Juni die Stimmberechtigten über zahlreiche kantonale Vorlagen. In den Kantonen St. Gallen und Thurgau wird über das Schicksal der Expo2027 befunden. mehr lesen 
Laut Umfrage  Zürich - Die Zustimmung für die Pro-Service-public-Initiative schmilzt laut einer Umfrage. Doch die ... mehr lesen  
Mehr Bürger als noch im April lehnen die Pro-Service-public-Initiative ab.
Künftig mindestens 500'000.-- und die ganze Schweiz inklusive: SwissPass, der schon bald mal GACH heissen könnte.
Etschmayer Durch ungeschickte Avancen von SBB- und Post-Chefs, droht die Service-Public-Initiative tatsächlich angenommen zu werden. Von ... mehr lesen  
Wahlen 2015  Bern/Lausanne - Die SVP hat ihr gutes ... mehr lesen
Migration, Asyl und Flüchtlinge galten bei der Wählerschaft als wichtigstes Problem. (Symbolbild)
Titel Forum Teaser
  • melabela aus littau 1
    es geht nicht nur um homosexuelle ich bin eine frau und verheiratet mit einem mann. leider betrifft es ... So, 14.08.16 13:18
  • Pacino aus Brittnau 731
    Kirchliche Kreise . . . . . . hatten schon immer ein "spezielles" Verhältnis zu ... Do, 09.06.16 08:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • Pacino aus Brittnau 731
    Demokratie quo vadis? Wenn die Demokratie den Stacheldraht in Osteuropa-, einen Wahlsieg von ... Mo, 06.06.16 07:55
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... muss darum gehen, die Kompetenz der Kleinbauern zu stärken. Das sorgt ... Do, 02.06.16 13:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Kindeswohl egal! Es geht doch vor allem um die eigenen Kinder der Betroffenen. Die ... Do, 02.06.16 08:10
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Verlust der Solidarität: Verlust der Demokratie! Vollständig und widerspruchsfrei beantworten lässt sich das wohl nicht. ... Mi, 01.06.16 00:18
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Unterstützung "Deshalb sind für die Sozialhilfe 267 Millionen Franken mehr und für ... Di, 31.05.16 10:38
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 2°C 5°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt bedeckt, wenig Regen
Basel 3°C 6°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 1°C 5°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt Schneeregen
Bern 2°C 5°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt bedeckt, wenig Regen
Luzern 4°C 6°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt bedeckt, wenig Regen
Genf 3°C 8°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Lugano 4°C 9°C anhaltender Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass trüb und nass
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten