Managerlöhne - gar nicht affig
publiziert: Montag, 16. Apr 2007 / 11:58 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 17. Apr 2007 / 15:03 Uhr

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Die Diskussion über die Managerlöhne wird uns noch einige Zeit begleiten. Ob die Betroffenen nun Gübel, Ackermann oder Vasella heissen, ist dabei irrelevant. Sicher ist bei dem Streit über die Höhe von deren Entlohnung nur eines: Dass es rote Köpfe auf allen Seiten geben wird.

Die Irrationalität der Führung der Debatte ist dabei bemerkenswert. Es wird da mit Generalismen wie 'unanständig' oder 'Neidgesellschaft' operiert und eine Annäherung hat sich noch bei kaum einer der Diskussionen gezeigt. Ein Konsens scheint nicht möglich zu sein.

Das macht die Sache erst richtig interessant. Denn seien wir ehrlich: wäre diese Diskussion auf Grund von Fakten führbar, müssten zumindest die vernünftigeren Teilnehmer eine Lösung finden können. Doch dem ist nicht so. Es scheint gar nicht auf die nackten Tatsachen anzukommen, sondern auf dieses kuriose Ding, das sich 'Gerechtigkeitsempfinden' nennt.

Wenn die 'Abzocker' auf die 'Neidhammel' eindreschen, dann wird immer wieder betont, dass die Idee, dass die Managergehälter ungerecht seien, allein von der Linken gepusht werde, dass die Debatte mithin auf einen künstlichen Sockel gehievt wurde, der aus rein politischem Kalkül errichtet worden ist. Die Linke hingegen findet, dass diese Millionenlöhne, die jedes Jahr noch höher werden, das Symbol einer Elite seien, die jegliche Perspektive verloren hat.

Positionen, die mithin Lichtjahre auseinander liegen, unvereinbar, unversöhnlich, eigentlich nur zu lösen, indem man herausfindet, wer denn nun recht hat. Und warum. Denn einfach ein unbegründetes, 'moralisches' Urteil zu sprechen trägt rein gar nichts zu der Diskussion bei.

Das generelle, tiefe Unbehagen, das in vielen Menschen beim Anblick von Millionen-Gehältern, goldenen Fallschirmen und gleichzeitigen Lohnkürzungen aufsteigt, scheint in der Tat mehr als nur ein geschickt implantiertes SP-Parteiprogramm zu sein. Doch woher kommt es?

Ein Hinweis darauf liefern zum Beispiel Kapuzineraffen. Bei einer Studie von Verhaltensforschern erhielten sie im Austausch gegen Granitsteinchen entweder eine Weintraube oder ein Stückchen Gurke. Nun mögen auch Kapuzineraffen Weintrauben lieber als Gurken. Wenn nun zwei Affen mit Gurken oder Weintrauben belohnt wurden, war alles gut. Doch bekam der erste eine Traube und der zweite sollte mit einer Gurke abgespeist werden, verweigerte dieser zu kurz gekommene Affe in der Hälfte der Fälle die Belohnung und schmiss mitunter das Steinchen sogar weg. Musste der eine Affe nichts für die Traube machen, stellte der begurkte Affe sogar in 80% der Fälle auf stur.

Wir Menschen sind – genau wie die Kapuzineraffen – soziale Wesen. Unser Zusammenleben basiert auf einem Gerechtigkeitsempfinden. Wer glaubt, übervorteilt und ungerecht behandelt zu werden, wird versuchen, sich zu wehren, flüchtet sich entweder in Verweigerung oder beginnt offensiv gegen die wahrgenommene Ungerechtigkeit zu kämpfen.

Früher diente in Europa die Religion dazu, das ungerechte Feudalsystem zu legitimieren, bis schliesslich auch dieses Konstrukt zusammen brach. Heute wird die Autonomie der Aktionäre – grösstenteils selbst Institutionen – vorgebracht, welche bestimmen dürfen, wieviel dem Manager gezahlt wird.

Rechtlich gesehen ist dies auch absolut korrekt und sogar von einer grösseren wirtschaftlichen Logik her lässt sich nicht allzuviel dagegen einwenden. Doch dadurch, dass fast alle Arbeitnehmer in dieses System eingebunden sind und von ihm unter Druck gesetzt werden, wird das in uns allen vorhanden Seismometer für Moral-Beben arg in Schwingung gebracht. Während viele Angestellte beim Blick auf ihren Lohnausweis vor allem eine Gurke sehen, scheint den Managern der Fruchtsalat geradezu Lastwagenweise in die Hütte gekarrt zu werden.

Die Verwunderung über die Empörung der Öffentlichkeit bezüglich ihrer Riesen-Saläre ist daher entweder zynisch, oder – fast noch schlimmer – völlig naiv, scheinen diverse Wirtschaftsführer doch schlicht und ergreifend jede Ahnung darüber verloren zu haben, wie normale Menschen empfinden. Der Versuch, bei einem so tief in uralten Emotionen verankerten Thema rein sachlich zu argumentieren, ist dabei zum Scheitern verurteilt. Doch vielleicht könnte diesen Leadern irgendjemand mal etwas Nachhilfe in emotionaler Intelligenz geben... ein Stück Gurke, von einem Kapuzineraffen an den Kopf geworfen, könnte ja vielleicht einen neuen Gedankengang auslösen.

(von Patrik Etschmayer /news.ch)

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