Marcel Fischer - im Rück- und Ausblick
publiziert: Donnerstag, 13. Nov 2008 / 20:09 Uhr

über sich als Fechter - «Detailpflege und Perfektionismus - darauf legte ich grossen Wert. Das Sportgetränk musste exakt zubereitet sein. Auch in anderen Bereichen der Vorbereitung und Einstellung gab es für mich keine Kompromisse.»

Marcel Fischer gibt an der Medienkonferenz seinen Rücktritt bekannt.
Marcel Fischer gibt an der Medienkonferenz seinen Rücktritt bekannt.
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über die Anfänge seiner Fecht-Karriere im FC Biel

«Ein Schulkollege hatte mir erzählt wie toll das Training sei, bis ich mit ihm ging. Die ersten vier Jahre wurde ich von Klubtrainer Ryszard Marszalek nur auf dem Florett geschult, obschon ich von Beginn an mit dem Degen fechten wollte. Doch ich erhielt durch das Florett die beste technische Basis für das Degenfechten.»

über Höhepunkte und Tiefschläge

«Neben Olympia-Einzel- und Team-EM-Gold und der Eroberung der Weltranglisten-Position waren für mich die beiden in extremis errungenen Olympia-Qualifikationen persönliche Höhepunkte (2000 und 2004 holte sich Fischer den Olympia-Startplatz jeweils an den Zonenturnieren in extremis um einen Treffer -- Red). Tiefschläge waren die verpassten Olympia-Qualifikation mit den Teams für 2000 und 2004. Die notwendig gewordene Schulter-Operation 2003 nach den WM in Kuba war ebenfalls ein Tiefschlag. Und ganz unten war ich 2004 in Bogota, als ich nach dem Weltcupturnier realisierte, dass ich als Weltranglisten-Dritter (!) keinen Olympia-Startplatz auf Nummer sicher hatte und ans Zonenturnier gehen musste. Und einen rabenschwarzen Tag erwischte ich an den letztjährigen WM in St. Petersburg, als ich im Einzel bereits am ersten Wettkampftag ausschied. Auch das WM-Achtelfinal-Ausscheiden 2007 gleichenorts mit dem Team in der Verlängerung gegen Venezuela war ärgerlich.»

über die Zahl 17

«Am 17. April hat mein Vater Geburtstag. Ich holte am 17. April 2004 in Gent am Zonenturnier einen Olympia-Startplatz. Und am 17. August 2004 gewann ich Olympia-Gold in Athen. Und derzeit werde ich als Nummer 17 der Weltrangliste geführt.»

über seinen Olympiasieger-Nachfolger

«Mein letztes Gefecht im Weltcup hatte ich in diesem Jahr in Montreal gegen Matteo Tagliariol (It) bestritten und verloren. Ich spürte schon damals, dass Matteo das Zeug zu meinem Nachfolger hat. Er ist für mich der gegenwärtig mit Abstand beste Degenfechter der Welt. Ich traue ihm zu, 2012 in London erneut Olympia-Gold zu holen, auch wenn er nicht mehr auf seinen Gold-Trainer Angelo Mazzoni (jetzt Schweizer Nationalcoach) zählen können wird.»

über persönliche Unterstützung

«Ohne die tägliche Unterstützung von meiner Familie hätte ich es nie geschafft. Auch hatte mich der Präsident des Fechtklubs Biel in meinen Jugendjahren nach einem Armbruch überredet, weiterzumachen.»

über die wichtigsten Sparringspartner

«Mein Bieler Klubkollege Basil Hoffmann (WM-Zweiter 2001 -- Red.) war bis im letzten Junioren-Jahr stärker als ich. Ich habe früher mit ihm auch Fussball gespielt, oder bis in alle Nacht hinein gesungen. ´Irgendwann einmal findet einen das Glück´, schrieb er mir in einem SMS nach dem Olympiasieg in Athen. Später in Basel war Benjamin Steffen mein wichtigster Trainingspartner; wir haben uns auf höchstem Niveau gefordert. Für ihn war die Olympia-Saison 2004 vorzeitig vorbei, dennoch zeigte er sich ungemein flexibel und stand mir wann immer möglich bis vor Olympia als Sparringspartner zur Verfügung. Gleiches gilt auch für Manfred Beckmann, den langjährigen Trainer der Fechtgesellschaft Basel.»

über seinen ersten Fechtlehrer und Mentor Ryszard Marszalek

«Unsere Wege trennten sich vor neun Jahren. Ich habe meine Fecht-Wurzeln nie vergessen. Er hat eine Art, mit dem Nachwuchs umzugehen, die für mich einzigartig ist. Er hat mich als kompletten Fechter ausgebildet, mir alle Finten und Tricks beigebracht. Ich habe von ihm gelernt, den Gegner anzulocken und zu täuschen. Er hat mir die Geduld für den richtigen Moment beigebracht. Mein Fecht-Gefühl habe ich ihm zu verdanken.»

über den langjährigen Nationaltrainer Rolf Kalich:

«Seine grossen Stärken waren die Organisation und Aufbau auf den Wettkampf. Ich war eher ein ruhiger Taktiker. Wir ergänzten uns optimal. Kalichs Art, mit Problemen und Hindernissen umzugehen, hat mich tief beeindruckt. Um es einfach auszudrücken; er hat Hindernisse geliebt. Er hat mit seiner aufopferungsvollen Arbeitsweise vorgelebt. Er verlangte alles, gab aber auch persönlich alles. Ich hätte aber auch aufgehört, wenn Kalich weitergemacht hätte. Es wäre sogar so gewesen, dass ich sehr gerne mit dem neuen Nationaltrainer Angelo Mazzoni zusammen gearbeitet hätte, obschon dies für mich vom Fechten her eine Umstellung bedeutet hätte.»

über seine nächsten Ziele

«Ich möchte vielleicht in sechs oder sieben Jahren Oberarzt sein.»

über die Zukunft im Männer-Nationalteam

«Die Chance für die Jungen ist jetzt da, nachzurücken. Andernfalls wären die vier Team-Plätze wohl für weitere vier Jahre vergeben gewesen.»

über sein Engagement als Athleten-Botschafter bei Right to play

«Wir leben in einem priviligierten Teil der Welt, und so behütet und umsorgt wie Shayenne können leider nicht alle Kinder aufwachsen. Dehalb will ich mich künftig engagieren, durch die Begleitung von Projekten in den Einsatzgebieten oder als Referent an Veranstaltungen.»

über eine eigene Trainer- oder Funktionärs-Laufbahn:

«Fechttrainer kann ich mir im Moment weniger vorstellen. Ich bin aber sicher bereit, der Jugend gewisse Tricks und Sachen beizubringen. Den Kontakt zu den jungen Leuten der Fechtszene wird es weiter geben. Leistungssportchef? Im gleichen Umfang wie dieser Posten in der Schweiz derzeit von Gabriel Nigon (führt eine Anwaltskanzlei -- Red.) ausgefüllt wird, kann ich mir dies aber nicht vorstellen.»

was er am Fechten mehr und weniger vermissen wird

«Ich werde meine stärkste Angriffsart, die Sturzattacke, vermissen. Durch die Luft zu fliegen und den Gegner auf die Brust zu treffen -- das sind Momente, in denen das Adrenalin fliesst. Die Reisen, die Wettkämpfe und die Kollegen werde ich vermissen. Nicht vermissen werde ich die ungeliebten Fecht-Lektionen, lieber fechtete ich direkt gegen einen Kontrahenten. Nicht vermissen werde ich auch für mich unverständliche und nicht nachvollziehbare Schiedsrichter-Entscheide oder die amateurhafte Organisation von Weltcupturnieren in gewissen Ländern.»

(bert/sda)

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