Martin Heller zieht im Interview seine Bilanz der Expo.02
publiziert: Montag, 14. Okt 2002 / 08:45 Uhr / aktualisiert: Montag, 14. Okt 2002 / 09:40 Uhr

Neuenburg Der künstlerische Direktor der Expo.02, Marin Heller, zieht in einem Interview mit der Nachrichtenagentur sda Bilanz.

Der künstlerische Direktor der Expo.02, Marin Heller.
Der künstlerische Direktor der Expo.02, Marin Heller.
sda: Martin Heller, die Hälfte aller Schweizer soll die Landesausstellung besucht haben. Warum kam die andere Hälfte nicht?

Martin Heller: In einigen Rand-Kantonen war die Begeisterung weniger gross. Das hat mit realen, aber auch mit kulturellen Distanzen zu tun. Zudem gab es rigide Haltungen wie: die Expo ist zu teuer oder ökologisch sinnlos, darum gehe ich nicht hin. Das übrige kulturelle Leben in der Schweiz ging natürlich auch weiter. Und viele Menschen begnügten sich damit, die Expo über die Medien zu konsumieren. Hier liegt übrigens ein entscheidender Unterschied zur Expo 64 - damals war die Medienlandschaft weitaus weniger geprägt.

sda: Wenn Sie auf die Ereignisse seit ihrem Amtsantritt im Herbst 1999 zurückblicken. Würden Sie den Job nochmals annehmen?

Heller: Ja. Was ich gerade in den letzten Wochen und Monaten erlebt habe, bestätigt meine grosse Liebe zu diesem Projekt.

sda: Was würden Sie anders machen?

Heller: Nelly Wenger und ich entschieden uns 1999, das ursprüngliche Konzept mit den fünf Arteplages und den einzelnen Themen zu verteidigen. Daran würde ich nach wie vor nichts ändern. Was mir in all der Zeit am meisten fehlte, war Planungssicherheit. Wir mussten uns immer wieder wegen der Finanzen rechtfertigen und konnten mitunter weniger intensiv an einzelnen Ausstellungen und Spektakeln arbeiten als erwünscht.

sda: Die Expo ist im schwierigen Zusammenspiel zwischen Politik, Wirtschaft und Kultur entstanden. Keiner der drei Pole zeigte jemals wirklich Begeisterung für die Expo.

Heller: Das sehe ich anders. Die Politik etwa hat sie zum überwiegenden Teil bezahlt - obwohl es Momente gab, wo sie die Landesausstellung hätte fallen lassen können. Und auch Teile der Wirtschaft und der Kultur standen hinter ihr. Zudem sind zwischen den drei Polen Prozesse, Netzwerke und persönliche Verbindungen entstanden, die ich für die Zukunft sehr wichtig halte. Kollektive Begeisterung darf man in der Schweiz jedoch nie verlangen.

sda: Hat das Publikum an kultureller Kompetenz hinzugewonnen - so wie Sie es sich erhofft hatten?

Heller: Die kulturelle Kompetenz, die ich mir für dieses Land generell wünsche, besteht darin, andere Mentalitäten, andere Denk- und Handlungsmuster zu verstehen und dieses Verständnis passiv zu nutzen. Dafür bot die Expo ein schönes und unterhaltsames Lernfeld.

sda: Braucht die nächste Generation wieder eine Landesausstellung?

Heller: Eine Landesausstellung kann vieles bewirken - das hat die Expo.02 gezeigt. Auch und gerade für so schwierige Dinge wie den nationalen Zusammenhalt. Auf den Arteplages hat sich eine interessante Schweiz manifestiert, in der Sprachenvielfalt eine Selbstverständlichkeit ist und unterschiedliche Kulturen miteinander existieren können. Wo lässt sich das sonst so modellhaft erleben? Die Tradition der Landesausstellungen eröffnet der Schweiz damit eine unerhörte Chance. Die junge Generation, die ein überraschend positives Bild von der Expo.02 mitnimmt, wird eines Tages entscheiden müssen, ob sie sich auf dieses Abenteuer einlassen will.

(sda)

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