Massaker-Vorwürfe erhärten sich
publiziert: Mittwoch, 31. Mai 2006 / 21:20 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 1. Jun 2006 / 06:55 Uhr

Bagdad/Washington - Die irakische Regierung hat wegen eines angeblichen Massakers im Ort Haditha schwere Vorwürfe gegen die US-Truppen erhoben.

Nuri al-Maliki, irakischer Ministerpräsident, kündigte eine irakische Untersuchung an.
Nuri al-Maliki, irakischer Ministerpräsident, kündigte eine irakische Untersuchung an.
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Die «New York Times» berichtete am Mittwoch von neuen Hinweisen für ein Kriegsverbrechen. Zeugenaussagen erhärteten den Vorwurf, dass US-Marineinfanteristen am 19. November 2005 in dem rund 200 Kilometer nordwestlich Bagdads gelegenen Haditha ein Blutbad anrichteten, bei denen auch Frauen und Kinder getötet wurden.

Die Tötung von 24 Zivilisten sei erfolgt, ohne dass die US-Soldaten angegriffen worden seien, schreibt die Zeitung unter Berufung auf US- Militärquellen. US-Unteroffizier James Crossan, der zu Beginn der Vorfälle in Haditha verletzt worden war, schilderte in TV-Interviews die Wut seiner Kameraden an diesem Tag.

Nachdem ein Soldat bei der Explosion des Sprengsatzes am Strassenrand getötet und zwei weitere verletzt worden waren, hätten «wohl einige die Kontrolle verloren», sagte Crossan in einem Gespräch mit CNN. Deshalb sei es «zu schlechten Entscheidungen» der US-Militärs gekommen.

Irakische Untersuchung angekündigt

Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki kritisierte das Verhalten der US-Truppen in seinem Land scharf. Das Vorgehen in Haditha sei «nicht zu rechtfertigen», sagte er dem britischen Sender BBC. Der Premier kündigte eine irakische Untersuchung zu dem Fall an.

Am vergangenen Montag hatte der demokratische US-Abgeordnete John Murtha dem Verteidigungsministerium in Washington vorgeworfen, das Massaker vertuschen zu wollen. US-Präsident George W. Bush kündigte nun eine gründliche Untersuchung und eine Bestrafung etwaiger Schuldiger an.

Bush beunruhigt

Er sei über die Berichte beunruhigt, sagte Bush in Washington. Der Präsident sprach von einem Ausnahmefall. Der Sprecher des Weissen Hauses, Tony Snow, betonte, dass die Ergebnisse der Pentagon- Untersuchung über Haditha bald der Öffentlichkeit präsentiert würden.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, drohen mehreren US- Marineinfanteristen Anklagen wegen Mordes und Kriegsverbrechen.

(fest/sda)

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