Massenverhaftungen in Kuba - Dissidenten geben nicht auf
publiziert: Freitag, 20. Jun 2003 / 11:56 Uhr

Havanna - Vielleicht hat es Oswaldo Payá dem Europaparlament zu verdanken, dass er noch ein freier Mann ist. Als Mitte März in Kuba 78 friedliche Regimekritiker festgenommen und kurz darauf zu hohen Haftstrafen verurteilt wurden, blieb der 51-jährige Dissident fürs erste unbehelligt.

11 000 Unterschriften im Gepäck: Oswaldo Payá (l) auf dem Weg zum kubanischen Volkskongress im Mai 2002.
11 000 Unterschriften im Gepäck: Oswaldo Payá (l) auf dem Weg zum kubanischen Volkskongress im Mai 2002.
Im Dezember 2002 war ihm in Strassburg der Sacharow-Preis für Gedankenfreiheit verliehen worden, und seitdem geniesst er einen gewissen Bekanntheitsgrad.

Auf seiner Europareise war er sogar von Papst Johannes Paul II. und dem damaligen tschechischen Präsidenten Vaclav Havel empfangen empfangen worden.

Payá fürchtet aber, dass die Repressionswelle gegen die illegale Opposition auf Kuba auch ihn erfassen könnte.

"Doch ich werde nicht aufgeben, und ich werde Kuba auch nicht verlassen", bekräftigt der Menschenrechtler, der von Havel sogar als Kandidat für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde bei einem Gespräch in seiner Wohnung in Havanna.

Reformprojekt "Varela"

Payá ist einer der geistigen Väter des Reformprojektes "Varela", mit dem Kuba von einer Ein-Parteien-Diktatur in eine pluralistische Demokratie verwandelt werden soll. Im Mai vorigen Jahres hatte er beim kubanischen Volkskongress 11 000 Unterschriften dafür eingereicht.

Das Volksbegehren wurde zurückgewiesen und Dutzende Koordinatoren des Varela-Projektes verhaftet.

Es würden dennoch weiter Unterschriften gesammelt, versichert Payá.

Der Sacharow-Preisträger begrüsst die Haltung der EU, die aus Protest gegen die Unterdrückung der Regimekritiker Anfang Juni beschloss, die politischen Kontakte zu Kuba einzuschränken.

Von staatlichen Protestkundgebungen, wie vorige Woche vor den Botschaften Spaniens und Italiens in Havanna, sollten sich die Europäer nicht beeindrucken lassen.

Ähnlich urteilt Elizardo Sánchez, ein weiterer prominenter Dissident, der sich noch auf freiem Fuss befindet.

Ihn beunruhige, wie wenig sich das kommunistische Regime um sein Ansehen im Ausland schere und wie zielstrebig es das Land in die Isolierung führe.

Lage der Häftlinge "katastrophal"

Die Lage der Häftlinge bezeichnet der Menschenrechtler, der selbst achteinhalb Jahre im Gefängnis zubringen musste, als katastrophal.

"Sie wurden in Strafanstalten hunderte Kilometer von ihren Heimatorten entfernt gebracht. Man sperrte sie in enge Einzelzellen ohne fliessendes Wasser. In den Zellen wimmelt es von Ratten und Ungeziefer", sagt Sánchez.

Er versichert, dass längst nicht alle 78 Verurteilten an Treffen mit dem US-Diplomaten James Cason, dem Leiter der Ständigen US-Vertretung in Havanna teilgenommen hatten.

Die Aktivitäten Casons, der Dissidenten besucht und ihnen Räume in seiner Residenz zur Verfügung gestellt hatte, waren von der kubanischen Regierung als Aufhänger für die Verhaftungswelle genutzt worden.

"Möglicherweise ist Cason zu weit gegangen. Viel wichtiger ist aber, dass die kubanische Regierung zu weit gegangen ist", sagt Sánchez. Sánchez lobt die aus seiner Sicht besonnene Haltung der Europäer.

Jene hätten eine Eskalation vermieden und sich von den Massenaufmärschen sowie von der Schliessung des spanischen Kulturzentrums in Havanna nicht zu härteren Massnahmen provozieren lassen.

"Ich glaube, die kubanische Regierung sucht förmlich die Selbstisolierung, damit sie sich um den Rest der Welt nicht mehr zu scheren braucht", sagt Sánchez.

(bsk/dpa)

 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mo Di
Zürich 7°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Basel 8°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
St. Gallen 6°C 18°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Bern 6°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Luzern 8°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Genf 9°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Lugano 16°C 22°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig vereinzelte Gewitter
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten