TIR-Analyse der Strafpraxis 2012
Massive kantonale Unterschiede bei der Verfolgung von Tierquälereien
publiziert: Donnerstag, 24. Okt 2013 / 13:18 Uhr
Ein besonderes Augenmerk legt die TIR bei ihrer diesjährigen Studie auf die an Katzen begangenen Tierschutzverstösse.
Ein besonderes Augenmerk legt die TIR bei ihrer diesjährigen Studie auf die an Katzen begangenen Tierschutzverstösse.

2012 wurden in der Schweiz so viele Tierschutzdelikte untersucht wie nie zuvor. Dies zeigt die aktuelle Jahresanalyse der Stiftung für das Tier im Recht (TIR).

15 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Tier im Recht (TIR)
Auswertung der Schweizer Tierschutzstrafpraxis 2012.
www.tierimrecht.org

In vielen Kantonen werden Tierquäler aber nach wie vor nicht konsequent verfolgt. Ein spezielles Augenmerk wurde in diesem Jahr auf die Strafpraxis bei an Katzen begangenen Tierschutzverstössen gerichtet. Auch in diesem Bereich hat die TIR erhebliche Missstände festgestellt und fordert griffige Vollzugsstrukturen in allen Kantonen.

Die TIR-Studie der Schweizer Tierschutzstrafpraxis 2012 birgt erneut brisante Erkenntnisse. Mit 1404 Tierschutzstrafverfahren wurde ein absoluter Höchstwert erzielt. Landesweit hat sich die Fallzahl in den letzten zehn Jahren vervierfacht, in den letzten 15 Jahren sogar verachtfacht.

Spezialisierte Amtsstellen

Die Kantone Bern und St. Gallen weisen mit je 248 am meisten Tierschutzstrafverfahren aus. Hohe Fallzahlen liegen auch aus Zürich (237) und Aargau (107) vor. Auf den weiteren Plätzen folgen Graubünden (70) und Solothurn (52). Erfreulich ist insbesondere die weiter anhalten-de positive Entwicklung im Kanton Graubünden. Wie bereits im Vorjahr ist erneut eine Zunahme der wegen Tierschutzdelikten durchgeführten Strafverfahren zu verzeichnen. Die Fall-zahl ist gegenüber dem Vorjahr von 55 auf 70 gestiegen; seit dem Jahr 2010 hat sie sich mehr als vervierfacht. Diese Zunahme ist insbesondere auf die Arbeit der seit 2010 bestehenden Fachstelle für Tierschutz zurückzuführen. Wie positiv sich geeignete Strukturen und spezialisierte Amtsstellen auf den kantonalen Tierschutzvollzug auswirken, zeigt sich auch in Bern, St. Gallen, Graubünden, Zürich und Solothurn.

Hier werden Tierquäler kaum verfolgt

In anderen Kantonen werden Tierquäler hingegen nach wie vor kaum verfolgt. Sehr tiefe Verfahrenszahlen liegen aus Genf (3), Nidwalden (4), Glarus (5) und Uri (6) sowie aus dem Wallis (9) vor. Die TIR-Analyse zeigt klar, dass diese Kantone den Vollzug des strafrechtlichen Tierschutzes noch immer nicht genügend ernst nehmen. Erfreulich ist jedoch zumindest, dass nun bereits im dritten Jahr in Folge kein einziger «Nuller-Kanton» zu verzeichnen ist.

Strafrahmen bei Weitem nicht ausgeschlöpft

Auch die Höhe der für Tierschutzverstösse ausgesprochenen Bussen und Geld- bzw. Freiheitsstrafen sowie die Art der kantonalen Entscheidungen (Strafbefehl, Urteil, Einstellung) werden im aktuellen Gutachten analysiert. Der TIR-Bericht zeigt, dass die zuständigen Behörden den gesetzlichen Strafrahmen mit Bussen, die kaum über 500 Franken liegen, und mit tiefen bedingten Geldstrafen bei Weitem nicht ausschöpfen und dadurch Tierschutzverstösse bagatellisieren.

Katzen sind überdurchschnittlich Opfer von schweren Tierquälereien

Ein besonderes Augenmerk legt die TIR bei ihrer diesjährigen Studie auf die an Katzen begangenen Tierschutzverstösse. Die Analyse zeigt auf, dass Katzen überdurchschnittlich häufig Opfer von schweren Tierquälereien werden. Gesamthaft betrachtet sind gegen Katzen gerichtete Tierschutzwidrigkeiten dennoch ca. viermal seltener Gegenstand eines Strafverfahrens als an Hunden verübte Delikte. Diese Zahl erstaunt angesichts der Tatsache, dass in der Schweiz mit rund 1.4 Millionen mehr als doppelt so viele Katzen wie Hunde leben und es keine plausible Erklärung dafür gibt, weshalb Katzen tatsächlich seltener von Tierquälereien betroffen sein sollen als Hunde. Es ist deshalb davon auszugehen, dass Behörden und Bevölkerung für die Anliegen der Katzen zu wenig sensibilisiert sind. Das TIR-Gutachten greift zudem weitere tierschutzrelevante Themen rund um die Katze - wie etwa das Animal Hoarding, die Qualzuchtproblematik, die Überfütterung oder den immer noch zulässigen Konsum von Katzenfleisch - auf.

Vielerorts besteht im Tierschutzstrafvollzug noch immer dringender Handlungsbedarf. Es ist völlig inakzeptabel, dass gewisse Kantone verbindliches Gesetzesrecht fast schon systematisch ignorieren und Tierquälereien nicht konsequent verfolgen und bestrafen. In einem Forderungskatalog hat die TIR die acht wichtigsten Postulate für eine wirksame Strafpraxis im Tierschutzrecht aufgelistet.

Die 60-seitige TIR-Analyse der Strafpraxis 2012 und sämtliche Medienunterlagen finden Sie hier.

 

(li/Tier im Recht)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Titelseite des TIR-Themenflyers (Ausschnitt).
Im internationalen Vergleich verfügt die Schweiz über ein relativ strenges Tierschutzrecht, wenn gleich auch hierzulande immer noch erhebliches Verbesserungspotenzial besteht. mehr lesen
Tierhalter, die sich über Jahre hinweg wiederholt der Tierquälerei schuldig machen, gehören nicht nur strafrechtlich streng sanktioniert, vielmehr ist ihnen dringend auch ein Tierhalteverbot aufzuerlegen. Wenn dieses auf sich warten lässt, ist öffentlicher Druck auf die zuständigen Behörden notwendig. mehr lesen 
Obwohl in der Schweiz mehr als doppelt so viele Katzen wie Hunde gehalten werden, bestehen hinsichtlich des rechtlichen Umgangs ... mehr lesen
Auch die allgemeinen Bestimmungen des Tierschutzrechts finden auf Katzen Anwendung.
12 Prozent der Jugendlichen haben einmal im Leben einem Tier absichtlich Schaden zugefügt.
Nicht nur Erwachsene machen sich der Tierquälerei strafbar. Unter den Tätern befinden sich häufig auch Kinder und Jugendliche. Zwischen Tierquälerei im Jugendalter und späteren ... mehr lesen
Weitere Artikel im Zusammenhang
Ein Strafgericht in Marseille (F) hat letzte Woche einen Tierquäler zu einer unbedingten Freiheitsstrafe verurteilt. Der Täter hatte seine Katze mehrfach zu Boden und gegen ein Gebäude geschleudert und Videoaufnahmen der Tat ins Internet gestellt. mehr lesen 
Tatsächlich besteht für Privattierärzte ... mehr lesen
Tierquäler gehen mit ihren Opfern normalerweise nicht zum Tierarzt.
Im Tropenhaus Frutigen sollen Mitarbeitende 20'000 Störe tot aufgefunden haben.
Wie in der letzten Woche durch die Medien bekannt geworden ist, führte ein technischer Defekt im Tropenhaus Frutigen anfangs November zum Tod von 20'000 Stören. Da allfällige ... mehr lesen
Tierschutzverstösse werden von Behörden oft bagatellisiert.
Die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) kämpft für tiergerechte Gesetze und ihren konsequenten Vollzug. Leider werden Verfahren wegen Tierquälereien und anderen ... mehr lesen
Schleitheim SH - Unbekannte haben in der Nacht auf Mittwoch in Schleitheim einen Schimmelwallach verletzt. Im Zuge der Ermittlungen stiess die Polizei auf drei weitere Vorfälle in der Region Klettgau/Randental, bei denen Pferde mutwillig verletzt wurden. mehr lesen 
Die TIR freut sich über die neuste Publikation in ihrer Buchreihe «Schriften zum Tier ... mehr lesen
Band 11 kann ab sofort für 89 Franken im Buchhandel oder direkt bei der TIR bezogen werden.
Gerade auch Igel werden immer wieder Opfer von Gewalttätigkeiten.
Über Social-Media-Plattformen werden zunehmend Videos verbreitet, die in verherrlichender Weise Gewalt an Tieren zeigen. Die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) erteilt ... mehr lesen
2011 wurden in der Schweiz so viele Tierschutzdelikte untersucht wie nie ... mehr lesen
Strafanzeigen gegen fehlbare Züchter von Labrador Hunden.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Eine Kastrationspflicht für Katzen wurde im Ausland bereits an verschiedenen Orten erfolgreich eingeführt.
Eine Kastrationspflicht für Katzen wurde im Ausland bereits an verschiedenen ...
Jetzt Petition unterschreiben  Die Tierschutzorganisationen Network for Animal Protection (NetAP) und Stiftung für das Tier im Recht (TIR) fordern Bundesrat und Parlament auf, eine Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen einzuführen, um die übermässige Vermehrung von Katzen einzudämmen und so das Katzenleid in der Schweiz zu vermindern. mehr lesen 
20 Jahre Tier im Recht  Die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) feiert ihr 20-jähriges ... mehr lesen  
Die TIR setzt sich seit Jahren für Importverbote tierquälerisch erzeugter Produkte ein.
Jagdtourismus  Seit Anfang des Jahres widmet sich die ... mehr lesen  
TIR-Flyer Nr. 33  Das Mit- und Vorführen von Wildtieren in ... mehr lesen
TIR-Themenflyer «Keine Wildtiere im Zirkus».
Frauenrechtlerin Ada Wright in London, 1910: Alles könnte anders sein, aber nichts ändert sich.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Obama in Hanoi mit der Präsidentin der Nationalversammlung, Nguyen Thi Kim Ngan auf einer Besichtigungstour: Willkommenes Gegengewicht zu China.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Recep Tayyp Erdogan: Liefert Anstoss, Strafgesetzbücher zu entschlacken.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Fr Sa
Zürich -1°C 5°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer wolkig, aber kaum Regen
Basel 1°C 6°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen -2°C 5°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer Schneeregenschauer
Bern -1°C 4°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen Schneeregenschauer
Luzern 0°C 6°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Genf 1°C 4°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen wolkig, aber kaum Regen
Lugano 3°C 5°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen trüb und nass
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten