Matthias Simmen zu seinem historischen Exploit
publiziert: Samstag, 9. Dez 2006 / 00:02 Uhr / aktualisiert: Samstag, 9. Dez 2006 / 08:39 Uhr

Mit Rang 3 im Sprint sorgte Matthias Simmen gestern in Hochfilzen (Ö) für den ersten Schweizer Podestplatz im Biathlon-Weltcup.

Michael Greis (GER), Ole Einar Bjoerndalen (NOR) und Matthias Simmen (SUI) bei der Siegerehrung.
Michael Greis (GER), Ole Einar Bjoerndalen (NOR) und Matthias Simmen (SUI) bei der Siegerehrung.
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Für den 34-jährigen Urner war der historische Exploit kein Grund, die Bodenhaftung zu verlieren.

Matthias Simmen, sind Sie sich schon bewusst, dass Sie soeben Schweizer Biathlon-Geschichte geschrieben haben?

Matthias Simmen: «Das ist für mich weder entscheidend noch bedeutet es mir wahnsinnig viel. Solche Aspekte geraten manchmal auch schnell wieder in Vergessenheit. In erster Linie ist dieser 3. Platz nicht historisch, sondern einfach ein super Resultat. Schön für mich, schön für das ganze Team.»

Sie verdanken den Podestplatz primär einer exzellenten Laufleistung. Wie erklären Sie sich, dass mit Ole Einar Björndalen nur ein Athlet schneller war, der zuletzt sogar im Langlauf-Weltcup alle hinter sich gelassen hatte?

«Dafür gibt es eigentlich keine Erklärung. Genauso wie es manchmal keine Erklärung gibt, wenn es überhaupt nicht läuft. Ich fühle mich schon seit rund anderthalb Monaten hervorragend in Form. Jetzt ist noch die Konstellation mit dem Material hinzugekommen. Es gibt wohl einfach Tage, an denen alles perfekt ist.»

Warum sagten Sie vor dem Weltcup-Auftakt, noch nicht so recht in Form zu sein? War alles nur Understatement?

«Ich bin eben vorsichtig geworden. Grosse Sprüche wären fehl am Platz gewesen. Im Biathlon liegen Erfolg und Misserfolg speziell nahe beieinander, manchmal könnte man statt 3. ebenso gut 90. sein -- und umgekehrt. Ich habe aber immer gewusst, was ich kann und dass es weit nach vorne reichen kann, wenn es im Schiessstand klappt. Doch dieser Podestplatz ist sicher ein Ausrutscher nach oben. Ich weiss das Resultat schon einzuordnen und bin mir bewusst, dass es nicht so weitergehen wird. Und trotzdem habe ich jetzt natürlich Lunte gerochen.»

Die hohen Temperaturen und der entsprechend weiche Schnee kamen ja eigentlich weder Ihnen noch Ihrem Ausrüster entgegen.

«Als 86 kg schwerer Brocken muss man bei 15 Grad im Normalfall nicht viel wollen. Ich stellte mich darauf ein und versuchte, die Sache locker zu nehmen. Ich merkte schon in der ersten Runde, dass ich super Material an den Füssen hatte. Als mir dann gesagt wurde, ich wäre zwei Sekunden schneller als Björndalen, war ich ziemlich perplex. Nach den zwei Fehlern im Liegend-Schiessen sagte ich zu mir: ´Jetzt musst du nur schon schauen, dass du dich für die Verfolgung (der besten 60) qualifizierst.´ Als ich dann zum Stehend-Schiessen kam, riskierte ich alles. Ob 30. oder 50. oder 60. -- ist doch alles einerlei, lautete meine Devise.»

Nach den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City (Ränge 67 und 78) wurden Sie als Olympia-Tourist verspottet. Spüren Sie deshalb eine spezielle Genugtuung?

«Dieser 3. Platz ist Balsam für meine Seele. Wir Biathleten werden in der Schweiz ziemlich stiefmütterlich behandelt. Ich hoffe, dass jetzt alle Skeptiker und Kritiker eines Besseren belehrt worden sind. Nicht nur von mir, auch von Simon Hallenbarter (gestern 19.).»

Der Deutsche Manfred Geyer, 1976 Olympia-Medaillengewinner, ist jetzt im dritten Winter Schweizer Weltcup-Trainer. Was hat sich unter seiner Führung im Schweizer Biathlonsport verändert?

«Geyer hat eine gewisse Biathlon-Kultur in die Schweiz gebracht, die so nicht vorhanden war. Der Trainer ist einer von vielen Bausteinen. Es hat sich in den letzten Jahren unter Disziplinenchef Markus Regli vieles zum Guten gewendet -- die Führung, die finanzielle Situation, der Materialbereich. Jetzt sind wir für die Anstrengungen belohnt worden.»

(Interview: Philipp Bärtsch/Si)

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