McCain nimmt Nominierung an
publiziert: Freitag, 5. Sep 2008 / 07:49 Uhr

St. Paul - Zum Abschluss des Wahlparteitags der US-Republikaner hat sich Präsidentschaftskandidat John McCain als kampferprobter Reformer für einen politischen Neubeginn empfohlen. «Der Wechsel wird kommen», sagte der 72-jährige McCain in der Schlussrede.

John McCain versuchte sich in seiner Rede von George W. Bush abzugrenzen.
John McCain versuchte sich in seiner Rede von George W. Bush abzugrenzen.
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Zu Beginn seiner Ansprache in St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota akzeptierte der Senator aus Arizona vor begeisterten Anhänger die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei. «Ich nehme mit Dankbarkeit, Demut und Zuversicht an», sagte McCain.

Warnung an «Washington»

Der Kandidat präsentierte sich in seiner Rede trotz seiner mehr als 20-jährigen Zugehörigkeit zum Senat in Washington als Aussenseiter, der mit Parteiengezänk und Filzskandalen Schluss machen werde. Die derzeitige Politik in Washington bezeichnete er als «alt, verschwenderisch, untätig, eigennützig».

Dies sei als «Vorwarnung an die Washingtoner Meute» zu verstehen, sagte McCain. Damit versuchte sich der Senator demonstrativ vom unpopulären republikanischen US-Präsidenten George W. Bush abzugrenzen.

Keine Parteipolitik

McCain versprach politische Sacharbeit über Parteigrenzen hinweg. «Ich werde die Hand von jedem ergreifen, der mir hilft dieses Land voranzubringen», sagte McCain. Auch in der Vergangenheit habe er immer wieder mit Vertretern anderer Parteien zusammengearbeitet.

Er habe seine Fähigkeit zur Zusammenarbeit längst unter Beweis gestellt. «Senator Obama hat das nicht getan», fügte McCain mit Blick auf seinen Gegenkandidaten hinzu.

Im Gegensatz zu Barack Obama habe er die Erfahrungen und die Narben, die seine Reife für die US-Präsidentschaft bewiesen, sagte McCain in Anspielung auf seine mehrjährige Kriegsgefangenschaft in Vietnam.

«Ich verliebte mich in mein Land, als ich ein Gefangener war. Ich liebte es, weil es nicht nur ein Ort war, sondern eine Idee, die es wert war, für sie zu kämpfen.»

Nach diesem Erlebnis sei er nicht mehr derselbe gewesen, führte McCain fort. Vor der Rede hatte bereits ein kurzer Film an McCains Zeit als US-Soldat erinnert. McCain warb auch für seine 44-jährige Vizekandidatin Sarah Palin, die bereits am Mittwoch mit einer kämpferischen Rede die konservative Basis der Partei hinter sich gebracht hatte.

Bei einem Wahlsieg wäre McCain der älteste Präsident der US-Geschichte, der neu ins Weisse Haus einzieht. Palin wäre die erste Vizepräsidentin des Landes.

Warnung an Moskau

Auch auf aussenpolitische Themen ging McCain ein. Er versprach, sich im Falle seines Wahlsiegs für gute Beziehungen zu Russland einzusetzen. Gleichzeitig drohte er mit Blick auf den russischen Militäreinsatz in Georgien, Washington werde im Falle eines Angriffs nicht «blind» sein.

Mehrere Gegner des US-Militäreinsatzes im Irak störten McCains Rede wenige Minuten nach ihrem Beginn. Sie wurden kurz darauf aus dem Saal gebracht.

Ideenlosigkeit

Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Obama warf den Republikanern kurz vor Abschluss ihres Wahlparteitags Ideenlosigkeit vor. «Sie haben kein Programm anzubieten», sagte der 47-jährige Obama im US-Bundesstaat Pennsylvania.

Im Verlauf ihres Parteitags hätten die Republikaner «keine einzige konkrete Idee vorgestellt, wie sie das Leben der Mittelklasse in Amerika besser machen wollen», kritisierte er. «Sie haben zwei ganze Abende damit verbracht, mich zu attackieren oder John McCains Lebengeschichte hervorzuheben.»

(fest/sda)

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