Meeresdüngung bringt CO2 auf den Meeresgrund
publiziert: Mittwoch, 18. Jul 2012 / 23:43 Uhr
Der Kohlenstoff aus Eisen-gedüngten Algenblüten sinkt in die Tiefsee.
Der Kohlenstoff aus Eisen-gedüngten Algenblüten sinkt in die Tiefsee.

Bremerhaven - Die umstrittene Technik, den Ozean mit Eisen zu düngen, um das Klimagas Kohlendioxid am Meeresboden abzulagern, funktioniert. Dies berichtet ein internationales Forscherteam am Donnerstag im Fachblatt «Nature». Dennoch taugt sie nach Ansicht Schweizer Forscher nicht als technische Waffe gegen den Klimawandel.

Wir unterstützen Sie bei der Entwicklung Ihrer Klimastrategie und zeichnen Sie mit dem SwissClimate CO2e-Label aus.
«Geben Sie mir einen halb mit Eisen gefüllten Tanker, und Sie bekommen von mir eine Eiszeit», hat der US-Meeresforscher John Martin vor über 20 Jahren im Scherz gesagt. Als erster brachte er damit die Idee ins Spiel, dass die Düngung des Meeres mit Eisen eine Algenblüte hervorrufen könnte.

Mit ihrem Absterben würde das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) in den Tiefen des Ozeans versenkt, die Atmosphäre würde sich abkühlen. Nun zeigt ein grosser Feldversuch, dass zumindest die ersten beiden Schritte davon funktionieren.

Im Rahmen des European Iron Fertilization Experiment (EIFEX) hatten Forscher im Jahr 2004 sieben Tonnen gelöstes Eisensulfat im Südpolarmeer ausgebracht. In vielen Teilen der Ozeane begrenzt ein spärlicher Eisengehalt das Wachstum von Algen.

Um ein einigermassen abgeschlossenes System für den Versuch zu haben, wählten die Wissenschaftler einen stabilen Ozeanwirbel aus, der kaum Wasser mit der Umgebung austauscht.

Biomasse sank in 1000 Meter Tiefe

Es kam zu einer Algenblüte, die deutlich grösser war als bei allen früheren Eisendüngungs-Versuchen, berichten die Forscher um Victor Smetacek vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Mindestens die Hälfte der dabei gebildeten Biomasse sei anschliessend bis in tausend Meter Tiefe abgesunken. Dort wird der Kohlenstoff laut der Forscher für Jahrhunderte gespeichert.

Die Resultate zeigten auf, dass auch der zweite Schritt der Eisendüngung funktioniert, erklärte der Umweltphysiker Nicolas Gruber von der ETH Zürich - nämlich dass der Kohlenstoff aus Eisen-gedüngten Algenblüten tatsächlich in die Tiefsee sinkt.

Verklumpte Kieselalgen sinken zum Meeresgrund

Im Unterschied zu früheren Versuchen blühten in diesem Fall vor allem Kieselalgen auf, erklärte der beteiligte Geologe Oliver Sachs, der heute beim Geologiebüro Eberhard & Partner in Aarau arbeitet. Diese Algen besitzen nadelähnliche Fortsätze, an denen sie sich verklumpen und somit nach dem Absterben relativ rasch in die Tiefe sinken.

Ein deutsch-indischer Düngungs-Versuch im Jahr 2009 hatte andere, weniger stachelige Algen aktiviert. Sie wurden von Krebschen gefressen, wodurch der gebundene Kohlenstoff wieder in die Luft zurück gelangte. «Der Erfolg der Eisendüngung hängt davon ab, welche Algen durch das Eisen angeregt werden», ist darum Sachs' Fazit.

Trotz des Forschungserfolgs taugt die Eisendüngung nach Ansicht von Gruber nicht als technische Massnahme gegen den Klimawandel. «Dazu müsste man auch zeigen, dass tatsächlich zusätzliches CO2 aus der Atmosphäre aufgenommen wird.» Dies sei der dritte Schritt zu einer erfolgreichen Eisendüngung.

Unerwünschte Nebenwirkungen

Hingegen könnte der Eingriff unerwünschte, gar verheerende Nebenwirkungen im Ökosystem haben. Wenn Bakterien im Meer das absinkende organische Material abbauen, verbrauche das Sauerstoff, der wiederum höheren Organismen im Meer wie Fischen fehle, sagt Gruber. Im Extremfall könne sich dabei sogar Lachgas bilden, das als Treibhausgas über 200-mal stärker wirkt als CO2.

Die ETH-Forscher hatten in einer Studie von 2003 aufgezeigt, dass Eisendüngung zu so starker Lachgas-Bildung führen kann, dass der Nutzen der CO2-Aufnahme mehr als wettgemacht werde. «Am Schluss wärmt man die Erde sogar noch mehr auf», sagte Gruber.

(bg/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Umwelt- und Trinkwasseranalysen, Produktesicherheit
Elektrosmog Messung und Lösungen
Josef Peter
Steinacherstrasse 4
8308 Illnau
Wir unterstützen Sie bei der Entwicklung Ihrer Klimastrategie und zeichnen Sie mit dem SwissClimate CO2e-Label aus.
Natürliches Leitungswasser dank dem Kalklöser.
Natürliches Leitungswasser dank dem Kalklöser.
Intelligenter Wasserwirbler schont Umwelt  Dresden - Kalkrückstände im Leitungswasser und im Waschbecken müssen nicht sein. 
Klima  New York - Der September 2014 ist der wärmste seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen ...  
Der bislang wärmste September in der nördlichen Hemisphäre war 2005 gemessen worden.
Sämtliche Jahre seit der Jahrtausendwende rangieren unter den 15 wärmsten seit 1880 gemessenen Jahren.
Heissester August seit Mess-Beginn Washington - Der vergangene Monat war der US-Behörde für Wetter- und Meeresforschung (NOAA) zufolge der heisseste August seit Beginn der ...
Heiss wie nie: Weltweit wärmster Monat Juni seit 1880 Washington - Den zweiten Monat in Folge hat es einen weltweiten Temperaturrekord gegeben. Die ...
Jeder Monat des Jahres 2014 zählt jeweils zu den vier wärmsten Monaten überhaupt.
Hat wieder zugeschagen: Der Wolf.
Wolf im Oberwallis  Sitten - Im Oberwallis könnte innerhalb einer Woche möglicherweise erneut ein Schaf nahe ...  
Titel Forum Teaser
  • tigerkralle aus Winznau 98
    Ecopop löst keine Probleme Frau Sommaruga , Ecopop löst sicher nicht alle Problehme , aber Sie ... Di, 14.10.14 13:04
  • christianfrey aus Luzern 1
    Wenn wir etwas ändern können - dann im Ausland Bei der Energieintensität des Bruttoinlandproduktes (BIP) belegt die ... Mi, 08.10.14 12:36
  • Kassandra aus Frauenfeld 1020
    Keine Angst um die Natur! Jährlich steigt die Zahl der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben ... Mi, 01.10.14 20:19
  • LinusLuchs aus Basel 37
    Neoliberaler Tunnelblick „Denn die Natur ist zuverlässig, nicht das Geld“, sagte Aristoteles vor ... Di, 30.09.14 11:18
  • tigerkralle aus Winznau 98
    Leuthard Ja Leuthard soll Schutzpatronin werden , Leuthard will 100 Millionen ... Mo, 29.09.14 11:25
  • kubra aus Port Arthur 3177
    Ja dann Sind wir doch froh, dass unsere AKWs auf dem bestmöglichsten Stand ... Do, 25.09.14 10:31
  • Menschenrechte aus Bern 112
    Klimafond Das ich nicht lache, wohin das Geld geht wissen u terdessen schon viel ... Do, 25.09.14 00:38
  • tigerkralle aus Winznau 98
    100 Millionen Setzt die in der Schweiz ein , das ist sinnvoller Frau Leuthard !!!! ... Mi, 24.09.14 12:17
Klaus Ragaller - Autor des Artikels.
ETH-Zukunftsblog Wegmarken für den Mitigations-Marathon «Greasing the wheels of change» nannte Anthony Patt ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
DO FR SA SO MO DI
Zürich 1°C 2°C bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen
Basel 2°C 4°C bewölkt, wenig Schneefall leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
St.Gallen 3°C 4°C bedeckt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen
Bern 5°C 8°C bewölkt, Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Luzern 5°C 8°C bedeckt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen
Genf 7°C 10°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Lugano 12°C 17°C sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos
mehr Wetter von über 6000 Orten