Mega-Prozess: Strafen gegen Mafiosi bestätigt
publiziert: Donnerstag, 19. Jun 2008 / 16:16 Uhr

Neapel - Trotz massiver Einschüchterungsversuche hat ein Schwurgericht in Neapel am Donnerstag die Haftstrafen gegen mehrere Mitglieder der neapolitanischen Camorra bestätigt.

Ein Richter wurde im Gerichtssaal offen bedroht.
Ein Richter wurde im Gerichtssaal offen bedroht.
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Mit 16 lebenslänglichen Gefängnisstrafen entsprachen die zwei Richter und sechs Geschworenen den Forderungen der Staatsanwaltschaft.

Der «Spartacus»-Prozess war einer der grössten Mafia-Prozesse der Geschichte Italiens. Fünf Zeugen oder deren Verwandte wurden im Laufe des Verfahrens ermordet, ein Richter wurde im Gerichtssaal offen bedroht.

Prominentester Angeklagter war der Chef des Casalesi-Clans, Francesco «Sandokan» Schiavone, der seit 1998 in einem Hochsicherheitsgefängnis sitzt. Die lebenslängliche Haft gegen den 55-Jährigen wegen zahlreicher Morde wurde genauso bestätigt wie gegen die führenden Casalesi-Chefs Francesco Bidognetti, Michele Zagaria und Antonio Iovine.

Die beiden letzteren leben im Untergrund. Zwei Angeklagte verfolgten die Urteilsverkündung in Stahlkäfigen im Gerichtssaal, in dem höchste Sicherheitsvorkehrungen herrschten. Die anderen konnten das Urteil per Video-Konferenz aus ihrer Zelle verfolgen.

«Strategie der Angst»

Das Berufungsverfahren betraf 36 Angeklagte, im ersten Prozess waren 2005 insgesamt 95 Mafiosi zu mehr als 700 Jahren Haft verurteilt worden. Mehr als 500 Zeugen sagten in dem Verfahren aus. Sie risikierten oftmals ihr Leben. Der «Spartacus»-Prozess kam aufgrund der Aussagen von rund 20 Mafia-Aussteigern zustande.

Der Clan werde seine Drohungen nicht aufgeben, sagte der frühere Senator und Mitglied des Antimafia-Ausschusses, Lorenzo Diana, der Nachrichtenagentur AFP. Es sei eine «Strategie der Angst», mit der mögliche weitere «reuige» Mafiosi und andere Zeugen davon abgehalten werden sollen, mit der Justiz zusammenzuarbeiten.

«Sieg der Justiz»

«Der Clan hat Angst», hatte dennoch der Buchautor und Camorra-Experte Roberto Saviano am Mittwoch in der Zeitung «La Repubblica» geschrieben. Saviano lebt seit zwei Jahren unter Polizeischutz.

Er war bei der Urteilsverkündung am Donnerstag zugegen, «um zu zeigen, dass ich mich nicht fürchte», wie er sagte. Saviano bezeichnete das Urteil als «Sieg der Justiz» und forderte seine Landsleute auf, im Kampf gegen das organisierte Verbrechen nicht nachzulassen.

Der erste grosse Mafia-Prozess in Italien begann im Jahr 1986 unter der Leitung der Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino. Beide wurden 1992 ermordet.

(ht/sda)

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