Was braucht die NLA, um die spielerische Klasse zu steigern, Tempo und Härte zu entwickeln und junge Spieler mehr zu fordern? Eine mögliche Antwort: Zwei Ausländer mehr pro Team.
Liegt die Wahrheit dazwischen? Ist die NLA tatsächlich ein Pfuhl von talentierten und gut geschulten, aber auch verwöhnten und verweichlichten Hockey-Artisten?
Tatsache bleibt, dass die NLA sich die Auszeichnung "zweitbeste Liga der Welt" noch keinesfalls verdient hat. Dazu fehlt, mit Verlaub, ganz einfach die Faktoren Tempo und Kampfkraft, welchen beispielsweise in Skandinavien mehr Rechnung getragen wird.
Die Schweizer Spreu vom Weizen trennen
Wie aber, kann man in der Schweiz diesen "Etat d’ ésprit" zum Positiven verändern und aus verhätschelten Schweizern kämpferische Eidgenossen formen, damit die Liga an Durchschlagskraft und Qualität gewinnt?
Wie kurbelt man den Konkurrenzkampf noch weiter an? Die Lösung wäre möglicherweise nebst einer kleineren Liga mit zehn oder maximal zwölf Mannschaften eine leise Aufstockung des Ausländeranteils auf fünf Söldner pro Team. Dies könnte den Konkurrenzkampf unter den Schweizern schüren. Mit der unmittelbaren Folge einer Leistungssteigerung von vielen Schweizer Talenten und NLA-Stammspielern, welche keine Stammplatzgarantie mehr haben würden.
Ganz anderer Meinung sind dagegen einige Schweizer Coaches. Zum Beispiel Klotens Trainer Vladimir Jursinow, der die Gefahr einer neuen Ausländerregelung anders definiert: "Die Qualität der NLA könnte durchaus besser werden."
"Doch das müssen nicht die Ausländer bewerkstelligen, sondern die Schweizer! Schliesslich haben wir - seien wir ehrlich - bei gewissen Teams schon heute mehr als drei Ausländer. Man denke beispielsweise an die vielen Kanada-Schweizer. Der SC Bern beispielsweise hat Christian Dubé und damit quasi einen vierten Ausländer! Fünf Ausländer wären sportlich nicht mehr tragbar!"
Bei anderen Schweizer Eishockey-Experten hört es sich ganz anderes an. Ueli Schwarz – am Donnerstag als HC Lausanne Sportchef zurückgetreten – würde einen vierten und fünften Ausländer durchaus begrüssen: "Fünf Ausländer bieten besseren Sport und garantieren, dass sich bei den Klubs die Spreu vom Weizen trennt.
"Gutstrukturierte Klubs können sich zudem fünf Ausländer leisten! Wenn unbedingt 13 oder gar 14 NLA-Teams in der NLA sein müssen, wären fünf Ausländer wichtig, damit die Qualität der NLA nicht allzu sehr verwässert wird. Ich würde den intensiveren Konkurrenzkampf innerhalb der Schweizer Spieler die Stammplätze begrüssen!"
Ähnlich sieht es Simon Schenk (ZSC Lions), wenn auch weniger euphorisch: "Die Qualität würde steigen! Eine 10er-Liga mit drei Ausländern wäre aber sinnvoller und weniger aufgeblasen. Man muss sich aber auch bewusst sein: Die Ausländer sind das Salz in der NLA-Suppe!"
Verstärkung der NLA-Teams
Vieldiskutiert wurde in den letzten Monaten die Gefahr der Stagnation der Junioren-Nationalspieler und talentierten "NLA-Greenhorns" aufgrund der Verhätschelung und einer fehlenden Konkurrenz im eigenen Verein.
Die Stammplatzgarantie in der NLA sei zu einfach zu erreichen, steht als Vorwurf im Raume. Die Folge: Starke Junioren, welche im Alter von 20 Jahren noch zur Weltspitze ihres Jahrgangs gehören, stagnieren in den wichtigen Folgejahren. Als Nationalspieler machen sie dann oftmals die bittere Erfahrung, nicht auf dem erwünschten Niveau zu sein.
Trotz des Gegenbeweises mit den sieben jungen Neulingen im Nationalmannschaftskader der WM 2003 und deren guter Leistung, bleibt über die letzten drei bis vier Jahre diese Beobachtung haften.
Vladimir Jursinow: "Ein Spieler kann sich am Saisonende an der WM nur dann wirklich entfalten, wenn er während der NLA-Saison an jedem NLA-Spiel viel Verantwortung übernehmen konnte und auch in heiklen Situationen aufs Eis durfte. Bei fünf Ausländern würden in solchen Situationen viele Trainer nur noch die Ausländer forcieren. Das wäre der Tod der erfreulichen Entwicklung der Nationalmannschaft!"
DEL: positives Beispiel
In Deutschland hat man nach der Extremlösung in der DEL vor einigen Jahren die Notbremse gezogen und scheint ein funktionierendes System gefunden zu haben: Die jungen Deutschen Nachwuchsspieler lernten, sich gegen eine sehr starke Konkurrenz durchzusetzen.
Die Breite an Kaderspielern ist grösser geworden, genauso wie das Reservoir an zukünftigen Nationalspielern. Simon Schenk gibt zu bedenken: "Die Top 30 Skorer der NLA wären im Falle einer Ausweitung des Ausländeranteils alles Söldner. Dies wäre eine gefährliche Entfremdung für unser Eishockey."
Das Gegenbeispiel DEL zeigt jedoch, dass unter den Top 30-Skorern auch eine Vielzahl deutscher Topskorer sich befinden. Dies wäre in der Schweiz bei zunehmender Konkurrenz langfristig eventuell auch der Fall.
Marc Lüthi entgegnet: „Die Erfahrung zeigt aber, dass die kleinen Klubs trotz finanziellem Höchstrisiko fünf gute Ausländer verpflichten und phasenweise Spiele mit fast nur zwei Blocks durchspielen würden. Die Schweizer wären die Leidtragenden!“
Was sagen die Spieler?
Schwierig wäre die Situation für mindestens zwei bis drei Dutzend Schweizer NLA-Spieler, welche einen garantierten Stammplatz verlieren oder sich einer grösseren Konkurrenz im Kampf um diesen gegenüber sehen würden.
Erstaunlich sind beispielsweise die Aussagen des NHL-Draftpicks Tim Ramholt (ZSC Lions/Calgary Flames), einem der jungen Stars, welcher betroffen sein könnte: "Ich denke, dass die Schweizer Spieler von einem höheren NLA-Niveau profitieren könnten. Das gilt natürlich auch für die U18-, U20- und A-Nati-Spieler."
"Sie könnten den Rhythmus wohl auch auf die internationale Ebene rüberbringen. Mit mehr Mannschaften wären für die wirklich hungrigen und heissen Talente noch immer genügend Plätze vorhanden. Es wäre eine Herausforderung für die Jungen. Wer wirklich will, wird es trotz fünf Ausländern zum Stammplatz bringen!“
Wäre demnach die Regelung mit fünf Ausländern ein Versuch wert? Ueli Schwarz: "Eigentlich schon. Aber der Versuch mit fünf Ausländern sollte auf ein Jahr beschränkt sein. Ein darauf folgendes Fazit würde entscheiden, ob dieser als gelungen bezeichnet werden kann oder nicht." Für die NLB entstünde jedoch gemäss Schwarz ein Problem: "Viele gute Spieler müssten in die NLB und würden den NLB-Trend in Richtung Ausbildungsliga stoppen und damit die NLB noch mehr verzetteln, als sie dies heute schon ist!"
Schaut man den Tatsachen ins Auge, stellt man fest, dass ein grösserer Konkurrenzkampf unter den Schweizer Spielern dem Niveau der NLA nur gut tun kann. Selbstgefälligkeit und zu grosse Sicherheit haben noch keinem Sportler zu besserer Leistung verholfen.
Gleichzeitig scheinen aber die Argumente für eine Beibehaltung der aktuellen Dreier-Regel für Ausländerkontingente ebenfalls stark zu sein und eine breite Lobby zu geniessen.
Der Konkurrenzkampf muss sich auch ohne Druck von Aussen durch neue Regelungen entwickeln können.
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