Viele Angestellte durch berufliche Telefonate in Freizeit gestresst
Mehr Stress durch ständige Erreichbarkeit
publiziert: Dienstag, 5. Jun 2012 / 16:50 Uhr
Ständige Erreichbarkeit geht auf die Nerven.
Ständige Erreichbarkeit geht auf die Nerven.

Zürich - Die ständige Erreichbarkeit durch Handys, Tabletcomputer oder soziale Medien steigert den Stress: Ein Drittel der Angestellten empfinden es als Belastung, wenn sie in ihrer Freizeit durch Chefs, Berufskollegen oder Kunden angerufen werden.

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Gut ein Fünftel fühlt sich durch berufliche SMS gestört, 14 Prozent durch Geschäfts-Emails, wie aus einer Online-Umfrage der Swisscom in Zusammenarbeit mit «20 Minuten» bei rund 900 Befragten hervorgeht, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

57 Prozent der befragten Erwerbstätigen sind oft in ihrer Freizeit erreichbar, rund die Hälfte an Wochenenden oder Feiertagen. 37 Prozent nehmen auch in ihren Ferien das Handy ab, beantworten berufliche Emails oder SMS. Nur ein Viertel ist überhaupt nicht im Urlaub erreichbar.

Arbeit in Ferien sehr unerwünscht

In den Ferien werden Störungen aus Berufsgründen von fast drei Vierteln der Befragten am unerwünschtesten empfunden. An Feiertagen und Wochenende fühlen sich rund 55 Prozent der Angestellten durch Firmentelefonate, -mails oder -SMS belästigt.

Als wichtigsten Grund für Erreichbarkeit ausserhalb der Arbeitszeit nennen die Befragten die Verantwortung gegenüber Arbeitskollegen (57 Prozent) und Kunden (32 Prozent). 18 Prozent antworteten gar, dass es bei ihrem Arbeitgeber normal sei, immer erreichbar zu sein.

Am störendsten werden berufliche Anrufe ausserhalb der Arbeitszeit während dem Sex oder Kuscheln empfunden (60 Prozent). Die Hälfte der Befragten fühlt sich auf der Toilette belästigt, je 37 Prozent beim Mittag- oder Abendessen sowie beim abendlichen Ausgang.

Stress gestiegen

Der Stress habe mit den zunehmenden technischen Möglichkeiten zugenommen, sagte Miriam Nido vom Institut für Arbeitsforschung und Organisationsberatung (Iafob) bei der Präsentation der Umfrage vor den Medien in Zürich. Die Arbeit schwappe durch die ständige Erreichbarkeit ins Privatleben über.

Hier gelte es eine Balance zu finden. 12 Prozent der Befragten hätten Mühe, ihre Arbeitszeiten mit ihren Verpflichtung gegenüber Familie und Freunden zu vereinbaren.

Dominik Egloff vom Iafob machte auch die Arbeitgeber verantwortlich: Technische Neuerungen würden von der IT eingeführt. «Das heisst aber nicht, dass sie sinnvoll genutzt werden.»

Zwar könne man dann mit den Alleskönnerhandys jederzeit und überall Emails abrufen. «Die Frage ist aber, ob das vom Unternehmen erwartet wird», sagte Egloff. Hier seien die Unternehmen in der Verantwortung, die Pflichten der Angestellten zu definieren.

(fest/sda)

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