Proteste schreiten aus
Mehr als 260 Festnahmen in Tunesien nach sozialen Unruhen
publiziert: Samstag, 23. Jan 2016 / 19:31 Uhr

Tunis - Nach den schwersten sozialen Unruhen in Tunesien seit dem Ausbruch des arabischen Aufstands vor fünf Jahren haben Sicherheitskräfte mehr als 260 Menschen festgenommen. Sie sollen in Akte von Vandalismus und Gewalt verwickelt gewesen sein.

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Dies berichtete der lokale Radiosender Shems FM am Samstag unter Berufung auf einen Sprecher des tunesischen Innenministeriums. Trotz einer nächtlichen Ausgangssperre habe es am Abend zuvor in einigen Regionen Zusammenstösse gegeben. Am späteren Abend sei Ruhe eingekehrt. Die Situation in den meisten Städten war am Samstag deutlich ruhiger.

Die teilweise gewaltsamen Proteste gegen die schlechte wirtschaftliche Lage und hohe Arbeitslosigkeit hatten vor einer Woche in Kassérine im Westen des Landes begonnen. Sie dehnten sich in der Nacht zum Freitag auf mehrere Regionen des nordafrikanischen Landes aus. Demonstranten griffen nach Behördenangaben in mehreren Städten Posten der Polizei an und setzten deren Wagen in Brand.

Ministerpräsident ruft zu Geduld auf

Ministerpräsident Habib Essid sagte am Samstag nach einer Sondersitzung des Kabinetts, das Land stehe vor grossen Herausforderungen. Seine Regierung arbeite daran, ihnen zu begegnen.

Essid rief seine Landsleute zu «Geduld» auf. Die Menschen müssten «Verständnis für die Schwierigkeiten» haben, mahnte Essid. Trotz der Gefahr einer weiteren Verschärfung der Spannungen kündigte der Ministerpräsident keine neuen Massnahmen gegen die hohe Arbeitslosigkeit und die verbreitete Korruption an.

«Es gibt Lösungen, doch braucht es ein wenig Geduld und Optimismus», sagte Essid in seiner Ansprache nach der Kabinettssitzung. Bereits am Vortag hatte er gemahnt, er habe keinen «Zauberstab», um allen zugleich Arbeit zu verschaffen.

Neue Versprechungen

Er hob zudem die sicherheitspolitischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen hervor und versprach, das Kabinett werde weiter die Situation im Land studieren. Das Land sei «in Gefahr, trotz der positiven Dinge, die wir erreicht haben, besonders im Hinblick auf den demokratischen Übergang», mahnte Essid.

Präsident Béji Caïd Essebsi hatte zuvor fremde Kräfte für das Chaos verantwortlich gemacht. Einflüsse von aussen gefährdeten Sicherheit und Stabilität. Tunesien ist einzige arabische Land, dass nach den Aufständen den Übergang in die Demokratie geschafft hat.

 

(pep/sda)

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