Gewalt in Kabul
Mehrere Tote bei Protesten gegen Koran-Verbrennung
publiziert: Mittwoch, 22. Feb 2012 / 09:43 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 22. Feb 2012 / 21:16 Uhr
ISAF-Soldaten sollen im «angemessenen» Umgang mit religiösem Material geschult werden.
ISAF-Soldaten sollen im «angemessenen» Umgang mit religiösem Material geschult werden.

Kabul - Bei Protesten gegen die Verbrennung von Koran-Ausgaben auf dem US-Stützpunkt Bagram in Afghanistan sind am Mittwoch mehrere Demonstranten ums Leben gekommen. Das Innenministerium meldete mindestens sieben Tote und 30 Verletzte.

6 Meldungen im Zusammenhang
Allein in der Provinz Parwan kamen demnach bei Zusammenstössen mit der Polizei vier Menschen ums Leben. Die Provinzregierung sprach hingegen von sechs Todesopfern.

Vor einem Wohnkomplex von Ausländern in der Hauptstadt Kabul skandierten hunderte Menschen «Tod für Amerika» und - an die Adresse von Präsident Hamid Karsai - «Sterbe, Karsai». Nach Angaben der Polizei setzten wütende Demonstranten Fahrzeuge in Brand und griffen Geschäfte an. Ein Protest-Teilnehmer erlag seinen Schussverletzungen.

In der ostafghanischen Provinz Logar und in der Stadt Dschalalabad kam nach offiziellen Angaben ebenfalls je ein Demonstrant ums Leben. Die Demonstranten in Dschalalabad zündeten gemäss der Provinzregierung sechs Tanklastwagen an. Wütende Reaktionen gab es auch im afghanischen Parlament, wo aufgebrachte Abgeordnete «Tod Amerika» riefen.

Kabuls Polizeisprecher Haschmat Staniksai sagte, bei Protesten an verschiedenen Orten in der Hauptstadt hätten «Opportunisten» die Demonstrationen infiltriert. Diese hätten Geschäfte angegriffen und «Privatbesitz und einige Fahrzeuge» zerstört.

Die Polizeipräsenz sei verstärkt worden und versuche, die Demonstranten davon abzuhalten, in die Innenstadt vorzudringen, sagte der Sprecher. Die amerikanische Botschaft, die UNO und internationale Hilfsorganisationen stoppten alle Bewegungen ihrer Mitarbeiter in Kabul bis auf weiteres.

Die Taliban teilten mit, sie unterstützten die Proteste. Die Aufständischen riefen alle «nationalistischen afghanischen Muslime» dazu auf, die ausländischen Truppen anzugreifen.

Koran-Ausgaben «irrtümlich» verbrannt

Bereits am Dienstag hatten tausende Afghanen den Stützpunkt Bagram attackiert, nachdem bekanntgeworden war, dass dort US-Soldaten Ausgaben des Koran verbrannt hatten. Auch in Kabul hatte es eine Demonstration gegeben.

Der Oberkommandant der NATO-geführten Afghanistantruppe ISAF, General John Allen, hatte sich am Dienstag für den «unangemessenen» Umgang mit islamischem religiösen Material, darunter Koran-Ausgaben, entschuldigt, ohne genauere Angaben zu den Vorgängen zu machen.

Am Abend räumte er dann ein, dass «irrtümlich» Ausgaben des Koran verbrannt worden waren. Nach Angaben von US-Vertretern hatte der Verdacht bestanden, dass Häftlinge in dem Gefängnis auf dem Stützpunkt sich Nachrichten in die Koran-Ausgaben geschrieben hatten.

(bg/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
1
Forum
Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Kabul - Die USA haben das umstrittene Gefängnis auf ihrem Stützpunkt Bagram bei Kabul offiziell an die afghanischen ... mehr lesen
Die «Bagram Theatre Internment Facility» war am 18. September 2009 fertiggestellt worden.
Kabul (Bild) und andere Orte in Afghanistan wurden offensichtlich Ziele von koordinierten Angriffen der Taliban.
Kabul - In Afghanistan sind am Sonntag die Hauptstadt Kabul und andere Orte des Landes Ziel einer Angriffswelle gewesen. In ... mehr lesen
Kabul - Bei einem Anschlag auf einen NATO-Stützpunkt im Norden Afghanistans ist am Sonntag ein US-amerikanischer ... mehr lesen
Demonstranten warfen Handgranaten auf einen US-Stützpunkt.
Aufstand wegen den Koranverbrennungen.
Kabul - Trotz Aufrufen zur Ruhe ist es ... mehr lesen
Kabul - Die Ausschreitungen wegen der Koranverbrennung durch US-Soldaten haben in Afghanistan am Donnerstag erneut mehrere Todesopfer gefordert. Mit einer offiziellen Entschuldigung versuchte US-Präsident Barack Obama die Wogen zu glätten. mehr lesen 
Weitere Artikel im Zusammenhang
Kabul - Berichte über Koran-Verbrennungen durch NATO-Soldaten haben in Afghanistan wütende Proteste ausgelöst. Tausende Afghanen belagerten am Dienstag den grössten US-Stützpunkt in Bagram und warfen Brandsätze. mehr lesen 
Und solche...
fanatischen Spinner reisen nach wie vor unkontrolliert in die CH ein und erhalten umgehend Sozialhilfe.
Man müsste sich direkt ärgern würde man denn noch Steuern zahlen und zuschauen müssen, wie über 1 Milliarde Franken an Steuergelder jährlich im Asylunwesen versenkt wird.
Knapp ein Drittel der Menschen starben in Syrien. (Symbolbild)
Knapp ein Drittel der Menschen starben in Syrien. (Symbolbild)
IISS Studie  London - Durch bewaffnete Konflikte sind im vergangenen Jahr nach einer Studie 167'000 Menschen weltweit ums Leben gekommen. 80 Prozent davon seien in sechs grossen Konflikten gestorben. 
Taliban bekennen sich zur Tat  Kabul - Bei einem Anschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Dienstag mindestens 30 Menschen getötet worden. Mehr als 300 Menschen wurden verletzt, viele lebensgefährlich. Ziel der Attacke, zu der sich die Taliban bekannten, waren Regierungsgebäude.  
Afghanische Taliban verkünden Frühjahrsoffensive Kabul - Die afghanischen Taliban haben den Beginn ihrer Frühjahrsoffensive verkündet. Ziel sei die ...
Auch im Winter hatten die Taliban kaum eine Kampfpause eingelegt. (Symbolbild)
Titel Forum Teaser
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3896
    Aufnahme "ob die Kommission das wirklich ernst meine, sagte der polnische ... gestern 12:53
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3896
    In... einem freiheitlichen Rechtsstaat mit starker Zivilgesellschaft wie z. ... Di, 03.05.16 20:25
  • Kassandra aus Frauenfeld 1747
    Offenbar verstehen die USA nichts vom Verhandeln, dafür mehr vom Erpressen. Die Schweiz zahlt Milliarden ... Mo, 02.05.16 10:27
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3896
    Das... Problem ist, dass man am Anfang berauscht von der eigenen Güte nicht ... Do, 28.04.16 08:45
  • HeinrichFrei aus Zürich 424
    Wer sich zum Islam bekennt, wird nach all den Terroranschlägen verdächtig Nach den Terrorattacken in Paris und in Brüssel werden Menschen die ... Do, 28.04.16 06:47
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3896
    Abkommen "Griechenland hatte am Mittwoch insgesamt 49 illegal eingereiste ... Mi, 27.04.16 13:36
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3896
    Die Türkei... ist aktive Kriegspartei in Syrien. Dort kämpfen viele "Rebellen" aus ... So, 24.04.16 09:07
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3896
    TTIP... ist das Beste was Europa passieren kann. Es braucht strenge ... Sa, 23.04.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Wettbewerb
   
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zum Release des siebten Teils der Star Wars-Serie («Das Erwachen der Macht») verlosen wir zwei DVDs.
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zur Premiere von «The First Avenger: Civil War» verlosen wir zwei Fan-Pakete mit jeweils zwei Kinoeintritten.
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 5°C 22°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Basel 7°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
St. Gallen 6°C 19°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Bern 4°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Luzern 6°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Genf 6°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Lugano 9°C 20°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen Wolkenfelder, kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten