Bis vor kurzem von Sportärzten empfohlenes «legales Doping»
Meldonium: Mit diesem Herzmittel dopte Scharapowa
publiziert: Dienstag, 8. Mrz 2016 / 19:42 Uhr
Maria Scharapowa.
Maria Scharapowa.

Nicht nur Maria Scharapowa dopte mit Meldonium. 24 Stunden nach dem Tennisstar wurden weitere positive Fälle bekannt. Erwischt wurden Weltmeister, Olympiasieger und Europameister.

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Es ist damit zu rechnen, dass in den nächsten Wochen weitere Fälle aufgedeckt werden. Denn nicht nur Maria Scharapowa nahm das Mittel seit Jahren ein. Sportärzte empfahlen jahrelang das Herzmittel als «legales Doping». Seit Jahresbeginn steht Meldonium (oder Mildronate) auf der Dopingliste der WADA (Weltdopingagentur).

Meldonium schützt das Herz, wenn es grösserer Belastung ausgesetzt ist. Auch Sportler profitieren vom Wirkstoff: Meldonium soll die Ausdauer verbessern, die Erholungszeit nach Trainingsphasen verkürzen, die Stimmung anheben und sich sogar positiv auf Lern- und Gedächtnisprozesse (kognitive Fähigkeiten) auswirken.

Warum steht Meldonium aber plötzlich auf der Dopingliste, nachdem die Arznei noch vor vier Jahren an Sportärztekonferenzen mit Begeisterung empfohlen worden ist? «In den vergangenen Jahren gab es erhebliche Fallzahlen von Meldonium-Gebrauch», so der deutsche Dopingfahnder Detlef Thieme. Deshalb habe sich die WADA gezwungen gesehen, das Mittel zu verbieten. Thieme: «Man kann bei einigen Fällen wie dem von Scharapowa davon ausgehen, dass der Sportler den Hinweis auf das anstehende Verbot vom Dezember nicht gelesen hat. Bei anderen Fällen ist es auch möglich, dass sich das Mittel lange im Körper gehalten hat.»

Maria Scharapowa lief bereits als sechste Sportlerin im neuen Jahr in die «Melodium-Falle». Vorher schon hatte es unter anderen einen durchschnittlichen Radprofi, zwei wenig bekannte Biathleten und die Eistanz-Europameisterin Jekaterina Bobrowa erwischt. Am Dienstag kamen weitere Fälle dazu. Eisschnellläufer Pawel Kulischnikow, fünfmaliger Weltmeister im Eisschnelllauf und Weltrekordhalter über 500 m, und der amtierende Shorttrack-Olympiasieger Semjon Jelistratow griffen ebenfalls zu Meldonium. Kulischnikow ist Wiederholungstäter. Von Frühling 2012 bis Frühling 2014 sass er eine zweijährige Sperre wegen der Einnahme des Präparats Methylhexanamin ab.

Insbesondere in Osteuropa war Meldonium unter Sportlern weit verbreitet. Unter den ersten sechs Meldonium-Dopingsündern waren drei Russen und zwei Ukrainer. Russlands Sportminister Witali Mutko kündigte am Dienstag weitere Fälle an, ohne allerdings Namen zu nennen. Das Sportministerium wies allerdings jede Verantwortung von sich: Die Athleten seien alle über das neue Verbot informiert worden.

(fest/Si)

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