Melligers ehemaliger Bereiter wurde Olympiasieger
publiziert: Sonntag, 1. Okt 2000 / 10:36 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 1. Okt 2000 / 12:04 Uhr

Sydney - Was für ein Final und was für Medaillengewinner in der Einzelentscheidung der Springreiter im Horsley Park: Nicht Weltmeister Rodrigo Pessoa oder einer der Schweizer oder Deutschen wurden Olympiasieger, sondern Willi Melligers ehemaliger Bereiter Jeroen Dubbeldam mit De Sjiem liess sich vor seinem holländischen Landsmann Albert Voorn mit Lando und dem sensationellen Saudi-Araber Khaled al Eid mit Khashm al Aan nach dem notwendig gewordenen Stechen die Goldmedaille umhängen.

Die Schweizer konnten die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Beat Mändli wurde an seinem 31. Geburtstag mit seinem Rheinländer Wallach Pozitano nach einem makellosen zweiten Umgang Neunter und verbesserte sich gegenüber Atlanta um zwei Ränge. Willi Melliger wurde mit Calvaro nach zwei Fehlern in der entscheidenden zweiten Runde Zehnter. Markus Fuchs verzichtete mit Tinka´s Boy nach drei Missgeschicken im ersten Umgang zur Schonung seines Hengstes auf die zweite Runde und beendete das Championat als 30.

Es war nicht der Tag der Schweizer, die drei Tage zuvor Silber im Team gewonnen und damit die primäre Zielsetzung erreicht hatten. "Pferde sind eben keine Maschinen", meinte Equipenchef Martin Walther. "So brutal kann Sport sein. Auch Pessoas Missgeschick war nicht vorauszusehen. Es tut mir auch für ihn leid."

Der Weltranglistenerste schied mit seinem Fuchs-Hengst Baloubet du Rouet, der ihn dreimal zum Weltcupsieg getragen hatte, nach drei Refus vor der Oxer-Doppelkombination des zweiten Umgangs aus. Der Brasilianer startete wie 1996 am Weltcupfinal in Genf mit Tomboy aus der Pole-Position, konnte aber seine grosse Chance nicht nutzen. Mit Olympiagold vor Augen scheiterte Pessoa bereits am ersten Hindernis und musste dann nach drei Verweigerungen eliminiert werden. "Ich habe keine Erklärung für diese Stopps. Alles ging so schnell. Daran werde ich noch einige Tage zu schlucken haben", meinte der Sonnyboy niedergeschlagen.

Dafür lachten andere. Zum Beispiel der Holländer Jeroen Dubbeldam mit seinem elfjährigen Wallach De Sjiem (auf deutsch "der Schimmel"). Der in Ootmarsum im Osten Hollands wohnende Vater eines Sohnes verbrachte sechs Jahre seiner reiterlichen Ausbildung in der Schweiz und war Bereiter bei Gerhard Etter in Müntschemier BE, Willi Melliger in Neuendorf und Manfred Birchler in Bilten GL. "Ich habe in der Schweiz viel gelernt, vor allem bei Melliger. Nicht immer war ich aber voll bei der Sache", sagte der Olympiasieger, der vor seinem unerwarteten Triumph mit De Sjiem in Sydney noch keinen Grand Prix gewonnen hatte. Vor sechs Jahren war Dubbeldam in Millstreet Europameister der Jungen Reiter geworden, 1998 war sein Holländer Schimmel das erfolgreichste Nationenpreis-Pferd.

Er hätte De Sjiem Ende 1999 für vier Millionen Franken in die USA verkaufen können, verriet Papa Luit Dubbeldam. Der Pferdehändler sah aber davon ab, weil er an eine kleine Medaillenchance seines Sohnes in Sydney glaubte. Mit Tränen in den Augen kommentierte auch Albert Voorn seinen zweiten Platz mit Lando: "Ein Traum wurde wahr. Ich glaubte, mir fehlten die Erfahrung und die mentale Stärke." Holland stellt mit Dubbeldam im Springen und Anky van Grunsven in der Dressur beide Einzel-Olympiasieger. Die Reiterwelt ist orange.

Die Sensation schlechthin schaffte aber der 31-jährige Khaled Al Eid aus Riad in Saudi-Arabien. Der bei seinem Trainer Nelson Pessoa in der Nähe von Brüssel lebende Araber verriet im Sattel Klasse und Nervenkraft. Der Sohn eines Supermarktbesitzers reitet seit seinem 13. Altersjahr und verdient sich sein Geld als Springreiter, Reitlehrer und Züchter. "Und ich habe Spitzenpferde von Kronprinz Faisal Abdullah, meinem grossen Förderer und Vorbild", erzählte Al Eid in gutem Englisch. Seit neun Monaten hat der dreifache Landesmeister das belgische Warmblut Khasm al Aan wieder in seinen Zügeln. Das Pferd bestritt mit Al Eid die Olympischen Spiele in Atlanta unter dem Namen Eastern Night und wurde dann vom Ägypter André Sakakini geritten. Der belgische Wallach ist ein Halbbruder von Ulrich Kirchhoffs Goldpferd Jus de Pomme, das kurz nach Atlanta an einer Kolik eingegangen war.

Die Schweizer konnten die spannende Entscheidung bei heftigem Wind, der mehrmals mehrere Hindernisse umwarf, nur am Rande und passiv mitverfolgen. "Calvaro war leer und hatte keine Kraftreserven mehr", meinte Willi Melliger enttäuscht, der seit drei Tagen über heftige Kopfschmerzen klagte. Mändlis Pozitano blieb in der letzten Linie des ersten Umgangs stehen. "Er glaubte am Ende des Parcours zu sein", erklärte Mändli. Und Fuchs haderte: "Zunächst hatten wir keinen Zug auf den Wassergraben, dann verlor ich nach der Triple Barre die Zügel. Alles ging schief. Ich hatte mir so viel erhofft. Unser Sport ist oft unberechenbar."

(klei/news.ch)

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