Wo bleibt das Lachen?
Menschen im Westen ab Lebensmitte unglücklicher
publiziert: Donnerstag, 6. Nov 2014 / 16:45 Uhr
«Es sieht so aus, als ob das Wohlergehen mit dem wirtschaftlichen Erfolg einhergehen würde.» (Symbolbild)
«Es sieht so aus, als ob das Wohlergehen mit dem wirtschaftlichen Erfolg einhergehen würde.» (Symbolbild)

London - Das Glücksgefühl nimmt bei Menschen im reichen Westen beim Erreichen der Lebensmitte ab, wie eine Studie des University College London herausfand. Die Lebenszufriedenheit je nach Lebensort nahm einen vorhersagbaren Verlauf.

In Ländern wie Grossbritannien oder den USA hatte die Kurve einen u-förmigen Verlauf und erreichte in der Lebensmitte einen Tiefpunkt. In Afrika waren die Werte niedrig. In Osteuropa, der früheren Sowjetunion und Lateinamerika nahm die Lebenszufriedenheit mit zunehmendem Alter ab.

Tiefpunkt zwischen 45 und 54

Die Ursachen hinter diesen Trends sind komplex. Laut dem leitenden Wissenschaftler Andrew Steptoe gibt es jedoch plausible Erklärungen und damit auch wichtige Lektionen für die Menschen. Die aktuelle Studie ist Teil einer Serie im Fachmagazin «The Lancet», die sich mit der Zunahme von chronischen Erkrankungen und den Auswirkungen eines geringeren Wohlbefindens auf die Lebensqualität älterer Menschen beschäftigt

Die Wissenschaftler werteten die Daten der Gallup World Poll für einen Zeitraum von vier Jahren aus. Mit diesen Befragungen werden mehr als 160 Länder und damit über 98 Prozent der Weltbevölkerung abgedeckt. Neben Gesundheit und Schmerzen wurden die Lebenszufriedenheit, Gefühle wie Glück, Trauer und Wut sowie Beurteilungen über den Sinn und die Bedeutung des Lebens berücksichtigt. In der westlichen Welt war die Lebenszufriedenheit zwischen 45 und 54 Jahren am geringsten und nahm dann wieder zu.

Laut Mitautor Angus Deaton von der Princeton University könnte die Wirtschaft eine Erklärung dafür sein. «In diesem Zeitraum sind die Gehälter am höchsten und es ist die beste Zeit, um zu arbeiten und am meisten zu verdienen, auch wenn das auf Kosten der Lebensqualität geht. Ziel ist es, für später vorzusorgen.» Das könnte erklären, warum ältere Menschen glücklicher sind, obwohl sie langsam gebrechlicher werden. Höhere Zufriedenheit dürfte demnach auch die zunehmenden körperlichen Einschränkungen abfangen.

Wirtschaftliche Faktoren relevant

In Ländern wie der früheren Sowjetunion nimmt die Zufriedenheit mit steigendem Alter ab und ist allgemein geringer als im Westen. Auch hier könnte die Wirtschaft relevant sein. Ältere in diesen Ländern haben ein System verloren, das nicht nur ihrem Leben einen Sinn gegeben, sondern in manchen Fällen auch eine Pension und eine Gesundheitsversorgung ermöglicht hat. In den Ländern südlich der Sahara war die Zufriedenheit während des ganzen Lebens sehr gering. Die Werte für Stress und Sorgen waren im Gegensatz dazu sehr hoch.

Laut Deaton spiegeln die aktuellen Forschungsergebnisse ohne jeden Zweifel die Erfahrungen einer Region wider - und auch die Folgen, die sie für ältere Menschen gehabt haben. Steptoe zufolge ist Geld kein Garant für Glück. Wirtschaftlicher Fortschritt hingegen fördere jedoch das Wohlbefinden bis zu einem gewissen Grad. «Es sieht so aus, als ob das Wohlergehen mit dem wirtschaftlichen Erfolg einhergehen würde.»

(awe/pte)

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