Menschenrechte statt Kirchenrechte
publiziert: Donnerstag, 28. Mai 2015 / 08:18 Uhr
Dublin, kurz vor dem Referendum: Die grosse Mehrheit sagte «Ja» zu den Menschenrechten gegen den Widerstand der Kirche.
Dublin, kurz vor dem Referendum: Die grosse Mehrheit sagte «Ja» zu den Menschenrechten gegen den Widerstand der Kirche.

Irland hat's vorgemacht: Gegen den massiven Widerstand der katholischen Kirche haben sich die allgemeinen Menschenrechte in einer Volksabstimmung durchgesetzt. Ein weiterer Beleg dafür, dass die christlichen Kirchen als ethisch-moralische Instanz im Staat ausgedient haben. Die Privilegierung ihrer Ansicht und ihres Wirkens unter dem überkommenen Label «Landeskirche» gehört abgeschafft!

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Es war überwältigend: Eine grosse Mehrheit der Stimmberechtigten in Irland haben sich für die Umsetzung der Menschenrechte ausgesprochen und gegen die ausgrenzende katholische Ideologie. Dass der Vatikan das irische Ja zur Ehe für homosexuelle Paare als «Niederlage für die Menschheit» bezeichnet, zeigt, wie grössenwahnsinnig die RKK ihren vermeintlichen Anspruch auf ethische Definitionsmacht verteidigt und welch grosse Anstrengungen noch nötig sein werden, um diese Institution auf den ihr zustehenden Platz zu verweisen.

Irland hat's vorgemacht: Menschen sollen vor dem Gesetz gleich sein, unabhängig von Geschlecht, Abstammung, Religion etc. pp. Das ist einfach - einfach einleuchtend. Und genau so sind die Menschenrechte entstanden: Aus der Erfahrung, welcher Machtmissbrauch möglich ist, wenn der Staat zwischen den «Richtigen» und den «Falschen» unterscheidet und Menschen je nach politischer Gesinnung, Herkunft oder Lebensweise unterschiedlich behandelt, wurde der einleuchtende Schluss gezogen, dass die oberste Maxime heissen muss: Alle Menschen sind gleich zu behandeln.

Ein liberaler Staat sollte deshalb die Toleranz fördern. Toleranz bedeutet nicht, alles gut zu finden, sondern einzusehen, dass die eigene Präferenz nicht absolut gesetzt werden kann. Genau das tun aber Kirchen und Religionen - weltweit und hierzulande - und genau das vergiftet das Klima in einer multikulturellen Gesellschaft. Der liberale Staat hingegen hat das freie Leben aller zu ermöglichen und nur dort einzugreifen, wo persönliche Präferenzen zum Schaden von anderen Menschen ausgelebt werden.

Demnächst stimmen wir in der Schweiz ab über die Präimplantationsdiagnostik PID. Die Kirchen malen wie gewohnt den Teufel an die Wand, wenn wir einigen Tausend Paaren einen rationalen Umgang mit der zugegebenermassen sehr speziellen Situation, im Reagenzglas einen gesunden Embryo auszuwählen, zugestehen. Faktenfrei wird da behauptet, da werde potenziell Missbrauch betrieben, da würden letztendlich die Rechte von Behinderten beschnitten etc. pp. In keinem der vielen Länder, in denen die PID Standard ist, sind solche Entwicklungen beobachtet worden. Aber was soll's - wer rechtgläubig ist, kümmert sich weniger um Fakten.

Selber keine Freundin der ganzen Reproduktionsmedizin und immer noch überzeugt, dass die Eizelle mit Vorteil nicht vom Körper der Frau getrennt werden sollte, werde ich trotzdem ein Ja einlegen, weil es einleuchtend ist, dass es keinen vernünftigen Grund gibt, im Falle der bereits erlaubten In-vitro-Fertilisation den Embryo im Reagenzglas anders zu behandeln als jenen im Mutterleib und weil es keinen vernünftigen Grund gibt, betroffenen Frauen eine «Schwangerschaft auf Probe» mit allfällig späterem legalen Schwangerschaftsabbruch oder eine Mehrlingsschwangerschaft aufzuzwingen.

Auch dieser Volksentscheid wird aller Voraussicht nach zeigen, dass die Bischofskonferenz, der Evangelischer Kirchenbund SEK und die Evangelische Allianz SEA mit ihrer Ablehnung der Verfassungsänderung in der Schweiz nur eine Minderheit des Stimmvolks vertritt. Diese Organisationen sollen im liberalen Staat das Recht haben, ihre Meinung kund zu tun, aber die Privilegierung ihrer Ansicht und ihres Wirkens unter dem überkommenen Label «Landeskirche» gehört endlich abgeschafft!

(Reta Caspar/news.ch)

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