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Mikro-Wetterversicherungen gegen Ernteausfälle in Entwicklungsländern (Teil 2)
publiziert: Donnerstag, 15. Dez 2011 / 09:00 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 15. Dez 2011 / 12:40 Uhr
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Ines Kapphan schreibt ihre Doktorarbeit am Institut für Umweltentscheidungen der ETH Zürich. Zurzeit ist sie Gast-Doktorandin an der Universität Stanford.
Ines Kapphan schreibt ihre Doktorarbeit am Institut für Umweltentscheidungen der ETH Zürich. Zurzeit ist sie Gast-Doktorandin an der Universität Stanford.

Mikro-Wetterversicherungen sind eine vielversprechende Idee im Kampf gegen die Armut in Entwicklungsländern (siehe Teil 1 meines Blogbeitrags unter weiterführende Links). Das Konzept der Mikroversicherungen könnte in die Fussstapfen der Mikrofinanzrevolution treten, mit der Friedensnobelpreisträger Muhammed Yunus einst der Armutsfalle den Kampf angesagt hat. In der Realität gilt es jedoch, einige Schwierigkeiten zu lösen.

Weiterführende Links zur Meldung:

Blogbeitrag vom 01.11.2011
Mikro-Wetterversicherungen gegen Ernteausfälle in Entwicklungsländern (Teil 1)
www.klimablog.ethz

Mikroversicherungen richten sich an Menschen aus Entwicklungs- oder Schwellenländern, die nur über sehr geringes Einkommen verfügen und sich herkömmliche Versicherungen nicht leisten können. Einige der Minipolicen haben sich bereits gut etabliert und weisen hohe Wachstumsraten auf, wie zum Beispiel die Mikro-Lebensversicherung. Im Todesfall eines Mikrokreditnehmers deckt sie die Kosten der Bestattung ab, für die sich die Hinterbliebenen andernfalls verschulden. Ein anderes Beispiel ist die Mikro-Kreditlebensversicherung. Dank einer solchen Mikro-Kreditlebensversicherung kann der Kleinstkredit eines Verstorbenen zurückgezahlt werden, wodurch verhindert werden soll, dass die Familie des verstorbenen Kreditnehmers in eine Schuldenfalle gerät.

Herausforderungen für das Geschäft mit den Mikroversicherungen

Um das Geschäft mit den Mikroversicherungen auszubauen, gilt es jedoch einige Hürden zu bewältigen. Der mangelnde Kenntnisstand über Versicherungen ist eine davon. Viele Menschen wissen nicht, wofür eine Versicherung gut ist und wie sie funktioniert. Dass sie zum Beispiel die Prämie bezahlen müssen, auch wenn sie die Police nie in Anspruch nehmen. Es gilt, ein Bewusstsein für Versicherungen zu schaffen. Der Aufbau eines Vertriebsnetzwerks stellt eine weitere Hürde dar. Um in ländlichen Gebieten die Menschen zu erreichen, arbeiten die Versicherer mit Hilfsorganisationen oder nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) zusammen, ohne die das Konzept der Mikroversicherungen nicht funktionieren würde. Um die Prämien niedrig zu halten, bedarf es auch einer effizienten Verwaltung. Vom Verkauf über die Registrierung der Policen, der Prämienverwaltung, bis zur Schadensabwicklung gilt es, die Transaktionskosten zu reduzieren.

Die Syngenta Foundation, die seit 2009 in Kenia Mikro-Wetterversicherungen anbietet, nutzt zur Abwicklung der Policen das weitverbreitete Mobile-Banking «M-Pesa» (M-PESA ist Swahili und bedeutet «mobiles Geld»). Sobald am Ende der Erntesaison die Wetterdaten der Messstationen feststehen, kommt es zur Schadensbegleichung. Wenn der Regen ausbleibt, erhalten die Landwirte automatisch einen Geldtransfer auf ihr Mobiltelefon.

Interesse der Versicherungsbranche an Mikroversicherungen

Das Engagement der Versicherungen ist nicht ganz uneigennützig. Einerseits kommt die Versicherungsbranche damit ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nach und überträgt das Risiko einer Einzelperson auf eine Gruppe (Risikotransfer). Dies ist insbesondere da wichtig, wo der Zugang zu staatlichen Versicherungen fehlt. Andererseits erhalten die Versicherungen durch ihr Engagement langfristig den Zugang zu neuen Märkten. Heute mag sich der Käufer einer Mikroversicherung noch am unteren Ende der Einkommenspyramide befinden. Schon morgen könnte er der Mittelschicht angehören und weitere Versicherungsleistungen benötigen.

Mikro-Wetterversicherungen versus bisherige Mikro-Versicherungen

Bestehende Mikroversicherungen wie die Mikro-Lebensversicherung basieren auf dem Prinzip des Risiko-Pooling. Hierbei zahlen alle Versicherungsnehmer Prämien in einen «Pool» ein. Die kollektiven Beiträge werden dann dazu verwendet, die Schadensfälle einzelner Mitglieder auszugleichen. Das individuelle Risiko wird somit auf eine Gruppe von Prämienzahler verteilt. Das Umlegen des individuellen Risikos auf eine Gruppe ermöglicht es den Versicherern, die Prämien gering zu halten. Tritt der Schadensfall ein, leistet die Versicherung und dem Versicherten wird aus seiner Notlage geholfen.

Im Gegensatz dazu basieren Mikro-Wetterversicherungen nicht auf dem Prinzip des Risiko-Pooling. Die Prämie einer Mikro-Wetterversicherung basiert auf Berechnungen anhand historischer Wetterdaten. Bei einer so genannten index-basierten Ernteversicherung gegen Trockenheit ist in der Police das Niederschlagsniveau festgelegt, bei dessen Unterschreitung ausgezahlt wird. Die Höhe der Auszahlung errechnet sich aus der Menge an Niederschlag, die während der Saison ausgeblieben ist. Um die Auszahlungswahrscheinlichkeiten zu ermitteln, werden historische Wetterdaten herangezogen.

Herausforderung: fehlende Wetterdaten

In vielen Entwicklungsländern fehlt es jedoch an durchgehenden meteorologischen Aufzeichnungen. Fehlende Wetterdaten sind sowohl ein Problem für die Versicherer, die ohne Daten das Risiko nicht einschätzen können, als auch für das Produktdesign.

Problematisch ist auch die geringe Dichte an Messstationen. Die Daten einer Messstation können Aufschluss darüber geben, wie das Wetter in der unmittelbaren Umgebung ist. Je weiter sich ein Landwirt von einer Messstation entfernt befindet, desto ungenauer werden die Rückschlusse auf die meteorologischen Verhältnisse, die den Anbau des Landwirts beeinflussen. Weicht die tatsächliche Witterung auf dem Feld von den Messdaten der Station ab, kommt es eventuell zu keiner Auszahlung, obwohl Ernteeinbussen vorliegen. Dieses Problem ist als Basisrisiko bekannt, und kann reduziert werden durch Investitionen in Messstationen und bessere Wetterindizes, die die Ernteverluste gut vorhersagen. Einige Projekte haben bereits innovative Lösungen erprobt. In Indien beispielsweise haben Versicherungen angefangen, voll-automatische, solarbetriebene Messstationen aufzustellen, um die Datenqualität zu verbessern. Eine Investition, die sich langfristig auszahlt.

Trade-off: Produktdesign und Verständlichkeit

Für Mikroversicherungen gilt, dass sie günstig und ihre Bedingungen einfach sein müssen, damit auch Kunden mit geringem Bildungsgrad das Produkt verstehen. Bei Mikro-Wetterversicherungen zeigt sich jedoch, dass das Produktdesign ausschlaggebend ist, um Wetterrisiken effektiv zu versichern. Hier wird mit einfachen, nachvollziehbaren Wetterindizes und Auszahlungsschemata nicht immer die beste Risikoreduzierung für den Landwirt erzielt. Es braucht somit noch einiges an Aufklärungsarbeit - auf Seiten der versicherten Landwirte, als auch der Versicherer - damit Mikrowetterversicherungen angeboten werden, welche die zukünftigen Wetterrisiken effizient versichern. Trotz der Vielzahl an Herausforderungen sind Mikro-Wetterversicherungen bereits heute ein vielversprechendes Konzept, um künftig Millionen von Kleinst-Landwirten gegen die finanziellen Folgen des Klimawandels zu versichern.

(ETH-Doktorandin Ines Kapphan /ETH-Klimablog)

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