Milliarden-Spekulation bei BAWAG-Bank: Schuldsprüche
publiziert: Freitag, 4. Jul 2008 / 11:30 Uhr / aktualisiert: Freitag, 4. Jul 2008 / 15:40 Uhr

Wien - Im Prozess um die ruinösen Spekulationen der früheren österreichischen Gewerkschaftsbank BAWAG sind alle neun Angeklagten schuldig gesprochen worden. Sie müssen Schadenswiedergutmachungen in Höhe von 75 Mio. Euro leisten.

Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner ist schuldig gesprochen worden.
Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner ist schuldig gesprochen worden.
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Nach einem knapp einjährigen Strafprozess vor dem Wiener Landgericht sprach die vorsitzende Richterin den Hauptangeklagten, den früheren BAWAG-Chef Helmut Elsner, der Veruntreuung einer Summe von 1,72 Mrd. Euro sowie des Betrugs und der Bilanzfälschung schuldig.

Er habe den Verwaltungsrat der Bank getäuscht und Kredite an den Spekulanten Wolfgang Flöttl vergeben, bei denen die Bank sich an ihrem eigenen Risiko besichert habe, begründete die Richterin das Urteil.

Auch Elsners Nachfolger an der Bankspitze, Johann Zwettler, wird wegen Untreue verurteilt.

Schaden mit 75 Mio. Euro wiedergutmachen

Alle Verurteilten müssen eine Schadenswiedergutmachung an die BAWAG von zusammen über 75 Mio. Euro leisten. Elsner, der als einziger während des Prozesses in Untersuchungshaft sass, muss zusätzlich seine Pensionsabfindung von 6,8 Mio. Euro an die BAWAG zurückzahlen.

Die Richterin verwies die Hauptgeschädigten für weitere Schadensersatzforderungen an die Zivilgerichte. Nach Verhängung der neun Urteile haben alle Angeklagten ausser dem Spekulanten Wolfgang Flöttl Rechtsmittel gegen die Strafen eingelegt.

Die Banker hatten das ehemals gewerkschaftseigene Institut durch hochriskante Spekulationen in den USA in den 1990er-Jahren in eine Schuldenkrise mit Verlusten von umgerechnet bis zu 3 Mrd. Euro gestürzt. Inzwischen wurde die viertgrösste Bank Österreichs an einen US-Hedgefonds verkauft.

(dl/sda)

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