Nobelpreise
Mit Blaulicht zum Nobelpreis - Physiker für Leuchtdioden geehrt
publiziert: Dienstag, 7. Okt 2014 / 18:34 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 7. Okt 2014 / 19:10 Uhr

Stockholm - Ihre Erfindung ist inzwischen in fast jedem Haushalt zu finden: Für die Entwicklung der blauen Leuchtdioden (LED) erhalten die japanischen Wissenschaftler Isamu Akasaki und Hiroshi Amano sowie der US-Forscher Shuji Nakamura den diesjährigen Physik-Nobelpreis.

4 Meldungen im Zusammenhang
Das Nobelpreiskomitee würdigte am Dienstag ihre «revolutionäre» Forschung. Es begründete seine Entscheidung ganz wesentlich mit den positiven Auswirkungen der Entwicklung auf die Umwelt.

«Rote und grüne LEDs gibt es schon viele Jahre, aber die blauen fehlten wirklich noch», sagte Per Delsing, Vorsitzender des Nobel-Komitees für Physik. Diese waren aber die Bedingung für die Entwicklung der modernen, energiesparenden weissen LEDs.

Das blaue Licht liess allerdings jahrzehntelang auf sich warten. «Die grosse Herausforderung war es, das Halbleitermaterial so herzustellen, dass es blaues Licht emittiert», erklärte die LED-Forscherin Vanessa Wood vom Departement für Informationstechnologie und Elektrotechnik der ETH Zürich der Nachrichtenagentur sda.

Strom sparen dank LEDs

Weisse LEDs sind inzwischen weit verbreitet, ob in Ampeln, Auto-Rückleuchten oder in Displays elektronischer Geräte. Sie geben ein helles Licht, leuchten zehntausende Stunden lang und haben einen wesentlich geringeren Energieverbrauch als herkömmliche Glühlampen. Diese stehen in der Europäischen Union vor dem Aus.

«LEDs sind kompakt, effizient und bereiten bei der Entsorgung weniger Probleme», fasste Wood zusammen. Die Technik werde permanent verbessert und hat schon eine Lichtausbeute von 300 Lumen pro Watt erreicht, was etwa 16 gewöhnlichen Glühbirnen entspreche, lobte das Nobel-Komitee. «Das 21. Jahrhundert wird durch LED-Lampen beleuchtet werden.»

Rund ein Viertel des weltweiten Energieverbrauchs wird für Beleuchtung verwendet. «Mit LEDs könnten wir eine Menge Strom sparen», sagte Wood. Die sparsamen LEDs liessen sich in Regionen ohne zuverlässige grosse Stromnetze mit Solarenergie betreiben, betonte das Nobel-Komitee. Davon könnten potenziell 1,5 Milliarden Menschen profitieren.

«Hätte ich nie allein geschafft»

«Unglaublich», war Nakamuras Reaktion am Dienstag laut der japanischen Nachrichtenagentur Jiji Press. Er fühle sich «sehr geehrt», zitierte ihn später die Universität im kalifornischen Santa Barbara, wo Nakamura arbeitet. «Es ist sehr befriedigend zu sehen, dass mein Traum vom LED-Licht Realität geworden ist.»

Akasaki (85) und Amano (54) haben in den 1990er Jahren unabhängig von Nakamura versucht, blaue LEDs herzustellen. Nakamura war in einem kleinen Unternehmen namens Nichia Chemicals in Tokushima angestellt. Rote Leuchtdioden waren bereits Ende der 1950er Jahren entwickelt worden, doch an blauen bissen sich zahlreiche Forscher jahrzehntelang die Zähne aus.

«Es hiess damals, (die Technik) schafft man nicht innerhalb des 20. Jahrhunderts», sagte Akasaki. «Einige haben damit aufgehört. Aber ich habe nicht daran gedacht....ich habe nur das getan, was ich wollte», sagte der Physiker, der damals zusammen mit seinem Doktoranden Amano an der Universität von Nagoya arbeitete. «Zum Glück hatte ich immer Kollegen, die mich dabei unterstützt haben. Das hätte ich nie alleine geschafft.»

LEDs bestehen aus mehreren Schichten von halbleitenden Materialien, durch die positiv geladene Stellen und negativ geladene Teilchen fliessen, sobald Strom angelegt wird. Treffen beide aufeinander, entsteht Licht. Die Schwierigkeit bestand darin, die relativ kurzwelligen blauen Strahlen zu erzeugen. Alle drei Physiker entschieden sich dafür, als Material Galliumnitrid-Kristalle zu verwenden.

Neben den LEDs entwickelten die Forscher noch einen blauen Laser. Mit Hilfe dieser Technik konnte eine wesentlich höhere Speicherkapazität als auf einer DVD erreicht werden, was die Blue-ray-Disc ermöglichte.

Der Physik-Nobelpreis ist mit insgesamt acht Millionen schwedischen Kronen (rund 1'060'000 Franken) dotiert, den sich die Forscher teilen müssen. Die Nobelpreise werden am 10. Dezember, dem Todestag des Preisgründers Alfred Nobel im Jahr 1896, in Stockholm verliehen.

 

(fest/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Etschmayer LED's sind DIE Lichtquelle der Zukunft. Effizient, langlebig und günstig verdrängen sie Glühbirnen, Energiesparlampen und ... mehr lesen
LED-Beleuchtung (in England): Effizient und für Astronomen katastrophal.
Stockholm - Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an die Japaner Isamu ... mehr lesen
Die Nobelpreise sind mit je acht Millionen schwedischen Kronen (rund 1'060'000 Franken) dotiert. (Symbolbild)
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 19
Das Berner Inselspital stellt die Proben für mehrere Forschungsprojekte und einem grösseren Forscherkreis zur Verfügung.
Das Berner Inselspital stellt die Proben für mehrere ...
Medizinische Forschung  Bern - Das Inselspital nimmt mit der «Liquid Biobank Bern» das derzeit modernste Tiefkühllager für Blut und andere flüssige Bioproben in der Schweiz in Betrieb. Die Biobank soll zur wichtigen Forschungsressource für massgeschneiderte Medizin werden. mehr lesen 
Wegen Zika - Acht Wochen nur geschützt  Genf - Touristen sollen nach ihrer Heimreise aus Zika-Gebieten mindestens acht Wochen ... mehr lesen  
Zika wird hauptsächlich durch Mückenstiche verbreitet.
Einkommen weniger wichtig  Kinder verheirateter Eltern haben mehr Selbstvertrauen und sind glücklicher, egal wie hoch das Einkommen der Familie unter dem Strich ist. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Untersuchung der britischen Marriage Foundation. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 9°C 20°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig Nebel
Basel 10°C 21°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
St. Gallen 10°C 18°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Bern 9°C 19°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig Nebel
Luzern 11°C 19°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig Nebel
Genf 11°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Lugano 16°C 20°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten