Satellit LISA Pathfinder fliegt ins All
Mit Satellit und Schweizer Technik Gravitationswellen auf der Spur
publiziert: Freitag, 27. Nov 2015 / 15:37 Uhr

Kourou/Bern - Der Countdown läuft: Am Mittwoch wird bei planmässigem Verlauf der Satellit LISA Pathfinder ins All starten. Beim Projekt zum Nachweis von Gravitationswellen ist auch die Schweiz mit an Bord.

4 Meldungen im Zusammenhang
Bei kosmischen Katastrophen wie der Kollision von Schwarzen Löchern geraten Raum und Zeit ins Schwanken. Dabei verursachte Änderungen des Gravitationsfelds jagen als Welle in der Raumzeit durch das All. Vorausgesagt wurden diese Gravitationswellen vor fast 100 Jahren von Albert Einstein im Rahmen seiner Allgemeinen Relativitätstheorie.

Direkt beobachtet wurde die Wellen jedoch noch nie. Sämtliche Versuche, die mit Hilfe riesiger Detektoren auf der Erde durchgeführt werden, blieben bisher erfolglos. Nun hofft die Europäische Raumfahrtagentur (ESA), dem Phänomen mit einem Experiment im All auf die Spur zu kommen.

Der Satellit LISA Pathfinder soll dazu den Weg ebnen. Sein Start mit einer Vega-Rakete vom Weltraumbahnhof in Kourou (Französisch-Guayana) ist für Mittwoch um 5 Uhr morgens (Schweizer Zeit) geplant. Am Projekt sind die ETH und die Universität Zürich sowie der Schweizer Technologiekonzern RUAG massgeblich beteiligt

Würfel im freien Fall

Der Nachweis der Gravitationswellen soll gemäss RUAG Space mit Hilfe von Testkörpern gelingen, die sich physikalisch gesehen im freien Fall befinden. Die einzige Kraft, der diese Körper ausgesetzt sind, ist die Schwerkraft. Gibt es tatsächlich Gravitationswellen, so müsste sich unter ihrem Einfluss der Abstand zwischen diesen Körpern minimal verändern.

Den eigentlichen Nachweis der Gravitationswellen soll die ab 2034 geplante ESA-Mission eLISA führen, ein Projekt aus drei zusammengeschalteten Satelliten. Von LISA Pathfinder erhoffen sich die Forscher den Beweis, dass es möglich ist, die Distanz zwischen zwei Testkörpern im All extrem genau zu messen.

Im Innern des Satelliten schweben im Abstand von 38 cm zwei je 1,96 kg schwere Würfel aus einer Gold-Platin-Legierung. Von RUAG Space hergestellte Mechanismen halten die Würfel während des Starts an ihrem Platz und positionieren sie danach in ihren Testkammern. Die Elektronik wurde am Institut für Geophysik der ETH Zürich entwickelt. Von RUAG stammt neben weiteren Bauteilen des Satelliten auch der Laser-Modulator.

Unvorstellbare Genauigkeit

Schweben die beiden Würfel erst einmal in ihren Kammern, wird der Abstand zwischen ihnen von einem hochpräzisen Laser-Interferometer überwacht. Die dabei geforderte Genauigkeit wird von den Physikern der Uni Zürich als «atemberaubend» beschrieben.

Sie liegt im Grössenbereich eines Bruchteils eines Atomkerns, das heisst im Pikobereich (10 hoch minus 12). Zum Vergleich: In einer Pikosekunde legt Licht, das in einer Sekunde die Strecke von der Erde bis zum Mond bewältigt, lediglich drei Haaresbreiten zurück.

LISA Pathfinder soll für seinen sechsmonatigen Einsatz an einem speziellen Punkt rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt «geparkt» werden, dort, wo sich die Schwerkraft von Sonne und Erde aufheben. Um exakt der Bahn der Testmassen folgen zu können, wird deren relative Position laufend gemessen.

Mit Hilfe sogenannter Kaltgas-Mikro-Newton-Triebwerke erfolgt dann die Anpassung der Bahn des Satelliten. Die Schubkräfte dieser Triebwerke liegen im Bereich von Mikronewton - das entspricht der Gewichtskraft eines Sandkorns auf der Erde.

(bg/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Zürich - Die LISA-Pathfinder-Mission steht kurz vor der Aufnahme ihrer Arbeit: dem ... mehr lesen
Washington - 100 Jahre nachdem ... mehr lesen
Washington - Die Gerüchteküche ... mehr lesen
Wurden Gravitationswellen im Universum entdeckt?
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Insgesamt sind nun 254 Satelliten im Orbit.
Insgesamt sind nun 254 Satelliten im Orbit.
OneWeb schliesst seine «Five to 50»-Mission ab, um Regionen nördlich des 50. Breitengrades abzudecken, darunter Grossbritannien, Kanada, Alaska und die arktische Region. mehr lesen 
Fotografie Originalabzüge von 1958-1972  377 NASA-Originalaufnahmen aus der Sammlung von Victor Martin-Malburet aus Paris werden ab dem 20. Juni online versteigert. Die Fotos ... mehr lesen  
Viele der Fotos wurden öffentlich nie gezeigt.
Raumsonde Rosetta  Bern - Die Raumsonde Rosetta hat eine Aminosäure und Phosphor in den Ausgasungen des Kometen Tschuri gefunden. Beides sind wichtige Bestandteile für die Entstehung von Leben. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Der Remoteserver hat einen Fehler zurückgegeben: (500) Interner Serverfehler.
Source: http://www.news.ch/ajax/top5.aspx?ID=0&col=COL_3_1
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich 7°C 18°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Nebelfelder Nebelfelder
Basel 7°C 20°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
St. Gallen 7°C 16°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Bern 6°C 18°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Nebelfelder Nebelfelder
Luzern 8°C 18°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
Genf 9°C 20°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Lugano 14°C 22°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten