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Mit neuer Energie aus der Krise
publiziert: Donnerstag, 26. Feb 2009 / 11:46 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 26. Feb 2009 / 12:16 Uhr

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Es wird immer wieder gesagt, dass eine Krise auch eine Chance darstellt. Wenn dies stimmt, dann leben wir in einer Zeit, die vor Chancen für Innovationen nur so wimmelt. Gleichzeitig sind Krisenzeiten aber auch Zeiten, in denen sich viele wieder auf vermeintlich sichere Werte zurück besinnen.

Das Letztere ist soeben in Italien passiert: Mit Hilfe von Frankreich will unser südlicher Nachbar wieder Atomkraftwerke bauen, um die scheinbar sehr anfällige Energieversorgung Italiens wieder auf sichere Füsse zu stellen. Berlusconi scheint überzeugt davon zu sein, dass er die vier geplanten AKWs durchbringen kann.

Doch es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass die Entsorgung der abgebrannten Kernbrennstäbe ebenso wenig gelöst ist, wie die Tatsache, dass in einer Welt, in der überall neue Atomkraftwerke aufgestellt werden sollen, auch das Uran bald einmal knapp werden könnte.

Langfristig sind erneuerbare Energien die einzige Alternative – schlicht und ergreifend deshalb, weil diese Energiequellen nicht irgendwann «verbraucht» sein werden. Die Fotovoltaik ist in diesem Zusammenhang ein offensichtlicher Kandidat. Ein Problem dieser Energiequelle war bislang die zu geringe Effizienz. Doch neue Technologien haben soeben grosse Fortschritte gebracht: So genannte Konzentratoren, welche das Sonnenlicht auf wesentlich kleineren Solar-Zellen-Flächen bündeln, haben die Effizienz von Sonnenkollektoren auf gute 40% hinauf geschoben. Vor einigen Jahren galt die Hälfte noch als Sensation.

Doch von den fast 100 Prozent, die eine Pflanze aus Sonnenenergie heraus kitzelt, sind wir immer noch meilenweit entfernt. Ein Grund könnte sein, dass die Blätter von Pflanzen scheinbar Quantencomputer sind, die es schaffen, für jede Energieladung den effizientesten Weg zu finden. Es dürfte ein Weilchen gehen, bis wir es schaffen, diese Inspiration in Solarzellen umzusetzen – aber die Evolution zeigt uns, dass es machbar ist.

Auch ein anderes Problem der Solarenergie – die Speicherung derselben – könnte auch durch eine Inspiration durch Pflanzen gelöst werden. Dank eines neuen Katalysators, Kobalt, der eine wesentlich einfachere Elektrolyse von Wasser und so die Erzeugung von Wasserstoff erlaubt, könnte der Solarenergie ein weiterer Schub gegeben werden.

Doch auch andere erneuerbare Energien könnten davon profitieren. Auch die Windenergie hat den Nachteil, dass man sie nicht speichern kann und effiziente Möglichkeiten dies zu bewerkstelligen, könnten eine Art heiliger Gral werden. Zwei andere Probleme von Windenergie-Turbinen, Lärm und Anlaufwiderstand, könnten zudem in der Schweiz gelöst worden sein. Inspiriert von einem Aerodynamischen Problem früher Gleitschirme konstruierten zwei Thurgauer Brüder senkrecht stehende Windrotoren, die schon bei geringen Windstärken und völlig geräuschlos die Energie der bewegten Luft ernten können und so auch auf Wohnanlagen, Bauernhöfen und Industriebetrieben erstellt werden könnten.

Die Firma Vortex Energy aus der Universitätsstadt Ann Arbor in Michigan hat sich auch eines Problems angenommen und beabsichtigt ebenfalls, daraus Energie zu gewinnen. Die so genannten Wirbel erzeugten Vibrationen, die von langsam strömendem Wasser verursacht werden, bereiten Betreibern von Ölbohrplattformen seit je her Kopfzerbrechen. Wenn eine Strömung an ein Hindernis stösst, werden auf der Rückseite des Hindernisses Wirbel erzeugt, die wiederum Vibrationen verursachen. Die Pfeiler von Bohrinseln leiden dramatisch unter diesem Phänomen.

Vortex-Energy hat nun erkannt, dass in langsamen Strömungen an vielen Orten ein riesiges Energiepotential schlummert, dass eigentlich nur auf die Ernte wartet: Ob in Flüssen oder in Ozeanen. Und dies liesse sich vermutlich mit minimalen Eingriffen in Ökosystem und im Landschaftsbild bewerkstelligen.

Die Krise ist da. Und wenn die Krise unsere Augen für neue und nachhaltige Lösungen öffnet, dann schaffen wir es vielleicht sogar mit neuer (und erneuerbarer) Energie, diese hinter uns zu bringen.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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