Streit um Gesundheitsgefahr
Mobilfunk «möglicherweise krebserregend»
publiziert: Mittwoch, 1. Jun 2011 / 07:21 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 1. Jun 2011 / 08:53 Uhr
Mobilfunkantennen.
Mobilfunkantennen.

Washington - Schon seit es Mobiltelefone gibt, wird darüber gestritten, ob ihre Strahlung für den Nutzer gefährlich ist. Ausschliessen lässt sich das nicht, möglicherweise sind sie krebserregend, meinen Experten des WHO-Krebsforschungsinstituts. Die Hersteller weisen das zurück.

8 Meldungen im Zusammenhang
Vom Telefonieren mit den Handy könnte eine Gesundheitsgefahr ausgehen, denn Handystrahlung ist «möglicherweise krebserregend» - zu diesem Schluss kommt eine Expertengruppe der Internationalen Agentur für Krebsforschung IARC in Lyon.

31 Fachleute aus 14 Ländern hatten dort rund eine Woche lang «nahezu sämtliche verfügbaren wissenschaftlichen Belege» ausgewertet, wie das Krebsforschungsinstitut der Weltgesundheitsorganisation WHO am Dienstag zum Abschluss der Beratungen mitteilte. Beteiligt waren auch zwei Forscher aus der Schweiz.

Schwache Hinweise

Bei der Analyse ging es um hochfrequente elektromagnetische Strahlung, wie sie von Handys, aber auch von Rundfunk und Radar benutzt wird. Ein Krebsrisiko durch Handys kann demnach nicht ausgeschlossen werden. Dass ein solcher Zusammenhang besteht, sei aber im Moment nicht eindeutig belegt, sagte Mitautor Kurt Straif.

Dennoch entschlossen sich die Fachleute zur Einstufung der Strahlung als «möglicherweise krebserregend» da es begrenzte Hinweise auf ein erhöhtes Auftreten bestimmter Hirntumore (Gliome) bei Intensiv-Handynutzern gebe. Auf welche Weise die Strahlung Krebs auslösen könnte, ist ungeklärt. «Die Mechanismen bleiben eine offene Frage», sagte Straif.

«Das Ergebnis bedeutet, dass es ein Risiko geben könnte, und wir müssen deshalb genau nach einer Verbindung zwischen Mobiltelefonen und Krebsrisiko Ausschau halten», sagte der Vorsitzende der Expertengruppe, Jonathan Samet von der Universität von Südkalifornien. Es seien weitere Studien nötig.

Hersteller: Nicht aussagekräftig

Der internationale Verband der Mobiltelefon-Produzenten CTIA wies den Bericht zurück. Die IARC-Analyse sei nicht aussagekräftig. Die IARC habe in der Vergangenheit beispielsweise auch eingelegtes Gemüse und Kaffee als möglicherweise krebserregend eingestuft, heisst es in einer Erklärung von CTIA-Vizepräsident John Walls.

Walls verwies darauf, dass andere Studien keine Gefahr hinsichtlich der Strahlung festgestellt hätten. «Die US-Kommunikationsbehörde ist zu dem Schluss gekommen, dass es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt, dass die Benutzung drahtloser Telefone zu Krebs führen kann.» Ähnlich habe sich auch die US-Gesundheitsbehörde FDA geäussert.

Die Einstufung sei auch für die Schweiz bedeutsam, weil Bewertungen der IARC in politische Diskussionen und Regulationen einflössen, schreiben die Krebsliga Schweiz und die Forschungsstiftung Mobilkommunikation (FSM) in einer gemeinsamen Reaktion.

(bert/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Rom - Internationale Mobilfunkhersteller zittern wegen eines Urteils des Kassationsgerichts in Rom. Das tägliche Telefonieren mit ... mehr lesen 9
Der Mann hatte zwölf Jahre lang durchschnittlich sechs Stunden pro Tag am Handy verbracht. (Symbolbild)
Weltweit gibt es rund fünf Milliarden Handys.
London - Wer viel mit dem Handy telefoniert, kann aufatmen: In der bisher grössten Studie zu diesem Thema haben dänische ... mehr lesen
Bochum - Über mögliche Risiken durch Handystrahlung wird seit langem diskutiert. Deutsche Neurowissenschaftler ... mehr lesen 4
Für normale Handy-Benutzer ist telefonieren unbedenklich.
Opfer der Quatschgesellschaft: Handy, Salatgurke, Jörg Kachelmann
Etschmayer Was hat der Kachelmann-Prozess mit Gurken und Handy-Strahlung zu tun? Sehr wenig. Ausser, dass sich Leute, die dafür ... mehr lesen 3
Nebelspalter Das Nationale Forschungsprogramm NFP 57 bestätigt, dass Handystrahlung im Schlaf zwar die Gehirnaktivität beeinflusst, aber dennoch nicht schädlich ist. mehr lesen 2
 
Weitere Artikel im Zusammenhang
In Weissrussland könnten künftig sogar alle Schulkinder vor der Handy-Strahlung abgeschirmt werden.
Fashion Minsk - Während negative Auswirkungen von Handystrahlung nach wie vor nicht nachgewiesen wurden und die Diskussion rund um ... mehr lesen
London - Vergangene Woche hat der französische Umweltminister Jean-Louis Borloo ein Gesetz präsentiert, das ... mehr lesen
Vor den möglichen Gefahren, die von Handystrahlung ausgehen können, warnen auch die kanadischen und russischen Behörden.
Akupunktur, Tuina, Massage, Laserakupunktur, Taping
Hypnose und Hypnosetherapie in Baden / Aargau
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. 13
Das Berner Inselspital stellt die Proben für mehrere Forschungsprojekte und einem grösseren Forscherkreis zur Verfügung.
Das Berner Inselspital stellt die Proben für mehrere ...
Medizinische Forschung  Bern - Das Inselspital nimmt mit der «Liquid Biobank Bern» das derzeit modernste Tiefkühllager für Blut und andere flüssige Bioproben in der Schweiz in Betrieb. Die Biobank soll zur wichtigen Forschungsressource für massgeschneiderte Medizin werden. 
Wegen Zika - Acht Wochen nur geschützt  Genf - Touristen sollen nach ihrer Heimreise aus Zika-Gebieten mindestens acht Wochen auf ungeschützten Sex verzichten. Das riet ...
Zika wird hauptsächlich durch Mückenstiche verbreitet.
Experten: Europa muss sich auf die Zika-Epidemie vorbereiten Kopenhagen - «Die Zeit ist nicht auf unserer Seite. Das Zika-Virus zeigt nicht nur sein ...
Das Zika-Virus kann auch bei Erwachsenen schwerwiegende neurologische Erkrankungen auslösen.
In 60 bis 80 Prozent der Fälle verläuft eine Infektion unbemerkt. (Symbolbild)
16 Personen in der Schweiz Zika-infiziert Bern - In der Schweiz sind seit Einführung der Meldepflicht Anfang März 16 Fälle von Infektionen mit dem Zika-Virus festgestellt ...
Titel Forum Teaser
Massagepraxis in Zürich-Oerlikon
Medizin Jobs und Jobs Gesundheitswesen
 
Der Remoteserver hat einen Fehler zurückgegeben: (500) Interner Serverfehler.
Source: http://www.news.ch/ajax/home_col_3_1_4all.aspx?adrubIDs=46