Moderne Technik überfordert die Käufer
publiziert: Dienstag, 25. Jan 2005 / 15:56 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 25. Jan 2005 / 16:32 Uhr

Irgendwie war früher alles einfacher. Damals gab es Telefone mit einem Kabel, das kam aus der Wand. Heute hat man einen Computer, eine NTBA-Box und eine ISDN-Anlage oder besser noch: DSL-Modem und WLAN-Router. Alles sei kinderleicht zu installieren, versichert der Berater im T-Punkt. Aber was ist, wenn man gar keine Kinder hat?

Keiner ist zu alt um im Internet zu surfen. Auch der Papst nicht.
Keiner ist zu alt um im Internet zu surfen. Auch der Papst nicht.
Und mit der Telefonanlage hört es längst nicht auf: Statt Plattenspieler, Radio und Kassettenrekorder gibt es Multimedia-PCs und DVD-Rekorder. Es wird nicht mehr aufgenommen, sondern gebrannt.

Die gängigsten Formate heissen CD, CD-R, CD-RW, SACD, Video CD, VCD, SVCD, DVD, DVD-R, DVD+R, DVD+RW, DVD-RW, Audio-DVD, MP3 und JPEG. Und im Auto gibt es heute komplexe Menüführungen, die den Fahrer zwingen, zwischendurch für zehn Minuten den Blick von der Fahrbahn zu nehmen.

Bevölkerung ist gespalten

Die Menschheit teilt sich nach einer repräsentativen Umfrage der Marktforscher von Research International in Hamburg in zwei ungefähr gleich grosse Gruppen: die von der Technik Begeisterten und die von der Technik Überforderten.

Laut Studie stimmen 57 Prozent der Bevölkerung der Aussage zu, dass technische Geräte immer komplizierter werden. 45 Prozent haben schon gar keine Lust mehr, sich mit den Funktionen im einzelnen zu beschäftigen. Bei mehr als einem Drittel führt das Gefühl der Überforderung sogar dazu, dass sie Neuanschaffungen immer weiter hinausschieben. "Die entwickeln eine echte Kaufblockade", sagt Studienleiterin Katrin Ossenbrüggen.

Geiz ist geil

Wer heute auf seriöse Weise ein technisches Gerät kaufen möchte, müsste vorher aufwendige Marktstudien anstellen. Doch viele pfeifen auf Seriosität und treffen ihre Entscheidung anhand der letzten verbliebenen Kriterien, die sie durchschauen.

Bei 34 Prozent der Kunden steht inzwischen das Design, bei 33 Prozent der Preis im Vordergrund. So gesehen bezeichnet der Schlachtruf "Geiz ist geil" auch eine Fluchtbewegung aus der technischen Überforderung.

Vor allem ältere Menschen werden von der technischen Entwicklung zunehmend abgehängt. Viele von ihnen kommen mit Innovationen nur noch in Berührung, wenn ihnen Kinder oder Enkel welche schenken. 56 Prozent der Handybesitzer über 60 Jahre haben das Gefühl, dass sie die Funktionen nur zu einem Bruchteil nutzen.

"Nicht mehr meine Welt"

"Das ist nicht mehr meine Welt", äusserte eine 63-jährige Rentnerin in der Umfrage von Research International resigniert. "Ich bin froh, dass ich die nächsten 20 Jahre technischer Entwicklung nicht mehr mitbekommen muss."

Tatsächlich dürften die Zahlen der Marktforscher noch tief gegriffen sein. Der Mensch scheut sich, in Umfragen peinliche Bekenntnisse abzulegen. Als technischer Trottel outet sich niemand gern.

Das weiss auch Maren Meyer von SirValUse in Hamburg, einem Unternehmen, dass technische Geräte und Websites auf ihre Benutzerfreundlichkeit hin untersucht. "Unsere wichtigste Methode ist die Beobachtung", sagt Meyer. "Viele Testpersonen behaupten nachher, es sei ja alles ganz einfach gewesen. Dabei haben wir gesehen, dass es grosse Probleme gab."

(mo/teltarif.ch)

 
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