Modewochen erst ab 18
publiziert: Montag, 25. Sep 2006 / 14:00 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 26. Sep 2006 / 11:29 Uhr

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Vor kurzem wurden erstaunliche Zahlen bekannt: Es gibt auf der Welt erstmals mehr übergewichtige als unterernährte Menschen. Flapsige Bemerkungen, dass es nun möglich wäre, durch Liposuktion und Fettinjektionen das Welthunger-Problem zu lösen, beiseite, zeigen diese Zahlen vor allem, dass der Mensch nicht mit der heutigen Ernährungssituation umgehen kann.

Wenn in Fernsehshows wie 'Liebling, wir bringen die Kinder um', Familien demonstriert wird, was der falsche Lebenswandel mit den Kindern anrichtet und vernünftiges Verhalten vermittelt wird, zeigt sich extrem, dass unsere Gesellschaft womöglich vor einem gigantischen gesundheitlichen GAU steht: Horden von Teenagern und jungen Erwachsenen mit Diabetes, Herz- und Kreislauferkrankungen. Umso absurder und tragischer, dass – speziell für Frauen – ein Schönheitsideal propagiert wurde, das gleichermassen schädlich und durch normalen Lebenswandel nicht erreichbar ist: Der knochendürre Look der Models auf den internationalen Modeschauen. Arme in Streichholzdicke, die Knie als dickste Stelle an den Beinen, Rippe für Rippe einzel zählbar staksen die Skelettgirls über die internationalen Laufstege.

Bulimie, Anorexie, Abführmittel- und sonstiger Medikamente- und Drogenmissbrauch sind in dieser Branche alltäglich. Die Absurdität geht so weit, dass sogar krankhaft dünnen Frauen, wie einer Teilnehmerin an Heidi Klums Supermodel-Show, gesagt wird, dass sie trotz eines BMI von unter 17 zu dick sei – das Normalgewicht für Frauen startet bei einem BMI von 19.

Menschen ohne extreme genetische Prädisposition können ein solches Gewicht ohne krankhafte Verhaltensweisen gar nicht erreichen. Wenn unter Mädchen beim streben nach dem Model-Look ein regelrechter Ess-Brech-Kult zelebriert wird, so ist das keinen Deut weniger gefährlich als jugendliche Fettsucht.

Die Folgen von Bulimie und Anorexie sind der Abbau der Muskeln, Beeinträchtigung diverser innerer Organe, Osteoporose, psychische Störungen und eine drastisch verkürzte Lebensdauer. Stirbt der übergewichtige mit 40 an Herzversagen und Diabetes, so trifft es die Magersüchtige zur gleichen Zeit aufgrund eines multiplen Organversagens.

Der Unterschied war bisher vor allem, dass Magersucht von der Modeindustrie als ideal zelebriert wurde, während Übergewicht schon längst als unerwünscht betrachtet wird. Der Schritt der Organisatoren der Madrider Modewoche, klinisch kranke Models auszuschliessen war ein längst fälliger Schritt. Dass auch Mailand diesen Schritt vollzieht ist geradezu fantastisch. Wenn sich hingegen der Präsident des Verbandes der Modeindustrie, Didier Grumbach, in Frankreich darüber echauffiert, kann man nur den Kopf schütteln. Er redet davon, dass man Geschmack nicht reglementieren könne. Was natürlich stimmt. Aber man kann reglementieren, welche Art von Geschmack erlaubt ist. Zu fordern, dass Frauen krank sein müssen, um Mode präsentieren zu können, zeugt nicht von ästhetischem Empfinden sondern von Menschenverachtung. Wenn man Grumbachs Logik folgen würde, wäre es auch in Ordnung, dass aufgrund geschmäcklerischer Entscheidungen Modemacher fordern dürften, dass Models fürderhin alle verkrüppelte Füsse haben müssten, oder das keine Models mehr auftreten dürften, die nicht heroinsüchtig wären, weil eitrige Einstichstellen an den Armen plötzlich als schick gelten.

Das es jetzt grosse Modeschauen gibt, die nur noch einen BMI von 18+ zulassen ist erfreulich – vielleicht gelingt es so zumindest, falsche Ideale zu eliminieren. Doch das generelle Problem bleibt: Ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und fehlendes Bewusstsein darüber, was die Folgen dieses Fehlverhaltens sind. Ein gesundes Schönheitsideal ist das eine, den Weg zu diesem Ideal hin bekannt zu machen, das andere. Das kann nicht an einer Modewoche passieren – den Selbstmord mit Messer, Gabel oder dem Finger im Hals zu vermeiden ist nun mal Aufgabe von Familie, Schule und Staat.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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