Lebenslang und 21 Jahre
Mörder von palästinensischem Teenager erhalten lange Haftstrafen
publiziert: Donnerstag, 4. Feb 2016 / 15:10 Uhr
Der Teenager wurde vor mehr als einem Jahr ermordet.
Der Teenager wurde vor mehr als einem Jahr ermordet.

Jerusalem - Mehr als eineinhalb Jahre nach der Verbrennung eines palästinensischen Jugendlichen sind zwei Israelis zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Die Zurechnungsfähigkeit des dritten Täters, des einzigen erwachsenen Angeklagten, wird derzeit noch geprüft.

3 Meldungen im Zusammenhang
Die drei Angeklagten hatten den 16-jährigen Palästinenser Mohammed Abu Chedair im Juli 2014 als Rache für den Mord an drei israelischen Jugendlichen bei lebendigem Leib verbrannt. Das Bezirksgericht in Jerusalem verhängte am Donnerstag lebenslange Haft gegen einen der Täter. Der zweite muss für 21 Jahre ins Gefängnis. Er habe den Mord nicht mit begangen, sondern lediglich mit vorbereitet, hiess es in der Urteilsbegründung.

Die Verurteilten, die zur Tatzeit minderjährig waren, müssen den Angehörigen des Opfers auch Entschädigung in Höhe von jeweils 30'000 Schekel (7684 Franken) bezahlen. Die Mutter von Mohammed Abu Chedair kündigte bereits an, die Entschädigungszahlungen nicht anzunehmen.

Der Tod des Jugendlichen aus dem arabischen Ostteil Jerusalems löste damals gewaltsame Proteste aus. Die Morde an den drei jüdischen Teenagern und an Abu Chedair gelten als einer der Auslöser des Gaza-Kriegs im Sommer 2014.

Auch Häuser von israelischen Tätern zerstören

Der Vater des verbrannten Palästinenser sagte, er werde das Urteil anfechten. Er werde nicht ruhen, bis auch der Hauptangeklagte verurteilt werde und auch der zweite Täter lebenslange Haft bekomme. Die Häuser der Familien der jüdischen Mörder müssten zerstört werden wie jene von palästinensischen Attentätern, forderte er zudem. «Mit weniger geben wir uns nicht zufrieden».

Bei den beiden Verurteilten handelt es sich um zwei inzwischen 18-jährige rechtsextreme Juden. Einer von ihnen stammt aus Jerusalem, der andere aus der israelischen Stadt Beit Schemesch.

Voraussichtlich am kommenden Donnerstag soll entschieden werden, ob der mutmassliche Drahtzieher, ein 31-jährige Siedler, schuldfähig ist. Die Anwälte des Mannes hatten seit Beginn des Prozesses Ende Juli 2014 erklärt, ihr Mandant, der sich selbst als «Messias» bezeichnet, sei geisteskrank. Allerdings legten sie ein entsprechendes psychiatrisches Gutachten erst kurz vor dem Schuldspruch vor.

Suche nach Talmudschülern per Militäraktion

Die geständigen Angeklagten hatten angegeben, die Tat als Racheakt für die Verschleppung und Tötung von drei israelischen Jugendlichen drei Wochen zuvor verübt zu haben. Die drei jüdischen Talmudschüler waren Mitte Juni 2014 im Süden des Westjordanlands gekidnappt worden.

Israel startete daraufhin eine grossangelegte Militäraktion, um die Jugendlichen zu finden und ihre Entführer aufzuspüren. Die Entführten wurden schliesslich am 30. Juni, zwei Tage vor Mohammed Abu Chedairs Verbrennung, erschossen in einem unwegsamen Gelände nördlich von Hebron aufgefunden.

In Israel und den palästinensischen Gebieten geht derweil die Serie von Gewalttaten weiter. Nach einem tödlichen Anschlag dreier Palästinenser auf eine Polizistin in Jerusalem riegelte die israelische Armee am Donnerstag die Stadt Kabatia im nördlichen Westjordanland ab.

Organisierter Anschlag

In dem Heimatort der nach dem Anschlag getöteten Attentäter kam es zu Zusammenstössen zwischen israelischen Soldaten und Palästinensern, wie Gemeindepräsident Mahmud Kmeil mitteilte. Dabei wurden nach Angaben von Rettungskräften vier Palästinenser verletzt.

Die drei palästinensischen Angreifer hatten sich mit Schusswaffen, Messern und einer Rohrbombe bewaffnet einem israelischen Kontrollposten am Damaskus-Tor, einem Eingang zur Jerusalemer Altstadt, genähert.

Israelische Zeitungskommentatoren sehen in dem Anschlag einen Wendepunkt in der Gewaltwelle - von Einzeltätern hin zu organisierten Terroranschlägen. Bisher griffen Palästinenser fast ausschliesslich mit Messern und anderen Stichwaffen an.

(arc/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Jerusalem - In Nahost brennt es an mehreren Ecken. Gegenseitige Hassmorde von Juden und Arabern drohen die Region ins Chaos ... mehr lesen
Von Beginn an wurde vermutet, dass es sich um einen Racheakt für die Verschleppung und Ermordung von drei israelischen Teenagern Mitte Juni handelte.
Angespannte Lage in Ost-Jerusalem. (Symbolbild)
Jerusalem - Ein palästinensischer Jugendlicher ist in einem mutmasslichen Racheakt ... mehr lesen
Jerusalem - Drei seit Donnerstag vermisste israelische Jugendliche sind nach ... mehr lesen
Die vermissten israelischen Jugendlichen sollen gemäss einem israelischen Militärvertreter von Palästinensern entführt worden sein. (Symbolbild)
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 17
Benjamin Netanjahu macht einen weiteren Schritt Richtung Frieden.
Benjamin Netanjahu macht einen weiteren Schritt Richtung ...
Positive Elemente für Friedensinitiative  Jerusalem - Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat sich zu neuen Verhandlungen über einen Friedensplan arabischer Staaten bereit erklärt. Netanjahu sagte am Montagabend in Jerusalem, die Friedensinitiative von 2002 enthalte positive Elemente. mehr lesen 
Lieberman in Israels Parlament als Verteidigungsminister vereidigt Jerusalem - Der rechts-nationalistische Politiker Avigdor Lieberman ist im Parlament ...
Avigdor Lieberman.
Netanjahu gegen Pariser Friedensinitiative Jerusalem - Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat die französische ...
Andreas Kyriacou Die Klage des türkischen Möchtegern-Alleinherrschers Recep Erdogan gegen den Deutschen Satiriker Jan Böhmermann ... mehr lesen   2
Recep Tayyp Erdogan: Liefert Anstoss, Strafgesetzbücher zu entschlacken.
Jetzt disst Böhmermann Kanzlerin Merkel Hamburg - Der deutsche Satiriker Jan Böhmermann kritisiert Kanzlerin Angela Merkel für ihr Verhalten nach der Veröffentlichung ...
Titel Forum Teaser
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) ist in diesen Tagen an allen anderen Fornten unter Druck. ... Mi, 01.06.16 12:39
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Nach Frauenfeld, verehrter zombie wo sie sich mit der Maffia zu einem Zombiestaat vereinen und ganz ... Mi, 01.06.16 11:02
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Blödsinn! Das Schaf ist selbst daran Schuld, dass es vom Wolf gerissen wird, ... Mi, 01.06.16 00:50
  • Pacino aus Brittnau 731
    Radikale führen immer . . . . . . in die Sackgasse. Es ist auch die Linke, die die AfD gefördert ... Di, 31.05.16 07:36
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich 16°C 28°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
Basel 17°C 29°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
St. Gallen 16°C 24°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Bern 18°C 28°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Luzern 20°C 25°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Genf 16°C 27°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Lugano 21°C 30°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten