Mörderisch toller Gastgeberverband
publiziert: Freitag, 13. Okt 2006 / 08:36 Uhr / aktualisiert: Freitag, 13. Okt 2006 / 15:13 Uhr

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Gastrosuisse-Direktor Florian Hew hat mal wieder auf den Tisch gehauen: Erziehung zum Nichtrauchen in Schweizer Restaurants werde es nicht geben. Auch wenn zwei Drittel der Schweizer laut Umfragen FÜR rauchfreie Restaurants seien. Demokratie sei gut und recht in der Politik, aber bestimmt nicht in der freien Marktwirtschaft.

Es ist bezeichnend, dass Herr Hew auch hier wieder voll am Argument vorbeischiesst. Erziehung zum Nichtrauchen kann und wird nicht in Restaurants gemacht werden. Worum es vor allem geht, ist der Schutz der Nichtraucher vor dem Tabakqualm. Passivrauchen kostet in der Schweiz jährlich über 300 Menschen das Leben, ca. 1 Person pro Tag. In vielen Restaurants können sich Nichtraucher ohnehin nur begeben, wenn Sie sich damit abfinden, mit Kopfschmerzen, stinkenden Kleidern und einem gewissen Frust wieder nach Hause zurück zu kehren - dem Frust darüber, dass ein entspannter Abend ausser Haus fast nicht zu erleben ist.

Die Millionen, die dem Gastgewerbe entgehen, weil Eltern ihre Kinder nicht der krebserregenden Restaurantluft aussetzen wollen, der Umsatz, der verloren geht, weil Hunderttausende aus Angst vor durch Qualm verursachte Beschwerden auf den Ausgang verzichten, ist eine Strafe, die von Gastrosuisse noch gar nicht realisiert wurde... vermutlich weil der Verband selbst ein wenig benebelt ist.

71 Prozent der Schweizer sind Nichtraucher, 64 Prozent wollen rauchfreie Restaurants. Nicht nur, weil es angenehmer ist sondern auch, weil sich ein Nichtraucher im Tabakqualm einer Situation aussetzt, die nach dem Gesetzestext alle Bedingungen für Körperverletzung erfüllt. Wobei Kinder noch viel stärker als Erwachsene unter dieser Qual leiden.

Von der Raucherseite her kommt immer wieder das Argument, dass Nichtraucher ja nicht in Restaurants gehen müssten, wo geraucht wird und das Kleinkinder schon gar nichts in Restaurants zu suchen hätten. Natürlich ziehen Nichtraucher auch entsprechende Restaurants vor – aber diese sind extrem dünn gestreut und die Auswahl ist gelinde gesagt, mager. Das Argument, dass Kleinkinder nichts in Restaurants zu suchen hätten, ist Schwachsinn. Es ist Eltern nicht immer möglich, einen Babysitter für ein Kind zu finden, wenn man mal auswärts Essen gehen will. Oder es ergibt sich einfach, dass man mit dem Kind unterwegs ist, und gerne essen würde... darauf verzichten zu müssen, nur weil alle Restaurants verqualmt sind, ist mehr als nur ärgerlich.

Ein generelles Rauchverbot in öffentlichen Räumen wäre daher wirklich erstrebenswert. Dem Wirteverband könnte man ja einen Kompromiss anbieten: es müsste in jeder Gemeinde einfach – dem Anteil der Nichtraucher entsprechend – 70% Prozent Nichtraucherlokale geben. Wenn Gastrosuisse das bei den Mitgliedern nicht hinbekommt, würde eben ein generelles Rauchverbot in den Gemeinden verhängt.

Alternativ dazu könnten Raucher-Restaurants dazu verpflichtet werden, analog zu Zigaretten-Packungen grosse Beschriftungen an der Türe anzubringen: 'Der Besuch dieses Restaurants gefährdet ihre Gesundheit und kann zu Lungen- und Brustkrebs führen'.

Schliesslich wäre auch noch zu überlegen, die Nichtraucher zu organisieren und Boykottwochen gegen Raucherlokale durchzuführen...

Gastrosuisse hingegen argumentiert weiterhin mit Toleranz und Freiwilligkeit, wobei es immer an den Nichtrauchern sein soll, tolerant zu sein. Sicher, es gibt rücksichtsvolle Raucher, Raucher, die den Raum verlassen, um eine Zigarette zu konsumieren, Raucher, welche Kippen nicht einfach wegschmeissen, Raucher, die bei Tisch keinen Glimmstengel anzünden. Doch diese Raucher scheinen leider die Minderheit zu sein. Würde die Mehrheit so handeln gäbe es diese Diskussion nämlich gar nicht. So aber ist die Toleranz der Nichtraucher aufgebraucht – sie wollen ihr Leben nicht mehr einschränken oder gar gefährden lassen.

Es ist bezeichnend, dass Gastrosuisse auch die 0,5 Prozent-Alkohol-Grenze bekämpft hat, ein Grenzwert, der bereits Leben gerettet haben dürfte. Auch der Kampf gegen den Passivrauch ist ein Kampf um das Leben und die Gesundheit von Unbeteiligten. Genauso wie es Unrecht ist, von einem besoffenen Autofahrer zum Krüppel oder tot gefahren zu werden, es Unrecht ist, an Industrieabgasen zu leiden und geschädigt zu werden, ist es auch falsch, vom Passivrauch geschädigt oder getötet zu werden. Erleide man dies nun als Gast oder als Angestellter eines Restaurants.

Doch diese Einsicht fehlt immer noch bei Gastrosuisse, diesem mörderisch tollen Arbeit- und Gastgeberverband.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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